Hass-Liebe zu den Hürden

Zwei Finalteilnehmer hatte die LG Bernkastel-Wittlich seit ihrem Bestehen 1996 noch nie bei einer Deutschen Meisterschaft der Jugend. Obwohl über 400-Meter-Hürden erfolgreich, ist die Strecke für die U20-Sechste Aline Petry und den U18-Fünften Tarek Bakali eine Hass-Liebe.

Haag/Lösnich. Tarek Bakali schwebt immer noch auf Wolke sieben. Auch drei Tage nach dem 400-Meter-Hürden-Finale der unter 18-Jährigen (U18) bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Bochum-Wattenscheid ist der 17-Jährige auf einem Endorphin-Trip. Auf der Fahrt zu seiner Vereinskameradin Aline Petry nach Haag im Hunsrück wartet man darauf, dass der Gymnasiast aus Lösnich jeden Moment sagt: "Zwick mich mal!"
Das Erreichen des Endlaufs, zweimal Bestzeit (56,18 Sekunden), fünfter Platz - das vergangene Wochenende muss Bakali wie im Traum vorgekommen sein. Dass es Realität war, können dem Schüler diesmal nicht einmal die Blessuren an Schienbeinen und Knien beweisen. Drei Wochen zuvor beim Gewinn der Landesmeisterschaft hatte er auf der Stadionrunde noch fast alle zehn Hürden touchiert und umgerissen. Im Ruhrgebiet blieben alle stehen.
Die lange Hürdenstrecke ist sowohl für Bakali als auch für Aline Petry eine Hass-Liebe. "Dem Siebenkampf trauere ich immer noch ein bisschen hinterher", sagt die 19-Jährige. Wie Bakali ist Petry vielseitig talentiert. Sie spielt Volleyball und ist beispielsweise schon 5,53 Meter weit und mit dem Stab Bezirksrekord von 3,10 Metern hoch gesprungen. Doch Siebenkampftraining würde bedeuten, dass sie für jede der bis zu sechs Trainingseinheiten pro Woche nach Bernkastel-Kues pendeln müsste. In der Zeit, als sie noch keinen Führerschein hatte, wäre das unmöglich gewesen. Viele Laufeinheiten für den Langsprint kann sie dagegen auf dem Haager Fußballplatz abspulen. "Ich kann da auch viel mit Spikes machen, Diagonalläufe, Abläufe, 500-Meter-Läufe", erzählt Petry.
Die speziellen Hürdeneinheiten absolvieren beide bei Trainer Wolfgang Baum beim SFG Bernkastel-Kues. Diese sind nicht nur wegen der Läufe anstrengend. Der Auf- und Abbau der 300-Meter-Hürden-Distanz dauere rund eine Stunde, erzählt Bakali: "Wir müssen mit dem Hürdenwagen zweimal komplett über die Bahn ziehen."
In den kommenden Wochen werden die Hürden deshalb erst einmal nicht mehr herausgeholt. Bei den Deutschen Meisterschaften im Leichtathletik-Fünfkampf der Turner und einem Siebenkampf in Betzdorf im Westerwald will Petry zum Saisonabschluss ihrer alten Liebe frönen.
Bakali will im Westerwald vielleicht einen Fünfkampf absolvieren, blickt vor allem schon auf 2015: "Wenn ich bei der DM die Läufer der U20 gesehen habe, dann weiß ich, wo ich hin will. Im Winter muss ich vor allem an der Schnelligkeit arbeiten", sagt Bakali. Das DM-Finale in der nächsthöheren Altersklasse. Diesen Traum will er als Nächstes realisieren. teu