Leben, Tod und Blitztabelle

Eine Viertelstunde Wahnsinn - und dann nimmt alles seinen erwarteten Gang: Der TV hat sich den Abstiegskrimi in der Bundesliga in der Konferenzschaltung in zwei Trierer Kneipen angeschaut.

Trier. Public Viewing, das ist amerikanisch und bedeutet: öffentliche Aufbahrung eines Toten. Als deutsches Möchtegern-Englisch heißt es: sich bei Großereignissen vor den Leinwänden und Fernsehern zu versammeln, um Emotionen zu teilen und den Nachbarn zu erklären, warum Hoffenheim mal ausnahmsweise gewinnen soll oder wo die Vorzüge von Aserbaidschan liegen. Es geht nicht um Leben und Tod. Es geht um viel Wichtigeres an diesem Samstagnachmittag, so würde es wohl Liverpool-Legende Bill Shankly formulieren. Es geht um Fußball, Abstiegskampf. Alles oder nichts.
Kurz nach drei Uhr in der Sports-Bar Cheers am Theater. Langsam füllt es sich. Rechtzeitig zum Anpfiff wird der Laden komplett voll sein. Wer absteigen soll: "Wolfsburg!" Das ist der Tenor bei den meisten. Frankurt-Fans machen sich bemerkbar, andere sympathisieren mit Gladbach.
15.47 Uhr: "Elfmeter in Dortmund!", schallt es aus den Boxen. "Der ist noch nicht drin", spricht sich ein Frankfurt-Fan Mut zu, nippt am Bier - und sieht, wie ihm Frankfurt-Torhüter Fährmann mit einer klasse Parade Recht gibt. Puh! Erleichterung in Rot und Schwarz.
Die Abstiegsampel vor dem Spieltag: Für Frankfurt stehen die Zeichen auf Rot, für Gladbach auf Gelb, Relegationsplatz, und für Wolfsburg auf Grün. Magaths Team wäre gerettet.
16.13 Uhr: Jubel im Cheers - nur die Frankfurt-Fraktion bleibt still: Arangos Zauber-Freistoß bringt Mönchengladbach in Führung. Die Fohlen springen auf Platz 15!
Halbzeit. Luft holen. Den TV zieht es weiter in die Saarstraße, ins Citrus - auch hier wie in vielen anderen Kneipen mit Fußball-Live-Übertragung der Region gilt: volles Haus - und überwiegend Gladbach- und Frankfurt-Unterstützer.
16.36 Uhr: "Tor in Hoffenheim!" - Magaths Miene verfinstert sich: Der VfL Wolfsburg taumelt nach dem 0:1 dem Abstieg entgegen.
16.38 Uhr: Was ist denn jetzt los? Riesenjubel über das Frankfurter 1:0 beim Meister Dortmund. Die Ampel springt um: Gladbach gesichert, Frankfurt auf dem Relegationsplatz und Wolfsburger abgestiegen. "Jetzt abpfeifen", fordert der Tischnachbar. Prost, Blitztabelle!
16.47 Uhr: Erste schwarze Wolke über der 90-Minuten-Liebe zu Hoffenheim: Mandzukic gleicht aus. Wolfsburg ist wieder im Geschäft.
16.59 Uhr: Jetzt geht es ruckzuck - alles auf Anfang: Frankfurt kassiert in Dortmund das 1:1. Auch Hamburg gleicht gegen Gladbach aus. Damit ist alles wieder wie vor dem Spieltag.
17 Uhr: Nur ein paar Sekunden später: Die Frankfurter Hoffnung erhält einen kräftigen Tritt gegen das Schienbein. Wolfsburg geht in Sinsheim-Hoffenheim mit 2:1 in Führung.
17.03 Uhr: Kein Heimsieg gegen Frankfurt? Das wäre Dortmunds Meistertrainer Jürgen Klopp massiv aufs Feiergemüt geschlagen. Lewandowski will aber richtig mit den BVB-Fans feiern - er macht das 2:1. Da darf Dede sogar zum Abschied später sogar noch einen weiteren Foulelfmeter verschießen.
17.05 Uhr: Vor wenigen Minuten drohte Magath noch der erste Abstieg seiner Trainerlaufbahn. Nun senkt Grafite endgültig den Ruhepuls: Sein 3:1 macht den Klassenerhalt der Wölfe praktisch perfekt.
17.22 Uhr: Der Schlusspunkt: Barrios macht das 3:1 gegen Frankfurt, die zudem noch die letzten Minuten in Unterzahl spielen mussten. Er schnappt sich die Eckfahne und macht auf Rockgitarrist.
17.22 Uhr: Besiegelt: Eintracht Frankfurt, der Hinrunde-Siebte, muss wie schon im Jahr 2004 in die zweite Liga absteigen. Mönchengladbach darf nach dem großen Schlussspurt hoffen. Die Fohlen werden leicht favorisiert in die Relegationsspiele gegen den Dritten der zweiten Liga, Bochum, gehen.