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Sport
Lacrosse: Keine Angst vor blauen Flecken!:

Im Vergleich zu den Herren müssen die Damen beim Lacrosse ohne Körperkontakt auskommen.
Im Vergleich zu den Herren müssen die Damen beim Lacrosse ohne Körperkontakt auskommen. FOTO: Roland Weihrauch / picture alliance / dpa
Trier. In Deutschland noch weitestgehend unbekannt, andernorts Nationalsport: Lacrosse verbindet Schnelligkeit und Härte. Auch in Trier wird gespielt. Christian Thome

Tatort Universitätssporthalle. Ich habe mir ein Ziel gesetzt: Meine erste eigene Lacrosse-Erfahrung zu sammeln. Zunächst sehe ich  ein kleines Tor, einige faustgroße Bälle und Schläger, an deren Ende sich ein Netz befindet. Mein erster Blick sagt mir, dass Lacrosse so hart und schnell doch gar nicht sein kann. Spätestens, als ich den Ball in der Hand halte und fühle, wie hart dieser ist, fange ich an meine Meinung zu ändern. Als ich zum ersten Mal sehe, wie Christoph Lutz, Spielertrainer der Legionäre Trier, den Ball mit Hilfe seines Schlägers aufs Tor feuert, bekomme ich Respekt vor dem, was mich bei meinem Trainingsbesuch erwarten wird. „Zieh dir lieber den Helm und Pads an, sonst kann das heute schmerzhaft werden“, ruft mir Christoph zu. Im Verlauf des Trainings werde ich verstehen, was er damit meint.

Nach einigen lockeren Pass- und Schussübungen, die mich den Grundpfeilern des Lacrosse näherbringen sollen, werde ich ins kalte Wasser geworfen: Eins gegen eins, ich laufe in der Offensive aufs Tor und muss versuchen, den Abwehrspieler auszuspielen und möglichst ein Tor zu erzielen. Ich stecke meinen ersten Hit ein – spätestens jetzt darf ich mich in der Welt des Lacrosse angekommen fühlen.

Auch wenn ich im Laufe des Trainings immer wieder auch schmerzhafte Erfahrungen machen werde, überwiegt doch der Spaß, den es mir bereitet, wenn der Ball im Tor landet. Lacrosse ist für mich eine dieser Sportarten, die einen packt und nicht wieder loslässt. Die zwei Stunden Training vergehen trotz großer Anstrengung wie im Flug.

Doch Moment – was ist eigentlich Lacrosse? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, müssen wir zu den Anfängen dieser Sportart gehen. Schon die Indianer Nordamerikas übten den Sport aus, damals noch unter den Namen Baggataway oder Tewaraathon. Vor allem die Übersetzung des zweiten Begriffs löste in meiner Recherche einen Anflug von Respekt aus: Tewaraathon bedeutet „kleiner Bruder des Krieges“. Das Spiel wurde damals nicht aus Spaß gespielt, sondern war ein Ersatz für Krieg und Streitigkeiten.

Auch wenn man heute nicht mehr von Krieg sprechen kann, ist der Sport immer noch sehr hart. Das Wichtigste beim Lacrosse ist der Schläger. An diesem ist ein Netz befestigt, mit dem der Ball getragen, gefangen oder geworfen werden kann. Ziel  ist es, durch Tragen, Pässe oder Schüsse ein Tor zu erzielen.

Der Gegner versucht dies durch Schläge auf die Hände und den Schläger sowie Körpereinsatz zu verhindern. Gespielt wird bei den Herren zehn gegen zehn auf einem Fußballfeld. Der erlaubte Körperkontakt kann mit dem beim Eishockey verglichen werden. Hieraus ergibt sich die Pflicht, Helme, Armschützer und Handschuhe zu tragen.

Die Damen spielen zwölf gegen zwölf. Hier ist kein Körperkontakt erlaubt, dementsprechend werden auch keine Schützer getragen. Lacrosse gilt als die schnellste Ballsportart auf zwei Beinen. Der Ball erreicht durch das Werfen mit dem Schläger eine Geschwindigkeit von über 130 Stundenkilometern. Benannt wurde das Spiel von einem französischen Missionar im Jahre 1643, den der Schläger an einen Bischofsstab (französisch: La Crosse) erinnerte.

In Kanada ist Lacrosse seit 1994 Nationalsport. Auch in den USA erreicht der Sport immer mehr Bekanntheit: Hier ist das ehemalige Tewaraathon der am schnellsten wachsende Sport. Seit den 90er Jahren wird Lacrosse auch in Deutschland gespielt. Momentan gibt es ungefähr 50 Herren- und 30 Damenteams, die am Ligabetrieb teilnehmen. Die ortsansässige Hochschulportgemeinschaft sind die Legionäre Trier (siehe auch Artikel unten links).

Meine erste Lacrosse-Erfahrung neigt sich dem Ende entgegen. Vom Training habe ich neben einigen blauen Flecken vor allem eines mitgenommen: Der Sport ist wirklich so schnell, wie er es verspricht. Dieser Trainingsbesuch war sicherlich nicht mein letzter Berührungspunkt mit Lacrosse. Mein Fazit lautet: Auch wenn der Sport mitunter wehtut – er macht sehr viel Spaß und lässt auch mich so schnell nicht mehr los.

Beim Lacrosse kann es schon mal hart zur Sache gehen – umso wichtiger ist der Helm.     
Beim Lacrosse kann es schon mal hart zur Sache gehen – umso wichtiger ist der Helm.      FOTO: Christoph Lutz
FOTO: Christian Thome