Gut zu wissen, wie man sich wehrt

Gut zu wissen, wie man sich wehrt

Karate, Kung Fu, Kickboxen, Judo - es gibt viele bekannte Kampfsportarten, aber die Details kennen nur wenige. Constantin Mock stellt im TV seinen Sport vor: Der Trierer wurde kürzlich zum jüngsten Wing-Tsun-Meister gekürt.

Trier. Kung Fu - der bloße Begriff schickt die Nervenbahnen schon auf die Reise. Mancher sieht Bruce Lee durch die Szenerie wirbeln, Jüngere vielleicht einen dicken Zeichentrick-Panda.
Kung Fu ist einerseits die richtige Fährte, wenn man Wing Tsun beschreiben will. Wing Tsun ist eine Stilform des Kung Fu. Andererseits vermittelt es den falschen Eindruck. Das geistige Auge liefert zu viele Hollywood-Bilder, zu wenig Realität. Nein, Wing Tsun ist kein wilder Folklore-Kampfsport zu chinesischen Klängen und opulenten Bildern.
Der Kampfsport ist auf Selbstverteidigung spezialisiert. So kam auch der Trierer Constantin Mock (35) einst zum Sport. "Ich war damals 19 und hatte Ärger in einer Disco. Danach habe ich mir gesagt: Ich will mich künftig wehren können." Aber wie? Mock testete. Er ging zum Karate, aber da gab es für ihn zu viele Nebenschauplätze - wie etwa ausgiebiges Konditionstraining. Es war nicht sein Ding. "Ich habe mir schon beim Aufwärmprogramm fast den Zeh gebrochen." Später hörte er, dass er für halbwegs manierliche Kickbox-Kenntnisse vor allem eins brauche: Zeit und Geduld. Hatte er nicht. "Mir ging es ausschließlich um die Selbstverteidigung", sagt Mock. Irgendwann entdeckte er Wing Tsun - und blieb dabei, weil ihm der Sport das bot, was er wollte. Effektives Wehren ohne Schnickschnack. Er hält nichts davon, die verschiedenen Kampfkünste gegeneinander auszuspielen oder zu vergleichen: "Jede einzelne hat ihre Berechtigung." Mock hat im Wing Tsun Karriere gemacht. Er darf sich als "Sifu" bezeichnen, ein Ehrentitel seiner Kampfkunst. Zudem war er der jüngste Meister (5. Grad), den sein Verband - die Europäische Wing-Tsun-Organisation - hervorgebracht hat. In der Region hat nur der Trierer Alexander Singh ebenfalls kürzlich den 5. Grad verliehen bekommen.
Mock ist studierter Jurist, hat sich anschließend zum Wellness-Manager fortgebildet. Aber irgendwann kam der Entschluss, den Sport zum Beruf zu machen. In der Trierer Thyrsusstraße hat Mock seine "Wing Tsun Akademie", die sich auch als Heilkunst-Schule versteht. Mock leitet auch Kurse in Kindergärten und Schulen.
Wing Tsun lässt sich im ganzen Verbreitungsgebiet lernen: Schulen gibt es etwa auch in Wittlich, Konz, Hermeskeil, Schweich, Bitburg und Gerolstein.
Aber wie funktioniert überhaupt Wing Tsun? Das demonstriert Mock dem TV-Reporter mit ein paar Handbewegungen - der darf angreifen, läuft aber schnell ins Leere. Wing Tsun nehme die Kraft des Angreifers auf, lenke sie in eigene Kraft um und verstärke sie. Die richte sich dann gezielt gegen den Angreifer.
So sehen die allermeisten WTler auch nicht aus wie Bodybuilder oder Boxer. Der Legende nach hat der Sport seinen Ursprung im chinesischen Shaolin-Kloster, entwickelt von einer Nonne. Das ist zwar fragwürdig. Frauen sieht man aber durchaus öfter beim Wing Tsun. "Es gibt keinen ‚typischen\' WTler. Da sind alle Schichten vertreten. Frauen, Männer, auch viele Kinder", sagt Mock. "Nur Schlägertypen ziehen wir nicht an."
Das mag darin begründet sein, dass Wing Tsun eher auf weiche Bewegungen setzt. Wer\'s brachialer mag, setzt vielleicht auf andere Kampfkünste. Bei der "Konkurrenz", also anderen Kampfsportarten, ist WT dabei nicht unumstritten - weniger wegen des Sports an sich, sondern wegen der recht kommerziellen Strukturen beim EWTO.
Für Mock gilt: Ein vermiedener Kampf ist der beste. Es helfe immens, wenn man sich im Notfall wehren kann. Aber egal, wie gut man sei und welchen Kampfsport man beherrsche: "Wenn der Angreifer eine Waffe hat, dann gibt es nur eins", sagt Mock. "Weglaufen, sonst hat man keine Chance." Wing Tsun: Der chinesische Kampfsport ist auf die Selbstverteidigung spezialisiert. Im Vordergrund steht dabei, die Kraft des Angreifers gegen ihn selbst zu lenken. Die Anfänge des WT gehen ins Jahr 1976 zurück. Es gibt verschiedene Verbände. Begründer und Leiter des Europäischen Verbandes EWTO ist Keith Kernspecht, einziger deutscher Großmeister. Graduierung: Auf Schüler-Grade folgen Techniker-Grade (1. - 4.), dann Meister-Grade (5. - 7.). Internet: wingtsun.de, wt-trier.de red