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Mit dem Rennrollstuhl zur WM?

Julia Würthen in Aktion. Foto: privat
Julia Würthen in Aktion. Foto: privat FOTO: Holger Teusch (teu) ("TV-Upload Teusch"
Arbon/Biersdorf am See. Julia Würthen hat die Norm für die Junioren-Weltmeisterschaft gepackt.

Arbon/Biersdorf am See (teu) Papa Thomas Würthen fiebert schon mit: "Wir warten gespannt jeden Tag auf einen Brief vom Deutschen Behinderten-Sportverband", erzählt er. Der Briefträger kann die ersehnte Nachricht jederzeit ins heimische Biersdorf am Bitburger Stausee bringen. Denn ihre Pflichtaufgabe hat Tochter Julia erfüllt. Bei den Rennrollstuhltagen "Weltklasse am See" in Arbon in der Schweiz hat die 14-Jährige erstmals die 20-Sekunden-Schallmauer über 100 Meter geknackt und damit die Norm für die Junioren-Weltmeisterschaften im August erfüllt. "Durch das Erreichen der Norm ist man nicht automatisch nominiert", klärt Thomas Würthen auf. Aber mit 19,74 Sekunden hat sich Julia sogar bei den Unter-20-Jährigen (Norm: 20,24) in der Klasse T53 klar erfüllt. Die Zeit bedeutet ebenso wie Julia Würthens 400-Meter-Resultat von 1:21,99 Minuten neuen deutschen Rekord. Die 100-Meter-Bestzeit lag seit sechs Jahren bei 19,79 Sekunden (aufgestellt von der Wattenscheiderin Margarita Fischer). Auf der Stadionrunde pulverisierte die Rennrollstuhlfahrerin aus der Eifel ihre eigene nationale Bestzeit (1:24,07) regelrecht. Über 200 Meter fuhr Julia auf der extrem harten und deshalb schnellen Mondobahn in Arbon in 37,68 Sekunden bis auf 25 Hundertstelsekunden an Fischers nationalen Rekord heran.
Die Steigerungen der Schülerin kommen natürlich nicht aus dem Nichts. "Im Winter sind wir jeden Samstag, egal ob Eis oder Schnee, nach Saarbrücken zum Olympiastützpunkt in die Hermann-Neuberger-Sportschule gefahren", erzählt Thomas Würthen. Das Training in der Leichtathletikhalle war bereits auf die geforderten Junioren-WM-Normen und die Sprintstrecken ausgelegt. Zusätzlich trainierte Julia zu Hause nahezu täglich Kraft mit Gewichten und Gymnastikbändern und fuhr mit ihrem Rennrollstuhl auf einer speziellen Rolle, ähnlich wie man sie von Radfahrern kennt.