Historischer Tag bei traumhaften Bedingungen

Historischer Tag bei traumhaften Bedingungen

Zum dritten Mal nach 1990 und 1996 erlebt Trier einen deutschen Doppelsieg beim Bitburger-Silvesterlauf: Corinna Harrer (Regensburg) und Homiyu Tesfaye (Frankfurt) wurden von Tausenden Fans beim "deutschen Sao Paolo" gefeiert. Insgesamt kamen 1701 Läufer ins Ziel.

Trier. Zurückhaltend nippt Homiyu Tesfaye auf dem Siegerpodest am alkoholfreien Gerstensaft des Hauptsponsors - ganz das Gegenteil dessen, was der in Äthiopien geborene Frankfurter Minuten vorher auf der Trierer Silvesterlauf-Strecke abgeliefert hatte. Mit einem eindrucksvollen Schlussspurt entscheidet der 20-jährige WM-Fünfte über 1500 Meter, der vor fünf Monaten die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten hatte, den Bitburger-Lauf der Asse. Angetrieben vom Konfettiregen und den Trillerpfeifen der Zuschauer beendet Tesfaye eine 17 Jahre lange Durststrecke durch eine beherzte Attacke gegen seine einzig verbliebenen Rivalen Thomas Ayeko (Uganda) und Dame Tasame (Äthiopien).
Der erste deutsche Sieg beim Asse-Lauf nach dem Triumph von Thorsten Naumann im Jahr 1996 war nach 22:38 Minuten perfekt. "Vielen Dank, Trier, das war einfach nur geil", rief Tesfaye, der 2012 bei seinem ersten Start im "deutschen Sao Paolo" Neunter geworden war, den Fans zu. Ganze vier Zehntel lag der Frankfurter am Ende vor dem kurzfristig für seinen Landsmann und Trier-Rekordsieger Moses Kipsiro eingesprungenen Ugander, der wiederum hauchdünn vor Tasame ins Ziel kam. Der Asse-Lauf war der Höhepunkt der 24. Auflage des Bitburger-Silvesterlaufs, der unter traumhaften Laufbedingungen (trocken, sonnig, Temperaturen von sechs Grad) über die Bühne ging. Bester regionaler Starter im Asse-Lauf war Florian Neuschwander (Trier), der als 29. Mark Kowalinski (35.) in der letzten von acht Runden (je ein Kilometer) noch den Bezirkssieg entriss.
Diesen Regionaltitel im Sparkassen-Elite-Lauf der Frauen erlief sich erwartungsgemäß die Sparkassenangestellte Yvonne Jungblut vom LT Schweich als 24. Im Gegensatz zum Fotofinish bei den Männer-Assen war der Frauen-Elite-Lauf eine äußerst einseitige Angelegenheit. Schon in der ersten Runde bestimmte Vorjahressiegerin Corinna Harrer (Regensburg) das Tempo, baute ihren Vorsprung auf den insgesamt fünf Kilometern auf dominante 15 Sekunden aus - und schrieb nach 15:52 Minuten ebenfalls Geschichte: Denn erstmals in der 24-jährigen Geschichte des Silvesterlaufs gab es im Frauenrennen eine Titelverteidigung. Und Harrer legte den Grundstein für den insgesamt erst dritten deutschen Doppelerfolg in Trier nach 1990 und 1996. Zweite wurde Elini Gebrehiwot (Wattenscheid, 16:08) vor der Kenianerin Cynthia Koser (16:15).
"Das hohe Anfangstempo war eigentlich nicht mein Plan", gab Harrer zu: "Aber dann habe ich gemerkt, dass ich Druck machen kann." Die "Grand Dame des deutschen Laufsports", Irina Mikitenko (Trier-Siegerin 1998), war fast schon entsetzt über die Geschwindigkeit in Runde eins: "Das war ja wie bei Usain Bolt." Die 40-jährige Mikitenko hielt lange mit, wurde am Ende als Gesamt-Achte Siegerin der Masterswertung.
Insgesamt 1701 Läufer kamen am letzten Tag des Jahres in Trier ins Ziel. Schnellste von rund 400 Frauen im Scholtes-Volkslauf über fünf Kilometer war Mona Reuter vom PST Trier, in 19:49 Minuten, ihr Pendant über acht Kilometer bei den Männern war der Luxemburger Neil Peters.
Traditionell aus nationaler Sicht hochklassig besetzt war - vor den Augen der Laufbundestrainer - der Sport-Simons Jugendlauf. Über fünf Kilometer setzte sich der deutsche 5000-Meter-Juniorenmeister Sebastian Hendel (LG Vogtland, 15:03 Minuten) in einem packenden Rennen knapp vor Moritz Beinlich (Rhein-Wied, 3000-Meter-Juniorenmeister) durch.

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