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Fußball: Wo Luxemburg zur Spitze zählt

Fußball: Wo Luxemburg zur Spitze zählt

Während der Deutsche Fußball-Bund noch über Plänen für ein Leistungszentrum brütet, kann der luxemburgische Verband schon eins vorweisen. Direktor ist der Wahl-Trierer Reinhold Breu, dessen Vertrag bis 2016 verlängert wurde.

Mondercange/Trier. Majestätisch ragen die Flutlichtmasten hinter dem Ortsausgang von Mondercange in den Himmel. Hier, in der Abgeschiedenheit nahe der französischen Grenze, arbeitet der luxemburgische Fußballverband an einer besseren Konkurrenzfähigkeit seiner Nationalmannschaften. Das Areal umfasst mehrere Rasenplätze, ein Kunstrasenfeld sowie einen dreistöckigen Gebäudekomplex, der fast keine Wünsche offenlässt. Große Kabinen, ein Kraftraum, eine Kantine, ein großzügiger Physiobereich, Rückzugsräume, drei Klassenzimmer. Für die besten Nachwuchsfußballer des Großherzogtums wird einiges getan.
Die Nationalspieler der jüngeren Altersklassen verbringen von montags bis donnerstags die Nachmittage im Leistungszentrum. Mit Kleinbussen werden sie nach der Schule aus allen Teilen des Großherzogtums abgeholt. Lehrer betreuen sie bei den Hausaufgaben. Wenn nötig, gibt es Nachhilfe. Am Abend ist dann Training, danach fährt der Fahrservice die Jungs wieder nach Hause. Die Spieler der U 19 und U 21 sind montags und dienstags auf dem Gelände.
Im sportlichen Bereich arbeiten eine Reihe von Fachkräften. Zum Team zählen unter anderem Fitnesstrainer Nico Quintus, einst Bundesliga-Gewichtheber bei den Kylltalhebern Ehrang, und Koordinator Heinz Ewen aus Bitburg. Mit an der Spitze steht seit 2011 Reinhold Breu, Ex-Nachwuchskoordinator von Eintracht Trier (siehe Hintergrund). Er ist als technischer Direktor zuständig für das Talentförderkonzept und die Trainerausbildung. Zudem coacht der 42-Jährige, der mit seiner Familie in Trier lebt und jeden Tag ins "Ländchen" pendelt, die U 19 und U 21.
Der luxemburgische Verband bündelt in Mondercange die Kräfte, um fußballerisch den Anschluss zu finden. Grundvoraussetzung dafür: eine gute Physis. "Darauf legen wir viel Wert", sagt Breu. Was machbar ist, wird den Spielern in den Kabinen verdeutlicht. Auf Fotos posieren Diego Forlán, Cristiano Ronaldo, Mario Balotelli und Mario Gomez mit freiem Oberkörper. Ihre Sixpacks - ein Zeichen, was mit harter Arbeit zu erreichen ist.
Auch spielerisch und konditionell sollen mehrere Schippen draufgelegt werden. Breu: "Bis zur U 15 lassen wir mit drei Spitzen spielen. Wir wollen die Jungs zu intelligenten Fußballern ausbilden, die Esprit versprühen."
Von den Nationalspielern werden indes nur wenige den Sprung ins Ausland schaffen. Immerhin gibt es Vorbilder. Aktuell Mario Mutsch (FC St. Gallen) oder Lars Gerson (IFK Norrköping).
Das Zentrum in Mondercange ist ein Eldorado. Aber vollkommen ist es noch nicht. Breu: "Was wir noch gebrauchen könnten, wäre ein überdachtes Spielfeld."Extra

Reinhold Breu und Eintracht Trier: Im Sommer 2008 kam Reinhold Breu als Nachwuchskoordinator zum SVE. Als Nachfolger von Mario Basler war der Niederbayer zudem zwischen dem 20. Februar 2010 und 15. April 2010 Interimstrainer der Regionalliga-Mannschaft. Im Sommer 2011 verließ Breu die Eintracht und ging zum luxemburgischen Fußballverband. Mit der Vereinsspitze lag er in manchen Fragen nicht auf einer Wellenlänge. Ab und an schaut sich Breu heute noch Junioren- und Senioren-Spiele der Eintracht an. Eine Kooperation zwischen dem luxemburgischen Verband und dem SVE besteht seit Anfang 2012 aber nicht mehr - zum Leidwesen von Breu. bl