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Jürgen Klopp: Ich bin ein besserer Trainer als 2012

Jürgen Klopp: Ich bin ein besserer Trainer als 2012

Schlimmer ging\'s nimmer: Ausgerechnet als Tabellenletzter musste BVB-Coach Jürgen Klopp über "Motivation und Führung" reden. Und das auch noch in Frankfurt, wo Dortmund gerade eine bittere Niederlage (0:2) gegen Eintracht Frankfurt kassiert hatte.

Frankfurt. Kommt er? Kommt er nicht? Die 260 Gäste im Steigenberger Hotel wären wohl wenig erstaunt gewesen, wenn Jürgen Klopp den Termin abgesagt hätte. Doch dieser hatte seinem alten Freund Sven Müller, Inhaber einer Frankfurter PR-Agentur, bereits im Sommer eine verbindliche Zusage gegeben. Und hielt nun Wort.
Der Erfolgstrainer auf der Misserfolgswelle griff die Stimmung sofort auf: "Es ist nicht so, dass ich heute Morgen aufgewacht bin und dachte: Wie geil, heute schon wieder nach Frankfurt." Und auf die unausgesprochene Frage, ob er darüber nachgedacht hatte, überhaupt zu der Veranstaltung mit Fernsehkommentator Bela Rethy zu erscheinen, meinte er: "Ich wundere mich, dass ihr gekommen seid - zum Thema Motivation!" Da war es: Klopps erstes breites Lachen. Und auch im Saal atmeten einige Gäste auf. Der Abend würde lange nicht so deprimierend werden, wie eingangs zu befürchten war.
Was folgte, war ein typischer Jürgen-Klopp-Auftritt unter besonderen Vorzeichen. Der Meistertrainer im Abstiegskampf präsentierte sich mal nachdenklich, mal selbstironisch, spielte Witz und Schlagfertigkeit aus und wirkte dabei unverkrampft und authentisch.
Einen Seitenhieb auf den Münchner Branchenprimus konnte er sich nicht verkneifen: "Wer nur Erfolg will, soll Bayern-Fan werden."
Den BVB sieht er eher als Schicksalsgemeinschaft, die Höhen feiert und Tiefen trotzt. Selbst diese verkorkste Saison hat für ihn noch das Potenzial, zu einer denkwürdigen Geschichte für den BVB zu werden. "Wenn wir das Ding drehen, haben wir etwas Besonderes geschafft." Klopps Credo: Auf der Erfolgswelle schwimmen kann jeder. Aber Straucheln, Stürzen und Wiederaufstehen ist der Stoff, aus dem Fußball-Legenden gewebt sind.
Wenn Klopp sich dem Pathos näherte, setzte er gleich eine ironische Brechung dagegen. "Ich bin heute ein besserer Trainer als 2012", sagte er. "Das Problem ist nur, man kann es an der Tabelle nicht ablesen."
2012 hatte Borussia Dortmund das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg geschafft. Und als Klopp sich darüber beschwerte, dass sein Stuhl im Vergleich zu dem von Moderator und ZDF-Mann Rethy niedriger und ziemlich durchgesessen sei, schob er den Satz nach: "Diese Symbolik hätte es jetzt nicht gebraucht." Seine aktuelle sportliche Misere führte der Kult-Trainer erneut auf Verletzungspech, eine verspätete Vorbereitung aufgrund der Fußball-WM und auf Gegentore zurück, "die an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten sind". Rücktrittsgedanken als BVB-Coach hegt er aber nicht. "Ich bin ein Kämpfer", sagte er. "Bei mir gibt es ganz oder gar nicht." Mehrfach beteuerte er: "Wir wollen das gemeinsam regeln."
Klopp betonte, dass ihn der Erfolg der vergangenen Jahre ohnehin mehr überrascht hat als seine jetzige Durststrecke. "Die meisten in meiner Schule hätten geglaubt, dass ich ein Leben lang gegen den Abstieg spiele. Als mir mein Schuldirektor das Abschlusszeugnis in die Hand gedrückt hat, sagte er: Hoffentlich klappt das mit dem Fußball. Sonst wird es schwer." DB