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Hobbyfahrer bilden Gegenpol zur Tour de France

Hobbyfahrer bilden Gegenpol zur Tour de France

Die Deutschland-Tour ist tot, es lebe die Deutschland-Rundfahrt: Seit dem Ende des wichtigsten Profi-Etappenrennens hierzulande im Jahr 2008 organisieren Hobbysportler alle zwölf Monate eine Mehrtagesfahrt durch die Bundesrepublik. Diesmal führt sie Anfang Juli auch durch die Region Trier.

Schweich/Hermeskeil/Bitburg. Das Ende kam plötzlich und löste Verbitterung aus. Im Oktober 2008 sorgten die Nachwehen einer Dopingwelle im Profiradsport für das Aus der Deutschland-Tour. Eine via Internet gut vernetzte Gruppe von Radsport-Liebhabern wollte diese Kunde nicht tatenlos hinnehmen. Sie hob eine nationale Rundfahrt für Hobbyfahrer aus der Taufe. Neun Etappen durch die deutschen Mittelgebirge — organisiert von den Machern der Webseite quaeldich.de sowie einem Kreis engagierter Radfahrer vor Ort.
In diesem Jahr fällt zum dritten Mal der Startschuss für die Rundfahrt (2. bis 10. Juli). Radfahrer können an einzelnen Etappen teilnehmen oder das komplette Programm abspulen. Pro Etappe sind maximal 170 Fahrer am Start — eingeteilt in fünf Leistungsgruppen, die im Verbund fahren. Es gibt keine Zeitmessung und damit auch keine Sieger. "Uns geht es um Radsport in Reinkultur, um Fairness und Sportsgeist", sagt Hauptorganisator Jan Sahner. Die Rundfahrt wird bewusst während der ersten Woche der Tour de France ausgetragen. "Wir wollen zeigen, dass Radsport mehr ist als ein Wettstreit, der unter Umständen mit pharmakologischer Hilfe gewonnen wird", sagt der 34-jährige Wahl-Berliner provokant. Seinem Empfinden nach müssten sich die Hobbyfahrer die Deutungshoheit über den Radsport von den Profis zurückholen. Eine Gewähr dafür, dass in seinem Starterfeld niemand zu Doping greift, hat Sahner nicht. "Sicher sein kann ich mir natürlich nicht. Aber ich glaube, dass wir als eingefleischte Hobbysportler nicht die Verbissenheit an den Tag legen, um empfänglich für unterstützende Mittel zu sein. Dopingtests werden wir auf jeden Fall nicht machen", sagt er.
Am 5. und 6. Juli führt die Deutschland-Rundfahrt durch die Region Trier (siehe Hintergrund). Die Etappen sind zwischen 126 und 166 Kilometer lang. Zu bewältigen sind pro Tag zwischen 2350 und 3050 Höhenmeter. "Ich gehe zwar mit einem gewissen sportlichen Ehrgeiz an die Sache ran. Aber wenn nichts mehr geht, muss man auch dazu stehen", sagt Erika Gansen (56) aus Schweich, die erstmals mitmachen wird. Ihr geht es vornehmlich ums Gruppenerlebnis und die landschaftlichen Reize. Ähnlich fasst es Teilnehmer Jan Schmidt (28) aus Hermeskeil zusammen: "Ich freue mich auf eine Art Aktivurlaub."Etappenplan: Start der dritten Deutschland-Rundfahrt ist am 2. Juli im Südschwarzwald (Bad Krozingen). Weiter geht es über Bad Peterstal und Landau gen Norden ins Saarland. Am 5. Juli führt die Etappe von Saarlouis nach Bitburg — über Kell am See, Morscheid, Waldrach, Ehrang, Zemmer und Speicher. Am 6. Juli startet der Tross von Bitburg aus in Richtung Linz. Das Fahrerfeld passiert unter anderem Densborn, Birresborn und Nohn. Weitere Etappenziele sind in den Folgetagen Wiehl (Nordrhein-Westfalen), Frankenberg, Hünfeld (beides Hessen) und Bad Neustadt (Bayern). Teilnehmer: Kurzfristige Anmeldungen sind noch möglich. Alle Informationen — auch zu Details der einzelnen Etappen — gibt es im Internet: www.deutschland-rundfahrt.de bl