Ey, Bruder

Tennis: Was Mischa und Alexander Zverev beim Turnier in Wimbledon derzeit so erfolgreich macht.

London (dpa) Wenn Roger Federer über die Zverev-Brüder spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. "Ich bin ein großer Fan von ihnen, wir verstehen uns sehr gut. Es ist wirklich schön zu sehen, dass sie beide hier noch dabei sind", sagte der siebenmalige Wimbledon-Champion vor dem Drittrunden-Duell mit Mischa Zverev.
Dass dessen jüngerer Bruder Alexander am Samstag gegen den österreichischen Qualifikanten Sebastian Ofner hervorragende Chancen auf sein erstes Achtelfinale bei einem Grand Slam besitzt, überrascht so wenig wie eine deutsche Meisterschaft des FC Bayern und ist im Karriereplan des 20-Jährigen auch genauso vorgesehen.
Dass sich der fast 30-jährige Mischa allerdings im großen Schatten des kleinen Bruders zur Nummer zwei im deutschen Herren-Tennis aufgeschwungen hat und nun beim bedeutendsten Turnier seiner Sportart gegen Federer auf einem der großen Plätze im All England Club antreten darf, wagte vor einigen Jahren keiner mehr zu prophezeien.
Schon mehrmals musste der 1,91 Meter große Linkshänder um die Fortsetzung seiner Karriere bangen. Die Phrase von der langen Leidenszeit passt zu ihm wie zu wenigen anderen. Bruch des rechten Handgelenks 2009, angebrochene Rippen 2010, Bandscheibenvorfall 2010 und Rückenprobleme 2011, Anriss der Patellasehne 2013 und Operation am linken Handgelenk 2014 stehen in Zverevs Krankenakte. Vor drei Jahren stand er kurz davor, seine Laufbahn zu beenden.
Die Erfolge seines Bruders Alexander und dessen rasanter Aufstieg bis auf Platz zwölf der Branchenwertung inspirierten Mischa Zverev aber so sehr, dass er mehr sein wollte als "der beste Sparringspartner meines Bruders", wie er einmal erzählte.
Und so freut sich der stets freundlich-redselige und eloquente Hamburger mit russischen Wurzeln auf sein insgesamt fünftes und das bereits dritte Duell in diesem Jahr mit dem Idol seiner Kindheit.
"Ich muss versuchen, Alles-oder-nichts zu gehen und aggressiver zu spielen gegen ihn als zuletzt", sagte Zverev. Vor wenigen Wochen verlor er im Achtelfinale von Halle, Anfang des Jahres bei den Australian Open im Viertelfinale, nachdem er zuvor mit seinem Sieg gegen den Weltranglisten-Ersten Andy Murray überrascht hatte.
Natürlich geht Federer in das anstehende Match als haushoher Favorit, doch auch der Maestro hat Respekt vor dem auf Rasen immer gefährlichen und unberechenbaren Serve-and-Volley-Spiel seines Gegenübers. "Bei Mischa weiß man nie so genau, was einen erwartet und wie er spielt. Ich werde jetzt viel mit Linkshändern trainieren und mich mit Linkshändern aufwärmen", sagte der 35 Jahre alte Schweizer.
Extra: BITTERES AUS


Nach einer schmerzhaften Wimbledon-Lehrstunde hat Carina Witthöft das erste Grand-Slam-Achtelfinale ihrer Karriere verpasst. Die 22 Jahre alte Hamburgerin unterlag am Freitag der an Nummer vier gesetzten Jelina Switolina aus der Ukraine 1:6, 5:7. Nur 71 Minuten dauerte der anfangs so ungleiche Drittrunden-Vergleich zwischen der Nummer 65 der Tennis-Welt und ihrer 60 Plätze besser notierten Kontrahentin aus Odessa. Ihre gleichaltrige Gegnerin dominierte im ersten Satz praktisch jeden Ballwechsel und ließ keine Breakchance zu. Switolina hat in diesem Jahr bereits vier Titel gewonnen (Rom, Istanbul, Dubai, Taipeh) und trat dementsprechend selbstbewusst und souverän auf Show Court 3 auf. So ging die Niederlage für die Hamburgerin am Ende in Ordnung. Als letzte der anfangs acht deutschen Damen hat am Samstag die Weltranglisten-Erste Angelique Kerber die Chance auf den Einzug in die Runde der besten 16. Die 29 Jahre alte Kielerin trifft auf Shelby Rogers aus den USA.