Fairplay-Tour der Großregion: Wenn Freunde zur Familie werden

Fairplay-Tour : Wenn Freunde zur Familie werden

Mehr als 75 000 Euro wurden bei der 21. Fairplay-Tour für Hilfsprojekte in Ruanda und Burundi gesammelt. Kabarettist Franz-Josef Euteneuer gestaltete die Spendenübergabe so schwungvoll wie die 800-Kilometer-Radtour.

(teu) Einen goldenen Helm auf dem Kopf, Fünffingerschuhe an den Füßen rollte Franz-Joseph Euteneuer auf einem Elliptischen Fahrrad zwischen den vollbesetzten Stuhlreihen zur Bühne, die er nicht betrat. Schon der (verspätete) Beginn der Fairplay-Tour-Abschlussveranstaltung am vergangenen Freitagabend in der Arena Trier ließ mehr als nur ahnen, dass es bei die Präsentation der Spendenergebnisse der 21. Auflage anders ablaufen würde, als bisher: zeitlich länger, aber kurzweiliger.

Der Kabarettist oder, wie Euteneuer sich gerne nennt, „Seelen-Stylist“, lobte die Fairplay-Tour-Teilnehmer für ihre Leistung, innerhalb von acht Tagen 800 Kilometer mit dem Fahrrad durch die Großregion zurückgelegt haben. Für einen Einzelnen wäre das zwar eine sportliche Leistung, aber nichts wirklich Ungewöhnliches. Aber wenn rund 300 Schüler samt Lehrern und Betreuern in die Pedale strampeln und so insgesamt 227 243 Kilometer zurücklegen, schon: „Ihr seid soziale Elite, die verstanden haben, dass sie etwas Besonders sind, weil es die Anderen gibt“, sagte Euteneuer. Tour-Teilnehmerin Silke Kreuder drückte es so aus: „Fairplay-Tour ist, wenn Freunde zur Familie werden.“

Wichtig laut Euteneuer dabei: Alle sind Amateure! Was etwas Gutes sei. „Denn da Streckt Amor drin. Amateure machen Dinge aus Liebe.“ Nicht weil sie es müssen. „Die Welt lebt von Menschen, die mehr tun, als sie müssen“, sagte Euteneuer. Auf die Fairplay-Tour-Macher um den Jünkerather Lehrer Herbert Ehlen und den Trierer Sportakademie-Geschäftsführer Klaus Klaeren und die Teilnehmer trifft Euteneuers Beschreibung zu. Keiner war gezwungen in der letzten Woche vor den Sommerferien bei brütender Hitze durch Rheinland-Pfalz, das Saarland, Luxemburg, Belgien, Frankreich und Nordrhein-Westfalen zu radelten, in Turnhallen zu übernachten und sich Sponsoren zu suchen, die die sportliche Leistung mit einer Spende zugunsten Ruandas und der Deutschen Welthungerhilfe (DWH) honorierten.

35 612 Euro kamen für die Primarschule Kabirizi im rheinland-pfälzischen Partnerland zusammen. 48 390 Euro konnte Hawa Grund-Djigo symbolisch für den Bau der Matara-Grundschule in Burundi entgegennehmen. Die DWH-Mitarbeiterin erzählte, dass nicht nur zu den bereits in Privatinitiative von den Eltern der Kinder gebauten Klassenzimmer sechs weitere hinzukommen, sondern vor allen von den Lebensverhältnissen in Burundi. Die mit den neuen Häusern errichteten Wasserzisternen werden auch von der Dorfbevölkerung genutzt, weil sauberes Wasser Mangelware in der Region ist. Die Kinder bauen einen Teil des Gemüses für das Schulmittagessen selbst an.

Ein großes Problem: Hygieneartikel für Mädchen. „Es ist tatsächlich so, dass Mädchen neun Wochen im Jahr in der Schule fehlen, weil sie ihre Tage haben. Ich habe Schülerinnen kennengelernt, die sind deshalb von der Schule geflogen“, erzählte Grund-Djigo. Deshalb unterstütze man eine Initiative, die wiederverwertbar Monatsbinden aus Baumwolle herstelle und die Mädchen in der Verwendung unterrichte.

Fairplay-Tour-Mitinitiator Herbert Ehlen lobte bei der Abschlussveranstaltung zur 21. Tour das Engagement der Jugendlichen und ihrer Betreuer. Foto: Holger Teusch

Mehr als 20 000 Euro zur Fertigstellung der Klassenräume an der Matara-Grundschule fehlen noch. „Wir zählen auf euch“, sagte Grund-Djigo mit Blick auf die 22. Fairplay-Tour vom 26. Juni bis 4. Juli 2020. Dass diese wieder, wie es der Sportakademie-Vorsitzende Georg Bernarding ausdrückte, „eine riesige Demonstration für den Sport, für Bewegung, für soziale Kompetenz, Toleranz, Europa und die Großregion“ wird, daran besteht kein Zweifel.