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"Lieber Regionalliga als Bayern-Fan": Jens Kirschneck vom 11Freunde-Fußball-Magazin im Volksfreund-Interview

"Lieber Regionalliga als Bayern-Fan": Jens Kirschneck vom 11Freunde-Fußball-Magazin im Volksfreund-Interview

Mit erstklassigem Humor über nicht nur erstklassige Clubs und Spieler hat sich 11Freunde als eines der beliebtesten Fußballmagazine Deutschlands etabliert. Die Redakteure Jens Kirschneck und Philipp Köster gastieren am Samstag, 24. September, ab 19.30 Uhr auf ihrer Lesereise im Mergener Hof in Trier. Kirschneck spricht vorab im TV-Interview mit Redaktionsmitglied Nicolaj Meyer über Stadionwurst und Regionalliga-Passion.

 Nur ein kulinarischer Fußball-Mythos? Die beste Stadionwurst gibt es laut Jens Kirschneck in Westfalen.
Nur ein kulinarischer Fußball-Mythos? Die beste Stadionwurst gibt es laut Jens Kirschneck in Westfalen. Foto: CMA (CMA)

Was erwartet die Besucher am Samstag bei Ihrem Gastspiel im Mergener Hof in Trier? Ist das eine klassische Lesung?
Jens Kirschneck: Wir waren schon mal in Trier vor ein paar Jahren. Das wird wieder unser gut abgehangener Programmmix sein. Das ist immer so eine Mischung aus den lustigsten Hefttexten, Filmchen, wie die vergurktesten Torchancen, die schlimmsten Schwalben als Fundstücke aus dem Internet und Talk auf der Bühne mit Erlebnissen, die mein Kollege Köster und ich so erzählen von unseren Reisen in der großen Fußballwelt.

Da ist also viel Spaß garantiert?
Kirschneck: Genau, das ist eine unterhaltende Multimedia-Show, bei der der Schwerpunkt auf Fußball und Humor liegt.
Humor ist ein gutes Stichwort: Viele Menschen verfolgen Ihren 11Freunde-Liveticker im Internet, und viele Fragen sich, wie Sie es schaffen, immer so lustig zu sein.

Wie läuft das bei Ihnen ab?
Kirschneck: Es gibt keine Konferenzen vorab. Das macht meistens ein Duo, bei dem sich zwei Kollegen abwechseln, weil es auch anstrengend ist, nacheinander die Gags rauszufeuern. Das ist eine Mischung aus Spontanität und guter Vorbereitung, was bei dem Spiel so infrage kommen könnte.

Welche Assoziationen haben Sie zu Trier?
Kirschneck: Die Stadt selbst strahlt etwas Ehrfurcht einflößendes aus in ihrer klassischen alten Schönheit.
In Bezug auf Fußball verbinde ich mit Trier den Pokalschreck Eintracht Trier: Auch tatsächlich eine Mannschaft, die meinem Club Arminia Bielefeld in der 2. Bundesliga ein paar Mal ziemlich wehgetan hat - als sympathischer Underdog auf jeden Fall immer wahrgenommen.

Der regionale Fußballclub Eintracht Trier steckt derzeit im Tabellenkeller auf Rang 19. Haben Sie einen Tipp für leidende Regionalliga-Fans, warum es sich auch bei miesem Wetter lohnt, mit 800 Zuschauern ins Stadion zu gehen und dort alles zu geben?
Kirschneck: Der Tipp ist der, den ich jahrelang als Arminia Bielefeld-Fan selbst beherzigt habe: Also Selbstironie, Galgenhumor. Ich habe als Arminia-Fan die Ligen nach unten oder oben entlassen. Da tritt so ein Gewöhnungseffekt ein, trotzdem tut‘s immer weh.
Ich würde so ein Leben immer vorziehen gegenüber einem Leben als Bayern München-Fan, bei dem das Schlimmste, was einem passieren kann, ist, dass man in der Tabelle Zweiter wird.

