1. Sport
  2. Sportmix
  3. Regional

Mosella, Mosella, gib noch einen aus!

Mosella, Mosella, gib noch einen aus!

Gleich hinter der Staustufe fängt der Urlaub an: TV-Reporter An dreas Feichtner hat sich im Rahmen der Serie "Sport im Sommer" Wasserskier unter die Füße geschnallt - und der Mosel dabei ganz neue Seiten abgewonnen.

Trier. Arme lang! Klein machen! Der Kopf kennt die Befehle genau. Lang, klein, dann aufstehen, im richtigen Moment. Ein Kinderspiel. Noch hänge ich halb in der glitzernden Mosel, blaue Skier an den Füßen, Schwimmweste um die Brust, Dreieck in den Händen. Alles ungewohnt. Fast mein ganzes Leben lang wohnte ich nie weiter als vielleicht zehn Gehminuten von der Mosel entfernt. Aber im Wasser? War ich noch nie. Fühlt sich gar nicht so schlecht an, irgendwie entspannt …Sattes Brummen von vorn. Paul II macht Schluss mit dem lockeren Abhängen im Fluss. Paul, so heißt das Boot der Wasserski-Abteilung des PST Trier. 330 PS zerren an meinen Armen. Lang lassen, Junge. Das Boot ist eh stärker. Ich lasse mich ziehen, vielleicht 100 Meter. Arme locker, klein machen. Dann aufstehen, irgendwann. Wann ist noch mal irgendwann? Jetzt?Sport im Sommer Die Reportage

Wuuuusch. Ich hebe ab, mache einen gefühlten dreifachen Looping, klatsche in die Mosel, ein Meter runter, mindestens. Mund zu! Hat mir keiner gesagt, aber das hätte ich mir denken können. Für den Lerneffekt gibt\'s einen tiefen, tiefen Schluck feinstes Moselsteiner. Drei Mal Husten, Röcheln, Skier und Gedanken sammeln. "War gar nicht so schlecht für den Anfang", ruft Rüdiger Lehnert rüber, mein Chauffeur an diesem Sommerabend hinter Paul. "Du musst nur im richtigen Moment aufstehen." Ich versuche, Ironie zu entdecken, aber erkenne keine. Umso besser. Mich ziehe es zu sehr Richtung Bootswellen, sagt Lehnert. Wellen - die sind beim Wakeboarding erwünscht, wie der Name schon vermuten lässt. Beim schnelleren Wasserski-Fahren sind sie aber im Weg. Am Steg am gelben PST-Stahlschiff - in Höhe des Estrichers Hofs zwischen Trier und Konz - lässt sich beides machen. Aber die Wasserski- und Wakeboard-Abteilung des größten Vereins der Region ist mit zwölf, 13 Aktiven bedenklich klein geworden ist. Es mag darin liegen, dass der Wassersport nicht ganz billig ist. Rüdiger Lehnert ist seit sechs Jahren dabei. Er zieht die Wasserskier dem Wakeboard vor. Aber er kann auch verstehen, dass es die meisten Jüngeren eher aufs Brett zieht. Neuer Versuch. Soll ja keiner sagen, dass mir der Wasserski-Abteilungsleiter nicht gesagt hätte, wie es funktioniert. Auch Anja Bartholomé hat mir schon auf dem Steg ausführlich im Trockenen erklärt, was bei den ersten zarten Versuchen auf Wasserskiern wichtig ist. Aber was der Kopf diktiert, muss der Körper ja nicht sofort umsetzen. So lässt sich die eigene Unfähigkeit immer gut als zarte Rebellion verkaufen. Aber der Bewegungsapparat ist ja lernfähig heute, willig. "Noch mal", rufe ich. Der Ehrgeiz hat mich gepackt. Wasser ist nicht wirklich mein Element, Skifahren keine Kernkompetenz. Man könnte anderswo auch mit den blanken Füßen fahren, wie die mehrfache Weltmeisterin im Barfuß-Wasserski, Steffi Kirsch (Schleich). Aber da hätte Paul mich wohl nach spätestens drei Metern abgehängt.Das hier scheint machbar zu sein: nach kurzer Zeit auf dem Wasser zu stehen und sich über die Mosel tragen lassen. Vier Versuche später kann ich zwar immer noch nicht auf dem Wasser gehen, geschweige denn fahren. Aber Spaß macht es schon. Das liegt sicher auch am Ambiente. Mediterranes Flair kann die Mosel den Kindern des Pacelliufers eher nicht bieten. Aber hier, kurz vor Konz, kann man sich auf dem Bootssteg fast im Urlaub wähnen. Und für Anja Bartholomé hat das Moselwasser ohnehin ein viel zu schlechtes Image. "Die Wasserqualität ist besser als in manchem Badesee in der Umgebung", sagt sie. Sie kündigt mir schon genau an, was mich am nächsten Tag erwarten wird - schlimmer Muskelkater. Damit hat sie recht behalten: Oberarme, Schulter, Oberschenkel - da zwickt\'s einen Tag lang. Aber, das war\'s mir wert, Mosella, absolut! Wasserski: Der Sport hat auf der Mosel eine lange Tradition. Paul Lieser hatte die Sportart seit den 60ern in Trier etabliert. In den 70ern galt Trier als Wasserski-Hochburg in Deutschland, PST-Sportler gewannen unzählige Titel auf Bundesebene und in Europa. Seit einigen Jahren steht auch Wakeboarding auf dem Programm. Wasserski und Wakeboarden wird an verschiedenen Orten an der Mosel angeboten. Eine Anfänger-Schnupper-Runde ist beim PST für 15 Euro zu haben. Im allgemeinen wird nach (Boots-)Minuten abgerechnet. Die klassischen Wasserski-Disziplinen sind Slalom, Trickski und Springen. Das Slalomfeld an der PST-Strecke oberhalb der Staustufe Trier misst 260 Meter. Beim Wasserski werden Geschwindigkeiten von bis zu 100 Stundenkilometer möglich (bei einer Querbeschleunigung). Wakeboarden: Die Sportart findet immer mehr Fans - vor allem die Jüngeren zieht es eher aufs Snowboard-ähnliche Wakeboard als zum klassischen Wasserski. Die Sportler lassen sich quer durchs Wasser ziehen - meterhohe Sprünge und jede Menge Tricks lassen sich aufs Wasser zaubern. Info: wasserski-trier.de AF