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Keine Gummibärchen für Wittlicher

Keine Gummibärchen für Wittlicher

Laufen gehört für Martin Koller seit fast drei Jahrzehnten zum Leben einfach dazu. Am vergangenen Wochenende wurde der gebürtige Wittlicher deutscher Senioren-Vizemeister im Halbmarathon. Im März holte er im Cross bei den 45- bis 49-Jährigen (M45) sogar den nationalen Titel.

Refrath/Köln/Wittlich. Was ist wichtiger? Das kurze Glücksgefühl beim Naschen der Lieblingssüßigkeit? Oder das anhaltende, das Fitness und sportlicher Erfolg versprechen? Martin Koller hat die Frage für sich beantwortet, glaubt seine Mutter. "Martin isst wahnsinnig gerne Gummibärchen. Aber seit Weihnachten hat er darauf verzichtet, weil ihm der Sport so viel gibt", sagt Elisabeth Koller.
Der Verzicht, ein kleiner Baustein für die Erfolge des Sohns: Im März wurde der ehemalige Schüler des Wittlicher Peter-Wust-Gymnasiums, den es nach dem Elektrotechnikstudium beruflich nach Köln verschlagen hat, Deutscher M45-Seniorenmeister im Crosslauf. 2012 holte Koller diesen Titel bereits in der Mannschaftswertung mit seinem Verein TV Refrath. Am vergangenen Sonntag bei der Halbmarathon-DM musste er sich bei den 45- bis 49-Jährigen um 16 Sekunden Fabian Lafrenz (LG Neckar-Enz) geschlagen geben. Kollers Zeit über 21,1 Kilometer mit 46 Jahren: 1:13:34 Stunden.
Mit acht Jahren angefangen


Vielleicht hätte Koller schon früher DM-Edelmetall gewonnen. Mit acht Jahren begann seine sportliche Karriere beim Wittlicher Turnverein (WTV). Bei Jann-Wübbo Gerdes stieg er schnell auf. Der 2011 verstorbene Leichtathletiktrainer habe ein Förderkonzept "mit Abzeichen und allem drum und dran" aufgebaut, erzählt Koller. Sonntags wurde auf dem Lieserpfad trainiert. Außerdem auf dem Sportplatz beim Cusanus-Gymnasium (wo jetzt das Eventum steht) und im Sportzentrum. 1983 sei die Glanzzeit der Leichtathleten beim WTV aber vorbei gewesen, sagt Koller: "Wir sind mit einer ganzen Gruppe nach Trier zum PST gewechselt."
Schicksalsschlag mit 20 Jahren


Nach zwei erfolgreichen Jahren, Kollers 5000-Meter-Bestzeit lag mittlerweile bei 15:08,12 Minuten, der Schock. Nach einem Einsatz in der Rheinlandauswahl in Holland wurde bei dem 20-Jährigen Hodenkrebs diagnostiziert. Eine schwere Zeit begann. Kollers ehemaliger Trainer (beim PST) Volkhart Rosch erinnert sich: Bei Besuchen im Krankenhaus sei er von seinem Schützling durch eine Glaswand getrennt gewesen. Der Infektionsgefahr für den Patienten wegen. Aber: "Der Wettkampfsport hat geholfen, die Erkrankung sportlich zu nehmen. Ich hatte von Anfang an vor, sie zu besiegen", sagt Koller.
Mit dem Leistungssport war es aber erst einmal vorbei, als er als geheilt galt. Studium und Beruf (Koller ist bei einer Firma, die Geräte zur Tumor-Bestrahlung herstellt, beschäftigt) standen im Vordergrund. "Gelaufen bin ich aber die ganze Zeit. Vor elf Jahren bekam ich wieder Lust auf ein Leistungstraining und habe an Volksläufen im Kölner Raum teilgenommen", erzählt Koller. Wenn möglich, läuft er auch gerne in seiner alten Heimat. Ob er in diesem Jahr, wie schon oft, beim Kröver Mitternachtslauf dabei ist, weiß er aber nicht. "Ich muss im Mai beruflich in die USA", erklärt Koller. Aber den Plattener Straßenlauf am ersten Augustwochenende im Rahmen des Sportfests des TuS Platten hat er im Visier. Der Grund ist auch familiär, erklärt er: "Mein Bruder organisiert den Lauf mit."
Die Ergebnisse der Halbmarathon-DM finden Sie im Internet: www.dm-hm-2013.de