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"Flieg wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene"

"Flieg wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene"

Er nannte sich selbst den ,,Größten aller Zeiten", und in der Welt des Sports war er das auch. Muhammad Ali, geboren 1942 als Cassius Marcellus Clay, starb am Freitag, 3. Juni. Seine Kämpfe sind bis heute Jahrhundertereignisse, von denen die ganze Welt gefesselt war. Parallel war der blitzschnelle Schwergewichtler eine sehr politische Figur.

Trier. Zwei Kämpfe, zwei Siege, zwei der berühmtesten Ereignisse der Sportgeschichte: Die Kämpfe Alis gegen George Foreman in Zaire 1974 und gegen Smoking Joe Frazier 1975 auf den Philippinen sind bis heute Pflichtprogramm für jeden Boxer, Boxfan und auch Boxgegner. Unikate, unwiederholbar in ihrem Glanz, ihrer Dramatik und auch ihrem hohen Risiko für Leben und Gesundheit der Boxer.
Elegant tänzelnd im Ring


Foreman war ein Gigant, der mit seinen Fäusten hätte Wände einreißen können. Ali ließ ihn acht Runden lang schlagen, konterte dann mit einer Kombination von acht Schlägen ans Kinn und tanzte um ihn herum, als Foreman langsam fiel wie ein riesiger Baum. Ein Jahr später stand Ali in Manila Joe Frazier gegenüber, einem ungeheuer starken Kämpfer, furchtbar in seiner Konsequenz. Beide Kämpfer waren dem Tod näher als dem Leben, als Fraziers Trainer Eddie Futch nach der 14. von 15 Runden das Handtuch warf.
Der "Rumble in the Jungle" und der "Thrilla in Manila". Nur zwei Kämpfe, aber sie zeigen Alis Klasse als Boxer. Eine Klasse, die nach ihm niemand auch nur annähernd erreicht hat. Seine eleganten, tänzerischen Bewegungen im Ring nutzte er ebenso als Waffe wie seine blitzschnellen, punktgenauen und mörderisch harten Schläge. Er stand unmenschliche Schmerzen durch, besaß eine enorme taktische Intelligenz und hatte auch in der 15. Runde noch Luft und Kraft. Reduziert man ihn auf einen Boxer, war er der Beste.
Aber Ali war weit mehr. Er brachte die Show in den Sport, er verhöhnte seine Gegner, er machte Pressekonferenzen zu Erlebnissen. Oft sprach er in Reimen und Gedichten, und die Welt hörte zu. Das war der Einfluss von Bundini Brown, den man heute einen Motivations coach nennen würde. Von ihm stammt auch der berühmteste aller Ali-Sprüche. Your hands can't fight what your eyes can't see. Fly like a butterfly, sting like a bee. Deine Hände können nicht treffen, was deine Augen nicht sehen können. Flieg wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.Engagiert gegen Vietnamkrieg


Dreimal wurde Ali Weltmeister im Schwergewicht. Sein Ruhm gab ihm die Bühne für den Kampf um Menschenrechte, die Gleichberechtigung der Afroamerikaner und sein Engagement gegen den Vietnamkrieg. 1967 wurden ihm alle Titel aberkannt, da er den Wehrdienst verweigerte.
Seine Konvertierung zum Islam erregte ebensoviel Aufsehen. Er erhielt den Namen Muhammad Ali vom Oberhaupt der Nation of Islam, einer religiös-politisch motivierten Bewegung in den USA.
Ali erkrankte früh an Parkinson (siehe Extra), doch da die Krankheit seine geistigen Fähigkeiten nicht beeinträchtigte, verschwand er nicht aus der Öffentlichkeit. 1996 zündete er, stark zitternd, das olympische Feuer in Atlanta an. Ein Zeichen, wie sehr die Welt den Sportler und Menschen Ali achtet und verehrt.
Der 74-Jährige starb in einer Klinik in Phoenix/Arizona, in die er wegen Atemproblemen eingeliefert worden war. Es ist eine subjektive Behauptung, aber wenn die Frage nach dem berühmtesten Sportler aller Zeiten im Raum steht, dann ist Ali ein Topfavorit.Extra

Box-Legende Muhammad Ali ist an einer Blutvergiftung in Folge unspezifizierter natürlicher Ursachen gestorben. Die Komplikationen seien auf die jahrzehntelange Parkinson-Erkrankung Alis zurückzuführen gewesen, teilte ein Sprecher von Alis Familie mit. Das Parkinson-Syndrom war 1984 bei Ali diagnostiziert worden. Parkinson ist eine nervenbedingte Bewegungsstörung, die vor allem ältere Menschen trifft. Ursache für die auch Schüttellähmung genannte Krankheit ist das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Sie produzieren dann kein Dopamin mehr, mit dessen Hilfe der Körper normalerweise Bewegungen steuert. Zahlreiche Störungen sind die Folge: Zittern, verspannte Muskeln sowie Gang- und Gleichgewichtsstörungen. Dazu kommen eine leise und monotone Sprache sowie eine starre Mimik. Morbus Parkinson ist nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In der Bundesrepublik haben nach Angaben der Deutschen Parkinson Vereinigung 240 000 bis 280 000 Menschen die unheilbare Krankheit. Die Patienten sind bei der Diagnose im Durchschnitt 60 Jahre alt, bei fünf bis zehn Prozent macht sich die Krankheit schon im Alter zwischen 20 und 40 Jahren bemerkbar. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. dpa