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Körperliches Training lohnt sich in jedem Fall auch noch für ältere Menschen

Körperliches Training lohnt sich in jedem Fall auch noch für ältere Menschen

Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining führen dazu, dass der Körper mehr Sauerstoff aufnehmen kann. Schon leichte sportliche Betätigung reicht aus. Die maximale Sauerstoffaufnahme gilt als zuverlässiger Maßstab für die körperliche Fitness.

Homburg. Bei ihrer Studie zur Auswirkung von Ausdauer- und Krafttraining auf die Zellen im menschlichen Körper (siehe oben) hatten die Forscher der Saar-Uni den Probanden zum Beginn und Abschluss der Studie Blut abgezapft. Letztlich stand aber nur fest, dass sich durch die sportliche Betätigung irgendwann zwischen null und sechs Monaten in den weißen Blutkörperchen Stoffe gebildet hatten (Telomerase und Anti-Stress-Proteine), die den Alterungsprozess der Zellen verlangsamen.
"Das wollten wir jedoch genauer wissen", sagt Privatdozent Dr. Christian Werner, der Leiter der Studie. In einem weiteren Versuch mit Medizinstudenten, die eifrig Waldläufe absolvierten, stellte sich heraus, dass Telomerase und die Telomer-stabilisierenden Proteine schon nach nur einer Trainingseinheit aktiviert werden. "Die Stoffe sind dann zwölf bis 24 Stunden lang in den Zellen aktiv", erläutert Werner.
Das heißt zum einen, dass körperliche Aktivität ein wirklich wirksames Anti-Aging-Training ist, zum anderen, dass regelmäßiges Training unumgänglich ist, um den Effekt dauerhaft aufrechtzuerhalten. "Zudem steigt die Sauerstoffaufnahme beim Krafttraining in gleichem Maße wie beim Ausdauertraining." Die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) ist ein guter Gradmesser, um die Fitness eines Menschen zu beurteilen. Je höher die VO2max bei körperlicher Belastung liegt, desto fitter ist man. Während bei untrainierten jüngeren Menschen die maximale Sauerstoffaufnahme im Durchschnitt 35 bis 45 Milliliter pro Minute und Kilogramm Körpergewicht beträgt, sind es bei hochtrainierten Ausdauersportlern über 80 Milliliter.
In der Studie an der Saar-Uni bescheinigten die Forscher allen Teilnehmern am Ende eine bessere Fitness. Sowohl durch das Kraft- als auch das Ausdauertraining war die VO2max zwischen zehn und 15 Prozent gestiegen.
Da bei einem Ausdauertraining der Puls kontinuierlich erhöht ist, kommt es durch den verstärkten Blutfluss in den Gefäßen zu Scherkräften. Durch die stärkere Reibung bildet sich in den Blutgefäßen und Blutzellen das Enzym Stickstoffmonoxid-Synthase (NO-Synthase), das die Gefäße entspannt und schützt. "Dieser Effekt tritt jedoch anscheinend stärker beim Ausdauertraining auf", sagt Werner. "Beim Krafttraining bleibt der Puls niedrig, weshalb die NO-Synthase nicht im selben Maße aktiviert wird."
Der Kardiologe und seine Kollegen hatten bereits in einer ersten Studie im Jahr 2010 bei älteren Nichtsportlern altersbedingt verkürzte Telomere gefunden. Bei älteren Sportlern hingegen, die im Mittel seit 35 Jahren regelmäßig Ausdauersport betrieben, waren die Telomere deutlich weniger verbraucht. Das war ein erster Hinweis darauf, dass regelmäßiger Sport die Telomere sozusagen konserviert und damit die Zellalterung verlangsamt.
"Jetzt konnten wir die positiven Auswirkungen sportlicher Betätigung auf Zellebene erstmals auch bei untrainierten Menschen nachweisen", sagt Werner. "Auch wer erst mit 50 Jahren mit einem Training anfängt, hat noch gesundheitsfördernde Effekte. Er bekommt zwar nicht mehr das Herz eines 20-Jährigen, doch mit 80 hat er womöglich noch immer das Herz eines 50-Jährigen."
Der Forscher betont, jedes Training sei besser als kein Training. Noch ist allerdings ungeklärt, ob Telomerase und schützende Proteine auch schon gebildet werden, wenn man nur spazieren geht. "Ich halte das für möglich, wenn die Intensität der Belastung groß genug ist", sagt Werner. Denn andere Studien haben gezeigt, dass bereits eine moderate körperliche Aktivität im Alltag - etwas schneller zu Fuß gehen, Treppen steigen, im Garten arbeiten - das Risiko senkt, früh zu sterben. Allerdings gilt generell: Je höher die Bewegungsdosis, desto deutlicher sinkt das Gesamtsterberisiko. "Wir konnten auch zeigen, dass mit zunehmender Fitness mehr Telomerase gebildet wird", berichtet Christian Werner. ml