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Hungrige Löwen hören auf Dompteur aus Wellen

Hungrige Löwen hören auf Dompteur aus Wellen

Mittelfeld? Das riecht für andere nach Mittelmaß. Nicht so für die luxemburgische Herren-Volleyball-Nationalmannschaft. Mit ihrem Trainer Dieter Scholl aus Wellen (Kreis Trier-Saarburg) soll der Sprung von einer kleinen zu einer mittelgroßen Volleyball-Nation in Europa gelingen.

Wellen/Luxemburg. Kommt ein Spieler? Kommen drei? Oder doch vielleicht sechs? Für Dieter Scholl ist das Woche für Woche die Frage. Und das als Trainer in einer Mannschaftssportart. Klingt komisch. Aber nur auf den ersten Blick. Der Volleyball-Nationaltrainer organisiert jeden Dienstag und Donnerstag individuelle Zusatzeinheiten für die Auswahlspieler. Kraft- und Techniktraining stehen auf dem Programm. Entweder in der Coque oder in einer Halle des nationalen Sportinstituts. "Auch wenn es zeitlich mal nur für einen Akteur passt, so ist das Angebot für die Qualitätsentwicklung wichtig", sagt Scholl. Kleinvieh macht auch Mist. Die Kärrnerarbeit scheint sich auszuzahlen.
Luxemburgs Herren-Team macht kleine Schritte nach oben. Unter den Teamsportarten im Großherzogtum strahlt die Männer-Auswahl international mit die größte Konkurrenzfähigkeit aus. Das Team nennt sich "hungry lions" - hungrige Löwen. 2015 gewann das Team die Europameisterschaft der kleinen Länder, 2016 nahm es erstmals an der Europaliga teil.
"So gut wie Deutschland können wir nicht werden. Wir liegen derzeit in Europa auf Rang 31. Ziel ist, sich zwischen Rang 20 und 30 zu etablieren", sagt Scholl.
Die meisten Nationalspieler sind Studenten, Schüler oder berufstätig. Doch inzwischen gibt's auch Profis, die Zahl wird im neuen Jahr weiter steigen. Zu dem Kreis zählt unter anderem Chris Zuidberg, der in Frankreich bei Tours Volley unter Vertrag steht. Mit dem 20-jährigen Kamil Rychlicki kommt laut Scholl gar eins der "europaweit größten Talente" aus dem Großherzogtum - er ist im Sommer zum belgischen Champions-League-Club Noliko Maaseik gewechselt.
Insgesamt sei es wichtig, das Nationalteam auf ein anderes Niveau zu heben. Scholl: "Viele Spieler hören schon mit 25 oder 26 Jahren auf, obwohl das beste Volleyball-Alter eigentlich erst mit 27 beginnt. Auf Dauer ist es eben uninteressant, zehn Mal gegen Island zu spielen."
Dazu brauche es mehr Anreize für die Spieler. "Wir haben 100 Trainingsbälle und auch sonst gute Trainingsbedingungen sowie ein Top-Equipement. Und das Ministerium ermöglicht den Nationalspielern, pro Jahr 24 Tage Sonderurlaub ohne finanzielle Einbußen zu nehmen. Das ist schon sehr gut. Doch die Akteure benötigen darüber hinaus bessere Aufwandsentschädigungen", sagt Scholl.
Der 47-Jährige stammt aus Bonn, in Deutschland spielte er für Etzbach, Neuwied und Fortuna Bonn bis hinauf zur zweiten Liga. In Luxemburg wurde er mit Mamer Meister und Pokalsieger. "1997 bin ich über eine Anzeige in einer deutschen Volleyballzeitschrift als Spieler nach Mamer gekommen. Dafür habe ich meinen Job als Sportlehrer bei der AOK Altenkirchen gekündigt", berichtet Scholl, der nun als Sportlehrer an der Europäischen Schule in Luxemburg arbeitet. Seit 2002 lebt er mit seiner Familie in Wellen (Verbandsgemeinde Konz), 2014 wurde er Nationaltrainer der Luxemburger Volleyball-Herren.
Im nächsten Jahr wartet unter anderem die WM-Qualifikation auf sein Team und ihn. Gegner im Mai sind Gastgeber Niederlande, Griechenland, die Slowakei, Österreich und Moldawien. Scholl: "Das sind absolute Mammutaufgaben. Unser Ziel ist, Sätze zu gewinnen. Technisch bewegen wir uns bereits auf einem Profilevel. Doch uns fehlt die Wettkampfhärte."
Novotel-Cup zum Jahreswechsel


Zuvor darf sich das Großherzogtum als Titelverteidiger beweisen - beim heimischen Novotel-Cup vom 29.Dezember bis 1. Januar in der Coque. Luxemburgs Männer treffen auf Aserbaidschan, Island und das mit Bundesligaspielern gespickte U-21-WM-Team aus Deutschland. Die Vorbereitung für Scholl wird nicht einfach - ein kleiner Fluch der eingeleiteten Erfolge: "Wir werden nur eine Trainingseinheit mit allen Spielern bestreiten können, da sowohl Chris Zuidberg als auch Kamil Rychlicki noch bis zum 28.Dezember mit ihren Vereinen im Einsatz sind."
Mehr Informationen zum Novotel-Cup 2017 - auch zum Kartenvorverkauf - gibt's online: <%LINK auto="true" href="http://www.novotelcup.lu" text="www.novotelcup.lu" class="more"%>