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Mehr als 4000 Kilometer Training

Mehr als 4000 Kilometer Training

Am liebsten hat Niklas Butzen zwei lange Bretter unter den Füßen und gleitet über glitzernden Pulverschnee. Der 16-Jährige aus Mehren bei Daun ist Skilangläufer aus Leidenschaft.

Mehren. "Skilanglauf macht mir einfach total Spaß. Es ist die hohe Geschwindigkeit, die man erreichen kann", erklärt er die Faszination. Aber das Tempo allein sei es nicht. Denn an Motorsport findet Niklas Butzen beispielsweise nichts. "Mir macht es Spaß, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, welche Geschwindigkeit ich erreiche", sagt er.
Verantwortung, das heißt für den Gymnasiasten vor allem Verantwortung für sein Training. Auch wenn es kinderleicht aussieht, wenn Niklas Butzen im Skating-Schritt über die Loipe gleitet. Doch dahinter steckt viel Arbeit. Weit mehr als 4000 Kilometer wird Butzen am Saisonende aus eigener Kraft zurückgelegt haben. Bis zu neun Einheiten pro Woche stehen auf Niklas Butzens Trainingsprogramm. Die reine Belastungsdauer beträgt dabei mindestens 60 Minuten. Dass so locker mehr als zehn Stunden wöchentliches Training zusammenkommen, ist eine einfache Rechnung. Nicht mitgezählt sind dabei An- und Abfahrt zum Skilanglauf-Zentrum seines Vereins ELV Ernstberg, Umziehen und Duschen.
Die meisten Kilometer legt Niklas Butzen im Sommer zurück. Dann wird auf Rollerski, auf dem Fahrrad und laufend die Ausdauergrundlage für den Winter gelegt. Deshalb sieht der Schüler des Dauner Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) es auch nicht als Nachteil, dass er gegenüber einigen nationalen Konkurrenten weniger auf Schnee trainieren kann. "Die Kondition holt man sich im Sommer, und die Technik kann man ja", sagt er. Es sei aber so, dass seine Altersklassenkonkurrenten aus schneesicheren Gebieten gewisse Vorteile wie ein besseres Gefühl für den Schnee hätten. Und vor allem: "Das Training auf Schnee macht viel mehr Spaß", sagt Butzen.
Obwohl er auch in diesem Winter einige Male auf Rollerski ausweichen musste, gehört Niklas Butzen zur erweiterten nationalen Spitze des Jahrgangs 1996. Beim ersten Teil der Deutschen Meisterschaften an Fastnacht schaffte er es im Skiathlon über 15 Kilometer (jeweils die Hälfte wird in klassischer Parallelschritt- und freier Technik durchgeführt) auf den achten Platz seines Jahrgangs.
Ähnliche Resultate erhofft er sich am kommenden Wochenende beim Deutschlandcup im thüringischen Oberhof und drei Wochen später bei der DM im bayerischen Finsterau. "Niklas hat wieder einen Schritt nach vorne gemacht", sagt Thomas Kloth. Der Landestrainer lobt den Fleiß und das Engagements des Mehreners. Denn neben seinem eigenen zeitaufwendigen Training bringt Butzen in der Ski-AG des GSG den jüngeren Schülern das Einmaleins des Skilanglaufs bei.
Diese und auch die nächste Saison will Niklas Butzen noch mit dem bisherigen hohen Aufwand Skilanglauf betreiben. "Wie es danach weitergeht, weiß ich noch nicht. Denn die Schule geht vor", sagt der Zehntklässler. Statt ein- werde er ab nächstem Schuljahr dreimal pro Woche erst am späten Nachmittag nach Hause kommen. Das würde noch mehr Skilanglauf-Runden mit Stirnlampe über den nächtlichen Ernstberg bedeuten.