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Keine Tour ohne Herbert

Die Tour kann kommen, denn auch Herbert Weber kommt: Der Mann aus Erden und sein Wohnmobil sind bereit. TV-Foto: Jürgen C. Braun
Die Tour kann kommen, denn auch Herbert Weber kommt: Der Mann aus Erden und sein Wohnmobil sind bereit. TV-Foto: Jürgen C. Braun FOTO: (g_sport
Erden/Utrecht. Herbert Weber zieht in diesem Jahr gleich mit Jens Voigt. Am kommenden Wochenende startet der 70-jährige passionierte Radsportler aus Erden zu seiner 17. Teilnahme an der Tour de France. Als Ausdauerwunder und Edel-Fan, für den beim Anstieg hinauf nach L\'Alpe d\'Huez sogar schon ein Platz fürs Wohnmobil reserviert ist. Jürgen C. Braun

Erden/Utrecht. "Leider", sagt Herbert Weber, "leider fahre ich nicht mehr so viel wie früher." Um dann, als sei es das Normalste in der Welt, etwas bedauernd hinzu zu fügen. "Höchstens noch so 6000 bis 8000 Kilometer im Jahr. Es waren aber auch schon 10 000 oder 12 000."
Der Vorsitzende des Radsportclubs Erden (Landkreis Bernkastel-Wittlich) ist ein Ausnahme-Asket und ein Wunder an Ausdauer im Sattel, aber auch an praktizierter Lebensfreude. 1998 fuhr er seine erste Tour mit, damals noch in seinem bekannten roten VW Bulli, der in manchem Tour-Almanach zu sehen ist. Seitdem hat er nicht ein einziges Jahr ausgelassen. Wenn die Tour-Helden kamen, dann war Herbert schon da. Egal wo: Ob Pyrenäen, Alpen, massif Central oder wo auch immer.
Tour de France 2015


Seit 2004 ist er mit seinem neuen Wohnmobil unterwegs, das in Outfit und Interieur ganz an die Bedürfnisse des Radsport-Enthusiasten von der Mosel angepasst ist. Weber ("Zum Radsport bin ich gekommen, als ich Mitte der 1980er Jahre mit dem Tischtennis aufgehört habe.") ist zwar in jedem Jahr alleine unterwegs. Einsam aber ist er mitnichten. "Ich habe so viele nette und gleichgesinnte Menschen kennengelernt, so viele neue Freunde gewonnen, das glaubt einem niemand." Und bei der französischen Polizei am Berg der Legenden von Bourg d\'Oisans hinauf nach L\'Alpe d\'Huez hat er einen ganz besonderen Stein im Brett. Am Freitag fährt er nach Utrecht zum Start, nimmt noch die beiden ersten Etappen in den Niederlanden und Belgien mit, kehrt dann nach Hause zurück, um am 12. Juli wieder aufzubrechen. Zunächst ein paar Tage in die Partnerstadt Erdens im Burgund, "aber am Montag, 20. Juli, will ich abends in Alpe sein."
Das sind dann fünf Tage vor der vorletzten Tour-Etappe. Genau so lange bleibt Herberts Wohnmobil, für das bereits ein Platz in Kurve 20 (21 Kurven sind es insgesamt) reserviert ist, dort stehen. Frei gehalten von seinen Kumpels, mit denen er sich seit 2006 immer an der gleichen Stelle trifft und die einen Tag vor ihm anreisen.
Gleich zwei Räder dabei


Zwei seiner Räder gehören zu seinem unabdingbaren Reservoir neben Verpflegung, Klamotten, Waschzeug, Ersatzteilen und Werkzeug für das Rad. "Mit dem Rennrad fahre ich einen Tag vorher zum Glandon und zum Col de la croix de fer." Das, so meint er in trauter Bescheidenheit, sei ja schließlich auch nicht weit - aber steil und heiß. Verdammt steil und verdammt heiß! Aber was will das einem 70-jährigen Jungspund schon ausmachen. Neben seinem Rennrad hat Weber auch noch das Mountainbike dabei. "Wenn ich mal irgendwo hin will, wo der Asphalt aufgehört hat und vielleicht schon etwas Schnee liegt." Aha! Und dass er den gefürchtetsten Anstieg der sagenumwobenen "Tour der Leiden", hinauf von Bourg d\'Oisans nach Alpe d\'Huez, selbst noch mit dem Rennrad absolviert, darüber mag er eigentlich gar nicht reden.
"Das ist doch Ehrensache." In all den Jahren ist Weber auch zu einem richtigen Fuchs an der Rennstrecke geworden. Denn man müsse ja schließlich auch dafür sorgen, dass das mit dem Wohnmobil direkt neben der Strecke immer so klappt. Weshalb Weber einen Pakt mit der ortsansässigen Gendarmerie geschlossen hat: "Die dürfen, kurz bevor die Gitterzone beginnt, immer ihre Getränke bei mir im Kühlschrank lagern. Nachher, wenn alle runter wollen, winken sie mich bevorzugt raus und sorgen dafür, dass ich schnell aus dem ganzen Trubel raus komme." Das hat in 17 Jahren Tour de France noch nicht einmal Jens Voigt geschafft. Aber der ist ja schließlich auch erst 43!