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Legendäre Spiele und Löcher im Schienbein

Betzenberg-Legende Hans-Peter Briegel. Foto: Udo Grimberg
Betzenberg-Legende Hans-Peter Briegel. Foto: Udo Grimberg
Trier. Er ist eine Pfälzer Ikone: Hans-Peter Briegel (57) erinnert sich im Gespräch mit TV-Redakteur Andreas Feichtner an große Spiele mit dem 1. FC Kaiserslautern und der Nationalmannschaft, an die Löcher im Schienbein, die Popularität in Albanien - und sein Jahr bei Eintracht Trier.

Trier. Herr Briegel, erinnern Sie sich eigentlich noch an Ihr erstes Bundesliga-Spiel für den FCK?
Briegel: Mein erstes Spiel? Ja, das war bei Bayern München. Da wurde ich in der zweiten Halbzeit als Stürmer eingewechselt, beim Stand von 3:1 für die Bayern. Am Ende gewannen wir noch 4:3. Dank Klaus Toppmöller, der drei Tore gemacht hat. Vor mir haben dann alle Angst gehabt (lacht).
Auch heute spielt der FCK bei Bayern München, im DFB-Pokal und sicher unter anderen Voraussetzungen als damals. Trotzdem: Ist eine Überraschung drin?
Briegel: Die Bayern werden rotieren. Die sind dann zwar nicht eingespielt, aber von der Qualität gehört auch die "zweite" Wahl noch zur Bundesliga-Spitze. Es kommt darauf an, wie sie harmonieren. Eine kleine Hoffnung habe ich. Ich denke auch, dass der FCK in dieser Saison aufsteigen wird.
Wissen Sie noch, wo Ihr Spitzname "Walz aus der Pfalz" herkommt?
Briegel: Ursprünglich bezog sich der Name nicht auf mich, sondern auf Helmut Kohl - das war wohl schon in den 60ern. Ich habe den Namen dann irgendwann verpasst bekommen.

Sie galten als hart im Nehmen. Es ist überliefert, dass Sie alle Spiele ohne Schienbeinschoner gespielt haben sollen.
Briegel: Das stimmt. 1988 wurde das Tragen von Schienbeinschonern Pflicht - da habe ich aufgehört.

Das war doch mal ein guter Grund.
Briegel: Natürlich nicht, das war Zufall (lacht). Aber ich habe mich ohne die Schoner freier gefühlt. Die ganzen Wunden und kleinen Löcher am Schienbein sieht man heute noch.

Eine Saison lang waren Sie Sport-Direktor bei Eintracht Trier, 1998/99. Was blieb aus dem Jahr hängen?
Briegel: Wir sind damals leider in den Aufstiegsspielen zur zweiten Liga gescheitert. Ich erinnere mich noch, dass ich das Trierer Publikum recht speziell fand. Wenn es gut lief, war alles super. Aber wenn es mal nicht so lief … - es war auf jeden Fall ein kritisches Publikum.
Sie wurden 1980 Europameister, danach zwei Mal Vizeweltmeister, 1985 italienischer Meister mit Hellas Verona. Gibt es da ein Spiel, das Ihnen stärker in Erinnerung geblieben ist als alle anderen?
Briegel: Es gab einige denkwürdige Spiele. Aber das größte war das Uefa-Cup-Viertelfinale mit dem FCK gegen Real Madrid im März 1982. Der 5:0-Sieg nach dem 1:3 im Hinspiel - das war der Wahnsinn, wie die Zuschauer mitgegangen sind. Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals eine bessere Stimmung auf dem Betzenberg gewesen wäre als bei diesem Spiel.
Was machen Sie eigentlich heute?
Briegel: Ich bin Repräsentant bei Lotto Rheinland-Pfalz und schreibe dort Kolumnen oder halte Vorträge.
Wie viele albanische Kinder tragen den Vornamen Hans-Peter - Ihnen zu Ehren?
Briegel: Es gibt wohl tatsächlich einige albanische Jungs, die nach mir benannt wurden - die heißen mit Vornamen aber nicht Hans-Peter, sondern Briegel. Das ist in Albanien möglich. Das kam auch nicht aus meiner Zeit als albanischer Nationaltrainer, sondern von früheren Spielen mit der deutschen Nationalmannschaft. Wir waren dort sehr populär.
Würde Sie ein Trainerangebot im Ausland noch mal reizen?
Briegel: Wenn man länger schon draußen ist, ist das nicht mehr so einfach. Es gibt zwar immer mal Angebote. Aber das muss man sich schon sehr genau überlegen. Ich denke eher nicht, dass das für mich noch mal ein Thema sein wird.
Extra

Hans-Peter Briegel wurde am 11. Oktober 1955 in Kaiserslautern geboren. Er machte 247 Bundesliga-Spiele für den 1. FC Kaiserslautern (48 Tore). Anfangs wurde der frühere deutsche Jugendmeister im Weitsprung und Dreisprung überwiegend offensiv eingesetzt, dann als Linksverteidiger und später zumeist in der Innenverteidigung. Zwischen 1979 bis 1986 machte Briegel insgesamt 72 Länderspiele (4 Tore) für die deutsche Nationalmannschaft, mit der er Europameister 1980 und zwei Mal Vize-Weltmeister wurde (1982 und 1986). Briegel wechselte 1984 nach Italien und wurde dort mit Hellas Verona sogleich Meister - zudem wurde er 1985 Deutschlands Fußballer des Jahres. Beim FCK war er zwischenzeitlich Sportlicher Leiter (96/97) und Aufsichtsratsmitglied (2002/03). Die Liebe zum Club kühlte zwischenzeitlich ab, nachdem der FCK zivilrechtlich (und letztlich erfolglos) gegen ihn vorgehen wollte. Als Trainer arbeitete Briegel unter anderem in der zweiten Liga bei Wattenscheid (94/95), später in der Türkei bei Besiktas Istanbul und Trabzonspor sowie als Nationaltrainer in Albanien (2002 - 06) sowie in Bahrain (2007). AF