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"Noch nie so gefroren"

Christoph Willger muss kämpfen, kommt bei extremen Bedingungen aber nach zehn Stunden beim Aurlands Extreme Triathlon ins Ziel. Foto: privat
Christoph Willger muss kämpfen, kommt bei extremen Bedingungen aber nach zehn Stunden beim Aurlands Extreme Triathlon ins Ziel. Foto: privat FOTO: Holger Teusch (teu), Borge Sivertsen ("TV-Upload Teusch"
Aurlandsvangen/Norwegen. Der berühmteste Triathlon der Welt, der Ironman auf Hawaii ist für seiner extreme Hitze bekannt. Christoph Willger aus Tawern bekam es beim Triathlon am norwegischen Aurlandsfjord mit dem anderen Extrem, aber auch beeindruckenden Landschaften zu tun. Holger Teusch

Aurlandsvangen/Norwegen. Wer mag da noch über einen verregneten Sommer in Deutschland jammern? Christoph Willger hat als Triathlet ganz andere Bedingungen kennengelernt, als etwas Regen. "Ich habe noch nie so gefroren", sagt der 36-Jährige über die erste Abfahrt mit dem Rad beim Aurlandsfjord Extreme Triathlon (Axtri). Bei drei Grad und Dauerregen halten sich die meisten Triathleten im mitteleuropäischen Winter lieber auf der Rolle oder dem Spinning-Bike im Warmen fit. Und schwimmen im Hallenbad. "Wer springt im Februar schon in die Mosel, um zu schwimmen?", fragt Willger.
Der Tawerner hatte aber keine Wahl: Willger hatte sich den Axtri ausgesucht, weil er nach der erfolgreichen Teilnahme am Inferno-Triathlon im vergangenen Jahr eine neue Herausforderung suchte. Von der Art her sei der Axtri ähnlich wie der Extremtriathlon in der Schweiz, der von seinem Trainer Marc Pschebizin zehn Mal in der Einzel- und dieses Jahr zusammen mit Andreas Theobald (beide Tri Post Trier) in der Zweier-Staffel-Wertung gewonnen wurde. Allerdings: Es war für einen Triathlon extrem kalt am 60. Breitengrad nordöstlich der norwegischen Stadt Bergen.
Als er am Morgen des Rennens vor der beeindruckenden Kulisse des Fjords stand und die Wassertemperatur von 10,5 Grad hörte, habe er nur gedacht: "Mit mir nicht!" Er konnte nichts mehr frühstücken. Freundin Jennifer König habe Überzeugungsarbeit leisten müssen. Und als Christoph Willger erst einmal im Rennen war, war der Gedanke ans Aufgeben weit weg. "Wenn ich erst einmal am Rollen bin, kann ich ziemlich zäh sein", sagt der Geschäftsführer eines Unternehmens für Sicherheitssysteme in Trierweiler.
Willgers größtes Problem: Er konnte keine feste Nahrung zu sich nehmen. Das aber ist bei einem Triathlon über 1900 Meter Schwimmen, 98 Kilometer Rad fahren (mit 3100 Höhenmetern) und einem abschließenden Halbmarathonlauf (21 Kilometer mit 1100 Höhenmetern) eigentlich nötig. Wohl wegen der Kälte habe sich sein Magen neun Stunden lang geweigert, etwas anderes als Getränke aufzunehmen. Und die musste er sich teilweise selbst schöpfen. "Man muss sich seine komplette Verpflegung für den Lauf in einen Rucksack packen. Wasser kann man unterwegs an Wasserfällen abfüllen", erzählt Willger. Trotz Dauerregens und Kälte, unvergessliche Eindrücke brachte er trotzdem vom Axtri mit. "Beim abschließenden Lauf musste man teilweise so konzentriert sein, dass man keinen Blick links und rechts in die Landschaft riskieren konnte", sagt er.