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Mit 33 Sachen den Brenner hinauf

Mit 33 Sachen den Brenner hinauf

Radsportler aus Kreis Bernkastel-Wittlich in Alpen aktiv - 238 Kilometer und 5500 Höhenmeter absolviert.

Sölden Einmal ein bisschen wie ein Tour-de-France-Fahrer fühlen, dieser Wunsch treibt seit 1982 alljährlich rund 4000 Hobby-Radsportler ins Ötztal in Tirol. Auf der 238 Kilometer langen Strecke über vier Alpenpässe (insgesamt mehr als 5500 Höhenmeter) werden Helden geboren und spielen sich Tragödien ab.
Sein Ötztal-Radmarathon-Drama hat Gavin Pfeiffer hinter sich. "2013 war das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Auf der Abfahrt vom Kühtai waren es nur noch ganze drei Grad und es regnete. Ich war mehr tot als lebendig", erzählt der 40-Jährige von seinem Debüt bei dem unter Amateur-Radsportlern legendären Rennen. Das Problem damals: Das schlechte Wetter und eine weniger intensive Vorbereitung. Vor vier Jahren wollte Gavin Pfeiffer mit seinem Bruder Marco eigentlich nur bis zum Brennerpass hinauf fahren. Die Geschwister rasten entsprechend mit einem Schnitt von über 30 km/h die Steigung hinauf, fuhren anders als geplant aber weiter - und bezahlten dafür mit einer leidensreichen zweiten Rennhälfte.
Für seinen zweiten Ötztal-Start hatte sich Gavin Pfeiffer eine vorsichtigere Herangehensweise vorgenommen. "Durch den relativ flachen Anstieg gilt hier aber die Regel: Verliere niemals den Windschatten", erklärt Pfeiffer zu seiner Taktik.
Doch die Gruppe der rund 50 Radfahrer, in der sich der Familienvater aus Breit am Fuße des 34 Kilometer langen Anstiegs wiederfand, veranstaltete eine Art Ausscheidungsfahren. Pfeiffer fuhr den Brenner mit einem Schnitt von über 33 km/h hinauf - und das ohne Elektromotor wohlgemerkt. Das wiederum war die zwanzigbeste Zeit unter allen 4000 Teilnehmern.
Über den Jaufenpass (2090 Meter) kam er noch gut hinüber, aber der 28 Kilometer lange Anstieg zum Timmelsjoch (2509 Meter) brach ihm wie vor vier Jahren fast wieder das Genick.
"Mit Radfahren hatte das nicht mehr viel zu tun. Man versucht nur noch auf dem Rad zu bleiben", erzählt er angesichts der extremen Bedingungen. Doch nach den Qualen wartete im Ziel in Sölden die Belohnung. "Es ist das unbeschreibliche Gefühl, unter dem tosenden Applaus über die Ziellinie zu rollen und der Reiz, etwas zu schaffen, was fast unmöglich erscheint", sagt Pfeiffer zur Motivation, ein solch anstrengendes und forderndes Rennen wie den Ötztal-Radmarathon in Angriff zu nehmen.
Starter Kreis Bernkastel-Wittlich: 506. Gavin Pfeiffer (Breit/RC Pfälzerwald) 8:44:18, 1532. Frank Trossen (Team bikes&more Traben-Trarbach) 9:55:38, 3030. Achim Lang (Traben-Trarbach) 11:40:20, 3139. Detlef Keller (Ausdauerteam.de Morbach) 11:46:46, 3406. Sascha Bohn (Mülheim) 12:09:14.