Jetzt gilt’s

Als erste Läuferin eines Trierer Vereins steht Gesa Krause heute im Finale einer Leichtathletik-WM.

London Gesa Krause hat ihren Wettkampfrhythmus: lockeres Läufchen am Morgen, gutes Frühstück, den Renn-Dress zurechtlegen, warmlaufen, dehnen, Steigerungsläufe. Ein Ritual. Dutzende Male praktiziert. Doch beim Weltmeisterschafts-Vorlauf am Mittwochabend störte etwas gehörig: der britische Dauerregen. "Ich bin auf dem Laufband warmgelaufen. Das habe ich noch nie gemacht", erzählt die Europameisterin über 3000 Meter Hindernis, die seit Jahresbeginn für den Trierer Silvesterlauf-Verein startet, dem TV.
Geschadet hat Krause diese Abweichung von der Routine allerdings nicht. Mit einer taktischen Meisterleistung und einem unwiderstehlichen Endspurt gewann sie den langsamsten der drei Vorläufe. "Ich bin froh, dass alles gutgegangen ist", atmete die 25-Jährige hörbar auf. Die Pflichtaufgabe hat sie erfüllt. Die Zeit (9:39,86 Minuten) interessiert nicht.
"Nachdem ich gesehen habe, wie langsam der erste Kilometer war (3:18,99 Minuten, Anm. d. Red.), wusste ich, dass ich in diesem Rennen unter die Top drei kommen muss. Sonst kein Finale", erzählt Krause. Aus den drei Vorläufen kamen die drei Erstplatzierten und sechs weitere Zeitschnellste weiter.
An gleicher Stelle, wie vor fünf Jahren bei ihrem Olympia-Debüt, als sie Achte wurde, kämpft Krause heute Abend (22.25 Uhr ARD/Eurosport) um eine Medaille über 3000 Meter Hindernis.
Aber dass ihr ein ähnlicher Coup wie 2015 in Peking gelingt, dagegen sprechen die Zahlen. Schaut man auf ihre Bestzeit (9:15,70 Minuten, gleichzeitig deutscher Rekord) ist Krause ist die achtschnellste Teilnehmerin unter den 15 Finalisten. Die Kenianerin Celliphine Chepteek Chespol rannte als einzige in diesem Jahr unter neun Minuten (8.58,78). Die für Bahrain startende, aber ebenfalls aus Kenia stammende Ruth Jebet ist Weltrekordlerin (8:52,78) und Olympiasiegerin.
Medaillenkandidatinnen sind heute Abend andere. Aber: Das Feld ist enger zusammengerückt, auch ohne die gesperrten Russinnen, die sich bisher mit den Kenianerinnen die WM-Medaillen bis auf Krauses Bronzecoup vor zwei Jahren aufteilten.
Zu den Favoritinnen zählt auch Titelverteidigerin Hyvin Kiyeng Jepkemoi (Bestzeit 9:00,01). Die noch amtierende Weltmeisterin ließ Krause am Mittwochabend im Bummel-Vorlauf (knapp) hinter sich. Wenn die Ostafrikanerinnen nicht auf Teufel komm' raus ein unter-neun-Minuten-Tempo anschlagen, dann steigen Krauses Chancen. Und wer wird in einem Rennen ohne Tempo-Macherinnen und beim vorausgesagten frischen Wind seine Kräfte an der Spitze verpulvern?
Für Gesa Krause bleibt wie im Vorlauf wichtig: "Kühlen Kopf bewahren!" Und: Es soll trocken bleiben. Sie kann also wieder auf ihr Erfolgsritual vor dem Wettkampf zurückgreifen - diesmal sogar ohne Laufband.