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Motorradsport: Warum Eifeler Talent am Nürburgring nur zusieht

Motorradsport: Warum Eifeler Talent am Nürburgring nur zusieht

Heimspiel ohne Gastgeber: Wenn am Wochenende die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) ihr zweites Saisonrennen auf dem Nürburgring austrägt, wird Jens Lehnertz nur als Zuschauer dabei sein. Warum das so ist, hat er dem TV erzählt.

Geichlingen. 2013 mit 24 Jahren internationaler Deutscher Meister. Gefeiert als Ausnahmetalent im Seitenwagensport. Erstes Gastspiel in der Seitenwagen-WM. Mit 25 aber dreht sich plötzlich die Lehnertz'sche Welt: zwei schwere Unfälle, Verletzungen. Ergebnisse, die auf einmal nicht mehr passen. Jens Lehnertz (TV-Foto: Jürgen C. Braun) fährt hinterher. Mit 26 Frust, Zweifel an sich selbst und an allen anderen. Und schließlich die Erkenntnis: So kann es nicht mehr weitergehen. Der Motorradsportler Jens Lehnertz nimmt sich eine Auszeit. Oder vielleicht auch mehr. Ob der Aufstieg in die Schlagzeilen des nationalen und internationalen Motorradsports für den Mann aus Geichlingen (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zu schnell kam? Vieles ist nicht so gelaufen, wie er sich das vorgestellt hatte. Die Realität hatte den jungen Himmelsstürmer und seinen kaum älteren Piloten André Kretzer schneller eingeholt, als dies jemand ahnen konnte. Das Gespann Kretzer/Lehnertz spielte auf einmal nicht mehr die unumstritten erste Geige in der IDM. Von Top-Ergebnissen bei WM-Gastspielen erst gar nicht zu reden. Technische Probleme, fehlendes Renn-Fortune, Spannungen im Team. Das Bild vom draufgängerischen und erfolgreichen jungen Wilden, vom umschwärmten, gut aussehenden "James Dean aus Geichlingen" passte auf einmal nicht mehr. Und dann stand das Schicksal plötzlich auf der Pole-Position. Die IDM wurde 2014 auf dem Sachsenring von einem tragischen Unfall erschüttert, bei dem Lehnertz‘ Kollege Enrico Becker sein Leben verlor. Es war wie der Auftakt zu einer Seuche. Das Lehnertz-Gespann verunglückte auf dem Hungaroring schwer, drei Wochen später folgte in Schleiz der nächste Crash: "Meine Familie machte sich große Sorgen. Auch vor dem Hintergrund des tödlichen Unfalls. Sie hatten einfach Angst um mich zu Hause. Man nahm die Dinge plötzlich anders wahr. Vorher war alles so leicht, so selbstverständlich gewesen."
Bei Lehnertz hatten sich zudem sportliche Zweifel eingeschlichen. Von den Ängsten und Sorgen seiner Angehörigen und Freunde ganz abgesehen. "Ende 2015 habe ich dem Team gesagt, dass ich im nächsten Jahr auf keinen Fall bleiben werde." Anfang des Jahres war er sich dann sicher: Mach mal Pause, vorerst mal ein Jahr. "Hinzu kommt, dass ich eine neue Stelle in einem Betrieb im Norden Luxemburgs übernommen habe. Dort bin ich für die Baustellen-Planungen verantwortlich. Auch das spielt eine Rolle." Am Sonntag wird er beim Rennen in der Eifel als Zuschauer vor Ort sein: "Klar, das ist schon was anderes" sagt er ganz vorsichtig. Wer Lehnertz, den Mann der leisen Töne, ein wenig kennt, der weiß: Es wird ihm verdammt wehtun, zusehen zu müssen. jüb