Ganz genau!

Gefühl ist alles: Beim Carambolage-Billard dreht sich alles um Präzision - und nichts ums Einlochen. Der TV hat sich beim Training des BC Trier-Süd umgeschaut.

Trier. Ein kleines Experiment: Welche Bilder schießen Ihnen beim Schlagwort "Billard" als erstes durchs Kopfkino? Ein grüner Tisch im Kippennebel, irgendwo im holzvertäfelten Kneipen-Hinterzimmer? Das nächtliche Fernsehbild, beim Durchzappen durch die Spartensender? Oder auch Tom Cruise, wie er in "Die Farbe des Geldes" eine Kugel nach der anderen vom Tisch knallt?
Mit dem alten 80er-Kinofilm bräuchten Sie gar nicht anzukommen, wenn sie etwa mal zufällig beim Training des 1. BC Trier-Süd vorbeischauen sollten. Denn dort bleiben die Kugeln auf dem Tisch. Alle drei. Mehr braucht kein Mensch, wenn es nach den Fans des Carambolage-Billards geht. Auch nicht Tom Cruise.
Immer wieder umziehen


Obwohl: Es kommt auch niemand zufällig im Clubhaus vorbei, wenn sich, wie an diesem Dienstagabend, das gute Dutzend Carambol-Freunde an die beiden taschenlosen Tische macht. "Da wir nicht mehr in Kneipen spielen, haben wir auch praktisch keine Zuschauer mehr", sagt etwa Claus Berens, ein Urgestein bei den Trierern. Und wer\'s nicht kennt, lernt\'s auch nicht.
Seit gut fünf Jahren ist der BC Trier-Süd 1952 - einer von fünf in der Amateur-Billardgemeinschaft Mosel organisierten Clubs - in einer ruhigen Nebenstraße im Trierer Süden zu Hause. Mit der Renovierung des Südbades hatte der BC zuvor seine Vereinsheimat verloren. Wieder einmal. Der wievielte Umzug das war? Das kann auch der Vorsitzende Helmut Kasper nicht auf Anhieb sagen - und er ist seit fast einem halben Jahrhundert beim Club. "Das ist Schicksal", sagt er. "Als kleiner Verein hat man keine Lobby." Der BC zählt mit 26 Aktiven noch zu den größeren Carambolage-Vereinen.
Ums Lamentieren geht\'s ihm nicht. Es findet sich zwar kaum noch Nachwuchs, der Zeit und Leidenschaft für eine der traditionellsten Formen des Billards mitbringt (Kasper: "Früher wurde hier nur Carambol gespielt, bis in die 60er Jahre war Pool in der Region überhaupt kein Thema"). Aber ähnliche Probleme kennen andere Sportarten auch. "Es gibt ja auch ein Riesen-Angebot." Den Spaß am Präzisionssport lassen sich die Carambolspieler dadurch nicht nehmen.
"Es geht um Millimeterarbeit", sagt Thomas Gebert, der als 49-Jähriger zu den jüngeren Spielern gehört. "Es ist viel Arbeit - man sieht nicht direkt den Erfolg." Er kam vom Poolbillard zum Carambol, eine Ausnahme.
Aber wie funktioniert das Spiel? Vereinfacht gesagt: Jeder Spieler versucht, den Spielball so zu stoßen, dass er die anderen beiden Bälle berührt ("karamboliert"). Wenn ihm das gelingt, erhält er einen Punkt und darf weitermachen. Da hilft es, wenn die Kugeln nah beieinander liegen. Gespielt wird in verschiedenen Varianten, im "Freien Spiel" oder etwa mit markierten Feldern auf dem Tisch (Cadre). Die bekannteste Disziplin ist Dreiband - dabei muss der eigene Spielball mindestens dreimal die Bande berührt haben, bevor er die dritte Kugel berührt.
Klingt kompliziert? Theoretisch sind die Regeln schnell gelernt. Aber es braucht viel Übung. Das hat schon einige Poolspieler frustiert. "Ein guter Carambol-Spieler wird auch beim Poolbillard einigermaßen zurechtkommen", sagt Gebert. Umgekehrt gelte das nicht unbedingt.
Extra

Carambolage: Beim Carambol-Billard werden keine Kugeln in Taschen versenkt - anders als beim Snooker oder Poolbillard. Die regionale Szene wird kleiner. Nachwuchs fehlt in der Präzisionssportart weitgehend. In der Amateur-Billardgemeinschaft Mosel sind fünf Clubs organisiert, die im Ligabetrieb aufeinandertreffen: Der BC Trier-Süd, der 1. BC Treviris (ebenfalls in Trier-Süd beheimatet), der BC Dreis, die BSG Speicher und der BC Büchenbeuren (Hunsrück). AF