"Ich habe noch viel Feuer in mir”

"Ich habe noch viel Feuer in mir”

Tennis: Andrea Petkovic nimmt positive Gefühle aus Luxemburg mit - trotz Aufgabe in Runde zwei.

Kockelscheuer Die Fans stehen Schlange, als Andrea Petkovic nach ihrem Auftaktmatch bei den BGL BNP Paribas Luxembourg Open an einem Stand Autogramme gibt. Die 30-jährige Darmstädterin ist zum neunten Mal beim Hallenturnier im Sportcenter Kockelscheuer am Start und hat dort viele treue Anhänger. In Runde eins hat sie einen Drei-Satz-Krimi gegen Petra Martic überstanden, ihr erster Sieg überhaupt gegen die Kroatin. "Ich bin super glücklich", sagt Petkovic später vor der versammelten Presse. "Deswegen spielt man Tennis. Das ist eins der besten Gefühle, wenn beide gut spielen und dann auch noch vor einem Publikum, das so mitgeht." Ein Hochgefühl, das die Hessin zuletzt nicht allzu häufig erlebt hat. Zwar ging die Formkurve in China wieder nach oben. Und in Washington (USA) erreichte die Deutsche immerhin das Halbfinale. Aber es stehen 2017 auch einige bittere Niederlagen zu Buche, darunter drei Erstrunden-Pleiten bei den großen Grand-Slam-Turnieren in Wimbledon, Paris und New York. "Ich habe viele enge Matches verloren. Und die Nullergebnisse bei drei Grand Slams sehen natürlich schlecht aus - auch wenn die Saison insgesamt gar nicht so schlimm war", sagt Petkovic. Die frühen Niederlagen sind auch ein Grund, warum die Darmstädterin auf Platz 94 in der Weltrangliste abgerutscht ist. Siege in umkämpften Partien, sagt sie, seien die beste Motivation, sich zurück zu alter Stärke zu kämpfen. Auch wenn ihr inzwischen Spiele von mehr als zwei Stunden lange "in den Knochen" steckten. "Ich bin ja keine 20 mehr - auch wenn ich noch so aussehe", sagt die 30-Jährige und lacht. Diese lockere, unverblümte Art hat sie populär gemacht, zusätzlich zu den sportlichen Erfolgen. 2011 war bislang Petkovics bestes Jahr im Profitennis. Damals führte sie eine Generation junger deutscher Spielerinnen an, die erstmals seit Steffi Graf wieder in die Weltspitze vorrücken und eine Platzierung unter den Top zehn erreichen wollten. Petkovic kletterte bis auf Rang neun. Die ganz großen Erfolge, wie sie 2016 ihre langjährige Freundin Angelique Kerber (siehe Info) mit zwei Grand-Slam-Siegen und dem Aufstieg zur Nummer eins erreichte, gelangen Petkovic jedoch nicht. Auch wenn sie bereits sechs WTA-Titel auf dem Konto hat. Stattdessen warfen Verletzungen sie immer wieder zurück. 2015 kamen private Probleme und eine Motivationskrise hinzu, damals stand sie kurz vor dem Karriere-Aus. Diese Krise, so scheint es auch in Luxemburg, hat Petkovic offenbar überwunden. In vielen Interviews beteuerte sie zuletzt, dass sie wieder großen Spaß am Tennis habe. "Ich habe noch genug Feuer in mir, um noch ein paar Jahre weiter Tennis zu spielen", sagt sie und gesteht zugleich, dass sie am Saisonende doch "etwas drüber" sei und die Kräfte nachließen. Beim Turnier in Peking sei sie umgeknickt. "Das ist mir schon länger nicht mehr passiert, das ist einfach Übermüdung." Die Folgen des Auftaktmatches und der kräftezehrenden Saison zeigen sich am Mittwoch im Achtelfinale. Gegen die im Turnier an Position zwei gesetzte Kiki Bertens aus den Niederlanden muss Petkovic beim Stand von 2:6 und 1:2 aufgeben - wegen Magenproblemen. "Ich werde mich jetzt gut erholen, den positiven Schwung mitnehmen und nächstes Jahr wieder angreifen."Extra: KERBER SCHEITERT FRÜH, WITTHÖFT IM VIERTELFINALE

Die ehemalige Nummer eins im Damentennis Angelique Kerber hat am späten Dienstagabend ihr Auftaktmatch in Luxemburg verloren. Sie scheiterte an Monica Puig aus Puerto Rico (3:6, 4:6), der Kerber auch 2016 im olympischen Finale von Rio unterlegen war. Trotz des frühen Aus gab die Kielerin am Mittwoch noch eine Autogrammstunde. Im Viertelfinale stehen dagegen Carina Witthöft (6:2, 6:3 gegen Evgeniya Rodina) und Naomi Broady (4:6, 7:5, 6:3 gegen Sabine Lisicki). Ergebnisse: Heather Watson (GBR) - Anett Kontaveit (EST) 6:4, 6:4; Johanna Larsson (SWE) - Beatriz Haddad Maja (BRA) 3:6, 7:6 (5), 6:2; Elise Mertens (BEL) - Madison Brengle (USA) 6:2, 0:6, 6:3; Pauline Parmentier (FRA) - Veronica Cepede Royg (PAR) 7:5, 6:1;