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"Ich will und sollte noch weitermachen"

"Ich will und sollte noch weitermachen"

Als Älteste im 800-Meter-Finale der deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe gewann Kerstin Marxen DM-Silber. Ans Aufhören denkt die bald 30-Jährige aber nicht.

Karlsruhe/Manderscheid/Tübingen. Als Kerstin in der Karlsruher Messehalle kurz vor dem Start in die Gesichter ihrer Mitläuferinnen schaute, dachte sie bei vielen ihrer mindestens sechs Jahre jüngeren Konkurrentinnen: "Ihr seid ja noch Jugendliche. Ihr werdet mir nicht meinen Frauen-Platz streitig machen."
Mit einem gesunden Selbstbewusstsein und einem Schuss Gelassenheit läuft die Manderscheiderin ein Jahrzehnt, nachdem sie selbst der Jugendklasse entwachsen ist, in der nationalen Spitze mit. Nur eine der jungen Läuferinnen war am vergangenen Sonntag auf den vier Hallenrunden schneller: Die zweimalige U19-EM-Dritte Christina Hering (München), neun Jahre jünger, lag in 2:05,61 Minuten 1,02 Sekunden vor Marxen. Wie vor zwei Jahren unter freiem Himmel konnte die Manderscheiderin ihren Eltern, die in der Burgenstadt ein Café betreiben, stolz eine Silbermedaille von deutschen Meisterschaften präsentieren.
"Ich bin diesmal mit weniger Erwartungen in den Wettkampf gegangen", erzählt Marxen. Denn das Pharmaziestudium hat die 29-Jährige beendet. Jetzt arbeitet sie in einer Apotheke in Tübingen, wo sie mit ihrem Freund Benedikt Karus lebt. Der Schritt in den Beruf, eine Umstellung, die Marxen gut gemeistert hat. "Das zeigt mir, dass ich immer noch weitermachen will und sollte", sagt die ehemalige Schülerin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Daun. An das Ende ihrer Leistungssportkarriere denkt Marxen noch nicht.
Nach so einem Erfolg wie am vergangenen Sonntag träumt sie stattdessen den Traum vieler Läufer vom nationalen Titel über 800 Meter. "Das wäre der nächste Schritt", sagt Marxen, die seit drei Jahren für den TSV Gomaringen startet. Aber unter Druck setzte sie sich nicht mehr und erklärt: "Der Fokus liegt nicht mehr allein beim Sport."
Erfahrung als Joker


Dass der Traum noch in Erfüllung geht, ist nicht ganz unrealistisch. Manch jüngere Läuferin sei vielleicht noch etwas spritziger im Endspurt, sie profitiere aber von ihrer Erfahrung. "Ich weiß, welche taktischen Fehler ich früher gemacht habe und gehe auch sehr viel gelassener an den Start", sagt die Läuferin, die als Jugendliche bei der LG Vulkaneifel unter Heinz Reifferscheid trainierte. Marxens Start bei der Cross-EM 2004 wird aber wohl ihr einziger internationaler Einsatz bleiben. Die Normen liegen einfach zu hoch. Für die Weltmeisterschaft im Sommer in Peking verlangt der Deutsche Leichtathletik-Verband exakt zwei Minuten über 800 Meter. Und am 21. Juni möchte Kerstin Marxen auf jeden Fall zu Hause statt bei der an diesem Tag stattfindenden Team-EM sein. Dann feiert sie nämlich ihren 30. Geburtstag. teu