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Ihre Welt ist eine Scheibe

Spangdahlem. Vor drei Wochen berichtete der TV über den Poolbillard-Club Trier, den wohl unbekanntesten Erstligisten der Stadt. Neben ihm gibt es in der Region weitere Vereine, die abseits der großen Aufmerksamkeit hochklassige Leistungen vollbringen. So steht der Dart-Club Royals Eifel vor dem Einzug in die Play-offs zur Deutschen Meisterschaft. Mirko Blahak

Spangdahlem. Im Sportlerheim des SV Spangdahlem hängen links und rechts zwei Dartboards. Unaufhörlich fliegen Pfeile auf die aus Sisalfasern gefertigten Scheiben. Männer in schwarz-weißen Hemden nehmen Maß. Konzentriert, aber nicht verschwiegen.
Der TV ist zu Besuch beim Training des DC Royals Eifel. Die Spieler im Alter zwischen 21 und 45 Jahren bereiten sich auf den 3. März vor. Dann ist der Verein Gastgeber eines Blockspieltags in der deutschen Dart-Bundesliga (Gemeindehalle Spangdahlem, Beginn 12 Uhr, Eintritt frei). Die Gegner der Eifeler: das oberbayerische "LA Dart-Team" aus Wang und der TSV Ginnheim. Zwei Kellerkinder in der neun Mannschaften umfassenden Süd-Staffel.
Neun-Darter: Das Nonplusultra


Der DC Royals Eifel belegt derzeit Rang zwei, es winkt die Teilnahme an der Meisterschafts-Endrunde in Hamburg (siehe Hintergrund). Und das als Aufsteiger. "Die Qualifikation wäre ein toller Erfolg", sagt Mannschaftskapitän und Club-Gründungsmitglied Andreas Becker aus Balesfeld (Eifelkreis Bitburg-Prüm). 2008 wurde der Verein aus der Taufe gehoben. "In den regionalen Spielklassen wie der Eifel-Hunsrück-Mosel-Dartliga oder der Bit-Liga tummeln sich viele gute Spieler. Wir wollten sehen, wie die Besten überregional mithalten können", nennt der 36-Jährige die Beweggründe. Erfolge stellten sich schnell ein. 2011 gewann die Equipe den Rheinland-Pfalz-Pokal. Zudem gelang der Erstliga-Aufstieg.
Was zeichnet einen guten Dart-Spieler aus? "Er muss die Nerven behalten und sich sehr gut konzentrieren können. Und Stärken im Kopfrechnen schaden auch nicht", sagt Becker. Darts ist eine Präzisionssportart. Der Spieler steht 2,37 Meter von der Scheibe entfernt. Auf ihr sind die Felder, die die doppelte und dreifache Punktzahl einbringen, lediglich acht Millimeter breit.
In der Bundesliga wird nach dem Modus "501 Double Out" gespielt. Ziel ist, mit möglichst wenigen Würfen von 501 Punkten auf genau Null zu kommen. Dabei muss mit dem letzten Wurf ein Doppelfeld getroffen werden. Pro Durchgang wirft ein Spieler drei Pfeile, maximal sind mit ihnen 180 Punkte zu erreichen. Um die 501 Punkte "auszuchecken" sind demnach mindestens neun Würfe nötig. Dieser sogenannte Neun-Darter ist bei den Spielern das Nonplusultra.
Für die Profis in Großbritannien, wo der Sport einen enormen Stellenwert besitzt, werden bei großen Turnieren für solch einen Neun-Darter Prämien in Höhe von umgerechnet mehreren Tausend Euro ausgelobt. In Deutschland können Spieler nicht reich werden - auch wenn Darts mittlerweile ein recht populärer Fernsehsport geworden ist. Aktuell zeigt der Sender Sport1 die Partien der englischen Premier League mit den Topstars der Szene wie Phil Taylor, Raymond van Barneveld oder Gary Anderson live. "Diese Präsenz hilft uns sehr. Nach WM-Turnieren steigt die Teilnehmerzahl bei Turnieren immer an", sagt Becker. Seiner Schätzung nach können die besten drei Spieler in Deutschland brutto pro Jahr 20 000 bis 30 000 Euro an Preisgeldern kassieren - wenn es sehr gut läuft. Im Vergleich zu Taylor, der mittlerweile mehrfacher Millionär ist, sind das lediglich Peanuts.
Der DC Royals Eifel muss sich strecken, um das Erstliga-Budget von 4000 bis 5000 Euro zusammenzubekommen. Sponsoren sind kleinere und mittelgroße Firmen. In der Bundesliga gibt es gute Leistungen zu sehen. Was zur Weltspitze fehlt, ist die Konstanz. Becker: "Die Top-Profis können über Stunden hinweg die kleinen Felder treffen. Bei uns mangelt es da an Beständigkeit."Extra

