Fußball-Trainer Rudi Gutendorf im Alter von 93 Jahren gestorben

Fußball : Ein Trainer von Welt: „Riegel-Rudi“ ist tot

Der Weltrekord-Trainer: Der Koblenzer Rudi Gutendorf trainierte so viele Nationalteams wie kein anderer – von Ghana bis Chile und von Australien bis Nepal. Auch in der Region Trier war „Riegel-Rudi“ immer wieder zu Gast. Am Freitag starb er im Alter von 93 Jahren.

„Lieber ein paarmal auf die Schnauze fallen, als eine graue Maus sein.“ Den Satz hat Rudi Gutendorf vor Jahrzehnten gesagt – und danach gelebt. Als Spieler hat es der Koblenzer in die Oberliga gepackt, nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit seinem Heimatverein TuS Neuendorf schaffte er es 1948 immerhin ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, dort waren die Koblenzer ohne Chance gegen den 1. FC Kaiserslautern. Aber einen Namen gemacht hat sich Gutendorf als Coach. Und nicht nur einen: harter Hund, bunter Vogel, Rudi Rastlos, Riegel-Rudi, Weltrekord-Trainer.

Als sich Gutendorf 1960 zu seiner Trainerstation im tunesischen Monastir aufmachte, empfahl ihm Bundeskanzler Adenauer: „Machenset jut, Herr Jutendorf – sonst holen die einen aus der Sowjetzone.“ Er machte es gut – und danach immer wieder: Kein Trainer hat in so vielen Ländern gearbeitet wie Gutendorf, das brachte ihm einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde.

Gutendorf liebte die Abwechslung,  er wurde einem seiner vielen Spitznamen, „Rudi Rastlos“, gerecht. Der Fußball-Missionar war Volksheld in Nepal, weil er dort gegen den großen Nachbarn Indien gewonnen hat. Er wurde gefeiert, aus ideologischen Gründen verjagt (China, Iran), er kickte im Garten des dicken Königs von Tonga, entdeckte in Ghana ein malariakrankes Talent namens Anthony Yeboah und, vor allem: „Riegel-Rudi“ – so wurde er wegen seiner Vorliebe für die Defensivarbeit genannt seit seiner sensationellen Vize-Meisterschaft mit dem Meidericher SV 1964 –  missionierte die Abwehr-Taktiken.

Das Überwinden von Grenzen, Integration durch Fußball: Das war das große Thema für Gutendorf, der am Freitag im Alter von 93 Jahren gestorben ist. Das hat er in vielen Ecken der Welt erreicht. Bei seiner vorletzten Auslandsstation, 1999 als Nationaltrainer von Ruanda, gelang ihm das in besonderer Weise. Er schaffte es, wenige Jahre nach dem Völkermord an den Tutsi, Spieler der verfeindeten Bevölkerungsgruppen der Hutu und Tutsi in der Landesauswahl zu vereinen – was als „Wunder von Kigali“ bezeichnet wurde. Dazu gab es auch einen sportlichen Erfolg, als er mit dem kleinen Staat ein 2:2 gegen Afrikameister Elfenbeinküste schaffte. Mit dem Nationalteam von Ruanda war Gutendorf 1999 auch im Trainingslager in der Sportschule Bitburg – das ist in Erinnerung geblieben, weil acht seiner Spieler ausbüxten, um in Belgien Asyl zu beantragen. Vier Jahre später trainierte er kurz die Auswahl des Pazifikstaats Samoa – danach war die internationale Trainerkarriere beendet. Aber vom Fußball konnte Gutendorf auch später nicht lassen.

Gerne wäre er mal als Trainer bei einer Weltmeisterschaft gewesen. 1974 war er als Coach von Chile auf einem guten Weg – aber da kam der von den USA geförderte Militärputsch dazwischen, der den Weg frei machte für den späteren Diktator Augusto Pinochet. Gutendorf musste das Land verlassen, gegenüber „11 Freunde“ sprach er von „Todesangst“, die er damals gehabt habe. „Zweimal in meinem Leben stand ich knapp davor, eine WM zu erreichen, aber es blieb mir immer verwehrt. In Chile wegen der Politik und in Afrika aufgrund der Raffgier.“ Das war im Jahr 1982: Gutendorf hatte ein Angebot, Kamerun bei der WM zu betreuen. Seine Zusage wollte er per Post aus Tansania schicken, wo der Weltenbummler gerade tätig war. Doch der Postbote habe „die 72 Dollar selbst eingesteckt“, wie Gutendorf im Nachhinein erzählte. So blieb die Zusammenarbeit aus.

In den letzten 20 Jahren war Gutendorf immer wieder mit anderen prominenten Kickern in der Region: Bei Spielen der Benefizmannschaft Lotto-Elf von Lotto Rheinland-Pfalz, an deren Gründung er 1999 beteiligt war.

Rudi Gutendorf. Foto: dpa/Thomas Frey

Mit Material von dpa

(dpa)
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