Sie haben schon einiges vom Fußballuniversum gesehen. Theo Zwanziger sagte mal: "Die Stadion wurst ist nach wie vor das wichtigste Lebensmittel im Fußball." Wo haben Sie denn bislang die beste Stadionwurst gegessen?
Kirschneck: Stadionwurst, da ist man relativ auf den deutschen Raum beschränkt. Selbst bei Real Madrid bringen die Leute ihr eigenes Baguette mit, oder sie knabbern ihre Pinienkerne.
Schwierige Frage, ich finde die Westfälische Bratwurst schon sehr gut, so Bielefeld, Osnabrück, auch Richtung Ruhrgebiet, das ist schon in Ordnung. Ich kann mich vor vielen Jahren mal an eine sehr schlechte Stadionwurst am Mönchengladbacher Bökelberg erinnern, danach ging‘s mir nicht so gut.

Woher stammt die ursprüngliche Begeisterung für Fußball bei Ihnen?
Kirschneck: Man wird da so rein geboren, bei mir ist das lustigerweise mütterlicherseits. Mein Vater hat mit Fußball gar nichts am Hut, aber meine Mutter kommt aus einer Fußballerfamilie und hat sich schon, als ich klein war in den 70ern, so für Borussia Mönchengladbach und Günther Netzer und seine langen Haare begeistert.
Ich bin dann in einem Moment geistiger Verwirrung aus Oppositionshaltung zunächst Bayern München-Fan geworden, damals gab‘s halt nur Bayern und Gladbach. Mit zehn Jahren etwa war ich bei meiner Tante zu Besuch, wir haben die Bielefelder Alm besucht, und dann war es um mich geschehen. Ich stand an einem warmen Sommerabend im leeren Stadion und dachte so: super! Da hatte das Schicksal brutal zugeschlagen.

Bei einer Lesereise verbringt man sicher viel Zeit auf der Straße. Gibt es da besondere Anekdoten?
Kirschneck: Früher sind wir immer mit einem Sprinter rumgefahren mit einem Mann von der Agentur, der uns durch die Gegend gefahren hat. Dann sind wir dazu übergegangen, mit dem Zug zu fahren. Es war schon oft eine hakelige Geschichte, sich auf die Deutsche Bahn zu verlassen. Wir sind aber brave Familienväter und nicht so die Sex, Drugs and Rock‘n' Roll-Fraktion, die Fernseher aus dem Hotelzimmerfenster wirft - solide Gesellen.

Wann wird eigentlich die Bundesliga noch mal spannend? Ist es diese Saison so weit, dass der BVB dem FC Bayern ernsthafte Konkurrenz macht?
Kirschneck: Wenn man sich die letzten Spiele des BVB anschaut, denkt man, vielleicht wird's ja doch eine spannende Saison. Schlussendlich hatte ich tatsächlich den Glauben daran aufgegeben, und an den Leistungen des BVB muss man sich jetzt so ein bisschen festhalten. Ich habe tatsächlich jetzt einen Text im Programm, der auch am Samstag zur Aufführung kommt, namens "Die Bundesliga des Grauens". Der handelt davon, dass das alles immer noch schlimmer wird. Dass die Bundesliga immer weniger spannend wird, und dass immer mehr Vereine in die Bundesliga kommen, für die sich kein Schwein interessiert, und was das alles mit uns macht.
Ich lasse mich natürlich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber aufgrund der immer weiter auseinanderklaffenden wirtschaftlichen Schere sieht es mittelfristig so aus, als müsste man die Spannung aus dem Abstiegskampf ziehen.

In der Regel bietet der TV bei Interviews an, diese durch die Interviewpartner autorisieren zu lassen.
Kirschneck: Das ist nicht nötig. Bei 11Freunde ärgern wir uns selber oft genug über Spieler, die ihre Aussagen im Nachhinein ändern. mey