Lautlos durch die Lüfte

Über uns - nur der Himmel: Am Samstag ist Konz-Könen beim rheinland-pfälzischen Segelfliegertag Treffpunkt der regionalen Szene. Der TV hat sich vor Ort umgeschaut.

Trier/Konz. Segelfliegen - das ist doch ein Frühlings- und Sommersport, abhängig vom guten Wetter. Richtig? Nur so halb. Wenn man zu Jahresbeginn einen Segelfliegerverein besucht, etwa den Aero-Club Trier & Konz auf seinem Gelände in Konz-Könen, gibt es draußen nicht viel zu sehen. Genau genommen: eine Wiese, 1000 Meter lang, 100 Meter breit, nahe der Saarmündung. Geflogen wird erst wieder im März oder April.
Im Clubheim ist es kaum kuscheliger als draußen. Gearbeitet wird trotzdem fleißig, in der Halle nebenan, auch nachmittags an einem beliebigen Wochentag. "Auch im Winter ist viel zu tun", sagt Günter Hill, zweiter Vorsitzender des Aeroclubs. "Jeder im Club übernimmt Aufgaben."
Die Segelflugzeuge müssen gewartet werden. In einem anderen Raum arbeitet Walter Werner, ein Maschinenbau-Meister im Ruhestand, an der Seilwinde, die im Sommer den Segelfliegern den Start ermöglicht. In den vergangen Wochen stand viel Arbeit an, zumal sich am Samstag Fachpublikum angesagt hat: Dann richtet der Aero-Club im Bürgerhaus Könen ab 14 Uhr den rheinland-pfälzischen Segelfliegertag aus.
Seit 33 Jahren Fluglehrer


Geflogen wird dann noch nicht, die Saison geht erst später los. Aber die Vorfreude wächst so langsam, etwa bei Christian Hans, der sich um die Pressearbeit beim Club kümmert. Er kam erst vergleichsweise spät zum Fliegen, mit Mitte, Ende 40. Gut 15 Jahre ist das nun her. Nach einer schweren Knieverletzung war Schluss mit Tennis. "Ich machte einen Schnupperkurs - und blieb beim Segelfliegen." Etwa 800 Flüge hat er hinter sich.
Bei den allermeisten schaffte er es zurück auf den heimischen Flugplatz, bei einigen wenigen nicht - aber das gehört zum Segelfliegen dazu: Schließlich ist die Thermik entscheidend. Und wenn der Wind nicht mitspielt, muss man auch mal auf einer Wiese landen.
"Kein Problem, das lernt man in der Ausbildung", sagt Günter Hill. Segelfliegen lernen könne fast jeder - nur Zeit mitbringen sollte man. Hill muss es wissen. Er hat fast 5000 Starts hinter sich. Seit 36 Jahren fliegt er, er hat beim Club in Trier angefangen und ist seit 33 Jahren Fluglehrer - ehrenamtlich. Er will auch mit einem hartnäckigen Klischee aufräumen. Segelfliegen sei kein Eliten-Hobby, das viel Geld schluckt. Geflogen wird mit clubeigenen Flugzeugen, die Ausbildung kostet zwar Geld - aber die Kosten hielten sich im Rahmen.
Was fast alle Flieger auszeichnet? "Segelflieger werden fast automatisch zu Wetterspezialisten", sagt Hill. Manchmal muss etwas Glück her, um eine unplanmäßige Landung zu verhindern. "Das hatte ich noch im letzten Jahr", erinnert sich Christian Hans. "Ich war irgendwo in der Eifel unterwegs und flog schon so tief, dass ich bei einem Fußballspiel unter mir fast die Rückennummern erkennen konnte." Er suchte schon nach einem geeigneten Feld zum Landen, "aber dann kam noch ein Bart" - so nennen die Segelflieger einen Aufwindschlauch. Hans musste sich also keine Gedanken machen, wer sein Segelflugzeug und ihn in der Eifel abholen kommt. Die meist zwischen sechs und acht Meter langen Flieger lassen sich in wenigen Minuten zerlegen und im Anhänger abtransportieren.
Bei den Trierern und Konzern hat mit Robin Diesterweg (19, Konz) ein Talent fliegen gelernt, das in diesem Jahr für Deutschland bei der WM in Australien an den Start gehen will. Der Konzer startet inzwischen für den Luftsportverein Neumagen-Dhron. "Insgesamt ist das mit dem Nachwuchs aber etwas rückläufig", sagt Hans. "Segelfliegen ist auch ein sehr zeitintensiver Sport."
Seit knapp 40 Jahren hat der Aeroclub seine Heimat in Könen. 1976 wurde der Platz eröffnet. Zuvor war der Club einige Jahre auf dem Flugplatz Euren zu Hause, bevor dieser als Industriegebiet erschlossen wurde.
Der älteste Aktive beim Club aus Trier und Konz ist übrigens so alt wie der Flugsport in der Region: Clubmitglied Manfred Rebsch wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Er flog im vergangenen Jahr noch aktiv (in Begleitung).Extra

Segelfliegen: Luftfahrtpionier Otto Lilienthal war 1895 für den Segelflug wegweisend. Als später die motorisierten Flugzeuge ihren Siegeszug antraten, geriet der motorlose Gleitflug zwar vorerst in den Hintergrund. Das änderte sich aber 1919, als nach Ende des ersten Weltkriegs der Versailler Vertrag den Motorflug über Deutschland verbot. Es gibt heute verschiedene Wege, in die Luft zu gehen: Beim Windenstart wird das Segelflugzeug mit einer Seilwinde in die Luft gezogen. Das Flugzeug wird auf 90 bis 130 km/h beschleunigt. Windenstarts sind eine preisgünstige Variante. Bei einem so genannten F-Schlepp (Flugzeugschlepp) wird das Segelflugzeug von einem Motorflugzeug oder Motorsegler in die Höhe gezogen. Der Vorteil gegenüber dem Windenstart ist, dass die Schlepphöhe und der Ausklinkort frei gewählt werden können. Der Flugzeugschlepp ist aber auch entsprechend teurer. Wettbewerbe gibt es unter anderem im Streckensegelflug und im Kunstflug. red Informationen: ac-trier-konz.de