Automaten-Dart und Steeldart: Darts wird in zwei Sparten unterteilt - in das (in Deutschland weit verbreitete) Automaten- oder Elektronik-Dart sowie in das klassische Steeldart, das die weltweit führende Variante ist. Beim Steeldart haben die Pfeile eine Spitze aus Metall. Sie wiegen in der Regel um die 20 Gramm. Geworfen wird auf eine Scheibe aus Sisalfasern. Beim Automaten-Dart wird auf eine elektronische Scheibe geworfen, die direkt die erzielten Punkte anzeigt. Die Pfeile haben eine Kunststoff-Spitze. Punkte: Eine Dartscheibe ist in 20 Segmente unterteilt. Sie haben eine Wertigkeit von eins bis 20. Zudem gibt es einen inneren schmalen Ring (Triple). Trifft der Pfeil dort die Scheibe, wird die dem Segment zugeordnete Punktzahl mit drei multipliziert. Im äußeren Ring (Double) verdoppelt sich die Punkteausbeute. Im Zentrum der Scheibe ist das Bull\\'s Eye (zählt 50 Punkte). Es ist umgeben von einem kleinen Ring (Single-Bull, 25 Punkte). Verbände: International gibt es zwei große Steeldart-Verbände - den Weltdartverband WDF, dem auch der Deutsche Dartverband (DDV) angehört, sowie die Professional Darts Corporation PDC. In der PDC ist die Weltspitze vertreten, im Jahr 2011 spielte sie rund zehn Millionen britische Pfund aus. Dart-Bundesliga: Seit 2003 organisiert der DDV eine Steeldart-Bundesliga. Derzeit umfasst sie 18 Teams, aufgeteilt in eine Nord- und Süd-Staffel mit jeweils neun Mannschaften. Die besten vier Teams jeder Staffel qualifizieren sich für die Endrunde. In ihr wird der Deutsche Meister ermittelt. Ein Team besteht aus acht Spielern plus Ersatzakteuren. Pro Bundesliga-Partie werden insgesamt acht Einzel und vier Doppel ausgetragen. Die Mannschaft, die als erste sieben Spiele für sich entscheidet, gewinnt die Partie. Um Kosten zu senken, gibt es in den jeweiligen Staffeln Blockspieltage. Pro Spieltag treffen sich drei Teams an einem Austragungsort und bestreiten dort drei Bundesliga-Spiele. Heimspieltag am 3. März: Am kommenden Samstag ist der DC Royals Eifel in der Gemeindehalle Spangdahlem ab 12 Uhr Gastgeber eines Blockspieltags. Gegner sind das "LA Dart-Team" Wang und der TSV Ginnheim. Der Eintritt zu den Partien ist frei. Weitere Informationen gibt es im Internet: www.dc-royals-eifel.deEtikette: "Lange Zeit hieß es, beim Dartsport wird nur geraucht und gesoffen. Dem ist nicht so", sagt Andreas Becker, Kapitän des DC Royals Eifel. Während Bundesliga-Spielen gelte ein striktes Rauch- und Alkoholverbot. Zudem müssen die Spieler eine Kleiderordnung (dunkle Stoffhose, Hemd) einhalten. bl