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Müde WM-Helden sehnen Weihnachten herbei

Müde WM-Helden sehnen Weihnachten herbei

Beim Fußball-Weltmeister ist momentan die Luft raus. Gegen Gibraltar schleppten sich die deutschen Nationalspieler zu einem verkrampften 4:0-Erfolg. Nach den emotionalen Wochen im Sommer brauchen die Auswahlkicker eine schöpferische Pause. Zuvor steht am Dienstag aber noch das Prestigeduell in Spanien an.

Nürnberg. Im Hintergrund prangt auf einer Stellwand der vierte Weltmeister-Stern. Links und rechts neben dem Podium rufen zwei auf große Leinwände gezogene Jubelbilder des Fan-Empfangs in Berlin den WM-Triumph noch mal ins Gedächtnis.Lang, lang ist\'s her, könnte man im Lichte des unerwartet niedrigen Siegs in der EM-Qualifikation gegen Fußballzwerg Gibraltar meinen. 124 Tage nach dem Endspiel-Triumph in Rio ist Bundestrainer Joachim Löw an diesem Abend in den Katakomben des Nürnberger Stadions angefressen. "Ich bin überhaupt nicht zufrieden. Ich habe mir von meiner Mannschaft mehr erwartet. Wir wollten auftreten wie ein Weltmeister, da sind vier Tore viel zu wenig."Die deutsche Nationalelf war mental nur eine Halbzeit lang auf ein konsequentes Anrennen gegen die rund um den eigenen Strafraum verteidigenden Gäste eingestellt. Verschleißerscheinungen sind unübersehbar. Löw: "Es war zu erwarten, dass nach so einem großen Erfolg wie dem WM-Sieg die Spannung auch mal abfällt und die Spieler im Kopf müde werden. Ich hatte mir gedacht, dass es so kommt. Im neuen Jahr - nach einer Winterpause und drei Wochen Vorbereitung - bin ich mir sicher, dass die Spieler wieder körperlich und geistig frischer sind."Zuvor steht noch eine Aufgabe an - am morgigen Dienstag im Freundschaftsspiel bei Europameister Spanien in Vigo (20.45 Uhr/ARD). Eine Partie mit wahrscheinlich begrenzter Aussagekraft und aus Sicht von Löw alles andere als eine Revanche für die Niederlagen 2008 (EM) und 2010 (WM): "Das ist passé und spielt für beide keine Rolle. Die Spanier haben auch nicht alle Mann an Bord. Daher wird es ein Spiel unter anderen Voraussetzungen. Beide Mannschaften wollen am Jahresende noch mal zeigen, was in ihnen steckt." Verzichten muss der Bundestrainer auf Christoph Kramer (er fehlte schon gegen Gibraltar mit Rückenproblemen), Manuel Neuer (Kniebeschwerden) und Jérôme Boateng (muskuläre Probleme). Für den Bayern-Verteidiger hat Löw erstmals Robin Knoche vom VfL Wolfsburg nachnominiert. In Spanien wird Löw von dem gegen Gibraltar praktizierten 3-5-2-System wohl wieder abrücken. Lukas Podolski und Max Kruse könnte damit wieder ein Platz auf der Ersatzbank drohen. In Abwesenheit von Neuer und dem etatmäßigen Kapitän Bastian Schweinsteiger muss Löw für das Spanien-Spiel zudem einen neuen Spielführer bestimmen. Verdient hätte es Thomas Müller, der nach seinen beiden Treffern gegen Gibraltar nun zehn Nationalelf-Tore in diesem Jahr zu Buche stehen hat. Wie seine Mitspieler betont er, im Prestigeduell gegen Spanien noch mal alles raushauen zu wollen. Gleichwohl sehnt auch Müller das Ende des WM-Jahres herbei: "Grundsätzlich ist es gut, dass wir näher Richtung Weihnachten kommen. Mal zwei, drei Wochen Pause zu haben, schadet nicht." Deutschland - Gibraltar 4:0 (3:0) Deutschland: Neuer - Mustafi, Boateng, Durm (72. Hector) - Bellarabi, Khedira (60. Volland), Kroos (80. L. Bender), Götze, Podolski - Müller, Kruse Gibraltar: Robba - Garcia, Artell, Wiseman, R. Casciaro, J. Chipolina - Perez (90./+1 Priestley), R. Chipolina, Sergeant (58. Sergeant), Walker - L. Casciaro (72. K. Casciaro) Tore: 1:0 Müller (12.), 2:0 Müller (29.), 3:0 Götze (38.), 4:0 Santos (ET, 67.) SR: Alexandru Tudor, Zuschauer: 44 308Extra

Kritik an den Kritikern: Manch einer vergleicht Gibraltars Trainer Allen Bula (Foto: dpa) gerne mit dem jungen Robert De Niro - des Aussehens wegen. Schauspielerisches Talent brauchte Bula nach dem 0:4-"Erfolg" in Deutschland nicht, um mal ordentlich Dampf abzulassen. "Wir haben ein paar Mäuler gestopft, die meinen, wir dürften nicht hier sein", sagte der 49-Jährige in Richtung jener Kritiker, die sich gegen Gibraltars Teilnahme an der EM-Qualifikation sträuben. Sein Team sieht er allerdings erst am Beginn einer Entwicklung: "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns." bl