Handbikerin Yvette Roettger will zu den Paralympics 2020.

NIEDERÖFFLINGEN : Per Handbike aus der Eifel nach Tokio

Rund um Niederöfflingen (Kreis Bernkastel-Wittlich) hat eine niederländische Radsportlerin alles ihrem großen Ziel untergeordnet: Den Paralympics im kommenden Jahr in Tokio.

Aus der dünn besiedelten Vulkaneifel in die pulsierende Millionenstadt Tokio. Auf den Straßen rund um das kleine Niederöfflingen bereitet sich seit vielen Wochen und Monaten eine junge Frau auf den Höhepunkt ihres (sportlichen) Lebens vor.

Die Niederländerin Yvette Roettger, gemeinsam mit ihrem Mann Hans am Rande des kleinen schmucken Vulkaneifel-Dorfes sesshaft geworden, möchte im kommenden Jahr bei den Paralympics starten, den Olympischen Spielen für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung.  Als Handbikerin. Ein großes Ziel, mit nicht minder großen Hürden: Denn ihre Mitbewerberinnen gelten neben den deutschen Athletinnen als die Besten ihres Fachs.

Wer das wunderbare große Haus betritt, ein umgebauter ehemaliger Gasthof am Rande des Dorfes, der wird zunächst einmal sehr freundlich begrüßt. Nicht nur von Yvette, einer ehemaligen Managerin im Versicherungswesen in Holland, und ihrem Mann Hans, Unternehmer und Top-Segler in den Niederlanden, sondern auch von den Mitbewohnern: Drei stolze, mächtige Huskys nennen das Haus und die Flächen rundum ebenso ihr Zuhause wie Yvette und Hans.

Die 39-Jährige war eine der besten Mountainbikerinnen im Nachbarland. „Handbiking hat mir neuen Lebensmut und eine neuer Orientierung gegeben und ein Ziel, für das es sich lohnt, zu kämpfen“, sagt. Yvette. Nachdem sie krankheitsbedingt das Mountainbiking aufgeben musste, wurde sie krank. An Körper und Seele. Es dauerte lange, bis nicht nur der paralympische  Sport in ihr Leben trat, sondern auch bis beide ein neues Zuhause  gefunden hatten.

„Wir hatten lange hier in der Umgebung etwas Neues  gesucht, bis wir etwas fanden, was unseren Vorstellungen entsprach“, erzählt Hans. Auch an der Mosel stand schon ein Domizil zur Debatte für den Neuanfang der beiden. Bis es sie dann doch nach Niederöfflingen verschlug.

Yvette, die ehemalige Leistungssportlerin auf dem Mountainbike, fand im Handbike neuen Sinn und neue Ziele. Sie nahm ab – an Körpermasse: Gewaltig. Und zu, ebenfalls gewaltig: an Mut, Selbstvertrauen und Ehrgeiz.

„Sechs Mal in der Woche. Jeden Tag mehrere Stunden“, so beschreibt die Niederländerin ihren Trainingsaufwand in dem Hightech-Bike, das einen fünfstelligen Betrag kostet. In der Vulkaneifel hat das Paar inzwischen ideale Strecken gefunden, um das Ziel Paralympics in Angriff zu nehmen. „Ich fahre mit dem Auto vorweg, quasi als Schutz für sie“, erzählt Hans. Die beiden gehören mittlerweile fast zum Alltagsbild in der Vulkaneifel.

Yvette muss sich gegen starke Konkurrenz in den Niederlanden durchsetzen. „Wir sind drei Fahrerinnen auf dem etwa gleichen Niveau. Aber es können sich nur zwei für Tokio qualifizieren.“ Wer das geschafft hat, der wird in Tokio auch im Kreis der Medaillen-Kandidatinnen im Handbiking stehen. Größte Konkurrentinnen sind die deutschen Athletinnen. Allen vorweg die mehrfache  Medaillengewinnerin bei den Paralympischen Spielen in Pyeongchang, Andrea Eskau.

Anfang April maß sich Yvette in Holland zum ersten Mal im direkten Vergleich mit ihren niederländischen Gegnerinnen, die das gleiche Ziel haben. Weitere werden folgen. Sie steht im ständigen Austausch mit dem nationalen Verband ihres Landes. Freundschaften können da keine entstehen. „Wir sind Konkurrentinnen. Wir schätzen und respektieren uns“, beschreibt sie das Verhältnis untereinander. Dem großen Ziel „Paralympische Spiele“ 2020 in Tokio ist am Dorfrand Niederöfflingens alles untergeordnet.

Und sogar die Huskys von Hans und Yvette scheinen zu ahnen, um was es da geht. Als Yvette zum Abschluss unseres Besuchs zu Demonstrations-Zwecken ihr superleichtes Handbike besteigt, sind sie alle da. So, als wollten sie sagen: „Keine Angst, gemeinsam schaffen wir das.“