Grünes Licht fürs Gelbe Trikot

Grünes Licht fürs Gelbe Trikot

Das könnte ein perfekter Auftakt für den Zeitfahr-Experten Tony Martin werden: Die Tour de France startet 2017 in Düsseldorf mit einem Kampf gegen die Uhr über 13 Kilometer. Das Ziel der zweiten Etappe lässt Tour-Chef Prudhomme noch offen.

Düsseldorf. Nein, nein, wiegelte Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) ab, "wir haben die Strecke nicht so gestaltet, dass einer der deutschen Spezialisten gewinnt". Genau diesen Eindruck aber vermittelt der Blick auf die erste Etappe der Tour de France 2017. Ein 13 Kilometer langes Einzelzeitfahren anstatt eines maximal acht Kilometer langen Prologs - das ist genau das, was Tony Martin entgegenkommt. Der Parcours dürfte dem dreimaligen Weltmeister im Einzelzeitfahren liegen.
"Das ist der Jackpot"


"Ich werde alles dafür tun, das Gelbe Trikot zu holen", sagte Martin in einem Einspielfilm bei der Präsentation der ersten beiden Teilstücke. "Es ist für mich das Höchste der Gefühle, dass es mit einem kurzen Einzelzeitfahren losgeht. Das ist der Jackpot." Martin verbucht die Entscheidung für einen Tour-Start in Deutschland auch als persönlichen Erfolg. "Es ist eine Auszeichnung für unsere Generation, die tollen, interessanten, sauberen und erfolgreichen Radsport bietet", sagte er zuletzt schon im Gespräch mit der Rheinischen Post. Und was wäre eine bessere Werbung für Düsseldorf und den deutschen Radsport als ein deutscher Rennfahrer im Maillot jaune? Bei einem ähnlich geschnittenen Tour-Auftakt (13,7 km) war Tony Martin im vergangenen Sommer in Utrecht Zweiter geworden. Der Australier Rohan Dennis hatte überraschend gewonnen. Tour-Chef Christian Prudhomme hätte in Düsseldorf lieber mit einem Mannschaftszeitfahren begonnen. Aber das, so betonte er, wäre Geisel nicht recht gewesen. Und Tony Martin wohl auch nicht.
Die übernächste Frankreich-Rundfahrt beginnt am 1. Juli 2017 an der Messe Düsseldorf, es geht den Rhein hinauf, über Oberkasseler und Rheinkniebrücke, auf die "Kö" (Königsallee) und zurück zum Start. Der zweite Renntag, ein Sonntag, geht mit einer Runde durch die Landeshauptstadt los. Am Grafenberg wird es die erste Mini-Bergwertung geben, das Neandertal, Erkrath und Mettmann werden Durchgangsstationen auf der Route zurück nach Düsseldorf.
Wohin der Weg das rund 200 Rennfahrer umfassende Peloton dann führt, ist noch nicht bekannt. Die genaue Streckenführung wird am 18. Oktober dieses Jahres bekanntgegeben. Krefeld, Mönchengladbach und der Rhein-Kreis Neuss machen sich noch berechtigte Hoffnungen auf eine Passage des Feldes. Vermutlich geht es von dort weiter in ein Nachbarland - vielleicht auch nach Luxemburg. "Wir haben viele Interessenten aus den Niederlanden, Belgien und Luxemburg", sagte Prudhomme. Auch aus dem Saarland vermeldete er Interesse. Als entscheidende Punkte für Düsseldorf nannte der Tour-Chef das Messe- und Kongresszentrum, die Nähe zum Flughafen, zur Innenstadt und die vielen Grünanlagen. Vom Rhein werden schmucke Bilder in alle Welt gehen. "Düsseldorf wird an diesem Wochenende die Welthauptstadt des Radsports sein", versprach Prudhomme.
Der letzte Deutschland-Start der Tour fand 1987 in West-Berlin statt. "Die größten Ehren der Tour de France hat die deutsche Öffentlichkeit im Jahrzehnt danach erlebt, aber auch ihre größte Enttäuschung, die dazu führte, dass sie sich von der Tour abgewandt hat", stellte Prudhomme fest, ohne Jan Ullrich, den Sieger von 1997, namentlich zu nennen und das Wort Doping zu verwenden. "Die Deutschen haben die Höhen und Tiefen unseres Sports widergespiegelt wie niemand sonst. Und sie haben dabei eine neue Generation erfolgreicher Fahrer hervorgebracht. Darunter André Greipel, Marcel Kittel, John Degenkolb und Tony Martin."
Massenhaft Etappensiege


Diese deutschen Rennfahrer haben in den vergangenen drei Jahren mehr Etappen gewonnen als Athleten aus jeder anderen Nation. 19 Tagessiege sind ihnen gelungen. Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) maß dem Tour-Start auch eine hohe politische Bedeutung zu: "Die Herausforderungen für Europa waren selten so groß wie heute. In solchen Zeiten war es immer wichtig, dass die Achse Berlin-Paris stand. Der Grand Départ ist ein Zeichen dafür, dass das der Fall ist." Er betonte, dass die Tour das größte Sportereignis im Jahr 2017 sein, wenn keine Fußball-EM oder WM und keine Olympischen Spiele stattfinden. Die Leichtathletik-WM in London vernachlässigte er lieber.
Martin Beils ist Sportredakteur bei der Rheinischen Post.

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