Mehr als nur Muskelspiele

Beim Natural Bodybuilding geht es um Proportionen, gesunde Ernährung und auch um ein sauberes Image: Anabolika sind verpönt. Zwei Trierer bereiten sich derzeit intensiv auf die Deutsche Meisterschaft in Brunsbüttel vor.

Trier. In der Alltagskleidung fällt Stefan Rajewski kaum auf. Kurzgeschorene blonde Haare, randlose Brille, ein Piercing an der Augenbraue ist vielleicht das exotischste. Dass hier ein Teilnehmer an den Deutschen Meisterschaften im Bodybuilding gegenüber sitzt, würde man kaum vermuten. Keine mobile Schrankwand. Erst recht keine wandelnde Apotheke. Rajewski (24) und sein Trie rer Trainingspartner Mario Emanuel (27) setzen auf "Natural Bodybuilding". Das ist eine Bewegung, die sich bewusst von allen Klischees des (Profi-)Bodybuildings abgrenzt. Vom schlechten Image der Steroid-Bomber, die zwar alles schlucken, was chinesische Hobby-Chemiker auf die Reise schicken. Aber die geistig eher die kleine Hantel stemmen.

Von derlei "Freakshow" distanzieren sich die Trierer deutlich. "Das Image des Bodybuildings hat in den 80ern und 90ern durch Doping-Missbrauch massiv gelitten", sagt Trainer Georg Schenk. "Und diejenigen, die exzessiv dopen, werden auch nicht alt."

Oder, wie Wikipedia schreibt: "Im professionellen Bodybuilding liegt die Dopingrate nach Schätzungen bei 100 Prozent." Ohne Steroide sei das dort gezeigte (Muskel-)Niveau überhaupt nicht zu erreichen.

Das ist ein Grund für die Gegenbewegung. Beim Natural Bodybuilding gibt es ein kategorisches Doping-Verbot, das bei Wettkämpfen auch entsprechend überprüft werde. "Es gibt einen Lügendetektor-Test sowie Dopingtests nach dem Standard des Internationalen Olympischen Komitees", sagt Rajewski. Bodybuilding - das ist für ihn ein Überbegriff für gesunde Ernährung, Körperbewusstsein, Ästhetik, Disziplin.

Und mehr als das. "Es ist eine nahezu unendliche Reise, deinen Körper und Geist positiv zu verändern", findet der 24-Jährige: "Es verlangt dir viel ab, gibt dir aber umso mehr zurück - und nicht nur Muskeln im Spiegel."

Wenn Kollegen über den Diätplan lästern



Für die "Reise" nimmt er einiges in Kauf. Der Trierer bereitet sich seit Juni gemeinsam mit Trainingspartner Emanuel intensiv auf die DM im Natural Bodybuilding im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel am 16. Oktober vor. Dazu gehört: rund um die Uhr die Ernährung im Blick behalten, mit genauem Plan und 19 Wochen lang strenger "Wettkampf-Diät", ein dankbares Ziel für milden Spott der Arbeitskollegen. Dazu kommt vier Mal die Woche Training. An den Geräten, aber auch vor dem Spiegel. Denn die richtigen Posen muss man sich ebenfalls draufpacken. "Es gibt eine Kür, die mit Musik unterlegt ist. Daran arbeiten wir noch", sagen die DM-Teilnehmer. Rajewski und Emanuel starten in der Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm. Dann werden die beiden Trierer zu Konkurrenten. Beide hoffen auf eine Top-5-Platzierung.

Wertungskriterien sind unter anderem die Muskelmasse, die Proportionen und die Symmetrie der Muskulatur sowie die Muskelhärte. Körperfett werden beide Teilnehmer nur minimal mit nach Brunsbüttel nehmen. Bei Emanuel liegt der Körperfett-Anteil bei vier Prozent (bei 1,67 Meter Größe und 62 Kilo Wettkampfgewicht). Bei Rajewski sind es rund sechs Prozent (1,73 Meter, 74 Kilo). Und was kommt nach der Meisterschaft? Dann darf's ein bisschen deftiger sein. "Da freue ich mich nach einer hoffentlich erfolgreichen Teilnahme erst einmal auf eine saftige Thunfischpizza", sagt Rajewski.