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Nur die Ampelmännchen halten sie auf

Nur die Ampelmännchen halten sie auf

Leichtathletik: Gesa Krause gewinnt zwei Deutsche Meisterschaften und schafft Historisches für den Trierer Sport.

Erfurt Beim routinemäßigen Auftaktläufchen am Samstag- und Sonntagvormittag konnten die typisch ostdeutschen Ampelmännchen Gesa Krause noch aufhalten, wenn sie rot leuchteten. An den Nachmittagen des Wochenendes der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften konnte niemand die 24-Jährige vom Verein Silvesterlauf Trier stoppen. Im Erfurter Steigerwaldstadion schrieb die Hindernislauf-Europameisterin einen historischen Doppelsieg auf der roten Kunststoffbahn: Deutsche Meisterin über 3000 Meter Hindernis und 5000 Meter, das hat noch niemand geschafft. Ganz nebenbei: Gesa Krause ist auch die erste Frau eines Vereins der Region Trier, die einen deutschen Meistertitel in der olympischen Leichtathletik gewonnen hat.
Keines der beiden Rennen nahm die Europameisterin, die zum Jahreswechsel von Frankfurt zum Silvesterlauf-Verein gewechselt war, auf die leichte Schulter. Über die 35 Hindernisse hätte Krause es locker sehen können. So dominant ist sie momentan. Aber sie wollte den Zuschauern auch etwas bieten, drückte von Anfang an kontrolliert aufs Tempo. Nach dem ersten Kilometer in 3:09,05 Minuten folgte der zweite in 3:08,94 Minuten und ein Schluss-Tausender in 3:07,82 Minuten. Endzeit: 9:25,81 Minuten. Der Meisterschaftsrekord (bisher 9:31,00) zum dritten Mal in Folge verbessert. Teil eins der Mission erfüllt, und die Erfurter Leichtathletik-Fans würdigten das Engagement: "Die letzten beiden Runden wurde ich vom Publikum getragen", erzählte Krause.
Doch ihre Geschichte geht noch weiter. "Danach habe ich nicht mehr daran gezweifelt, dass es richtig ist, auch die 5000 Meter zu laufen", sagte sie. Aber dass es ein anderes Rennen werden würde, war ihr von vornherein klar. Von der Meldezeit her stand Hanna Klein aus dem baden-württembergischen Schorndorf vor ihr (15:17,14 zu 15:24,24 Minuten). Der Druck sei ein anderer gewesen. "Ich wusste, dass ich das nicht unbedingt gewinnen kann."
Es wurde tatsächlich ein enges Ding, aber eins mit Happy End. Das große, 22-köpfige Starterfeld legte gemächlich los. Krause übernahm bereits kurz vor der Zwei-Kilometer-Marke (6:48,06 Minuten), beschleunigte aber nur unwesentlich. Letztlich war es fast wie ein 400-Meter-Rennen mit 4,6 Kilometern Anlauf. "Auf den letzten 30 Metern habe ich gemerkt, dass Hanna nicht mehr gegenhalten konnte." Es wurde fast ein Fotofinish. Nur 0,14 Sekunden trennten Krause (16:20,10) und Klein (16:20,24) am Ende. Dritte wurde die zweimalige Trierer Silvesterlauf-Siegerin Corinna Harrer (Regensburg/16:27,34). Eine nicht ganz unwichtige Kuriosität am Rande des Titelgewinns: Die Entscheidung für den Doppelstart traf Krause erst kurzfristig. "Mein Trainer (Anmerkung: Wolfgang Heinig) hat mich am Dienstag gefragt, ob ich auch die 5000 Meter laufen wollte."
Und wie geht's nun weiter? Nun habe sie erst einmal eine lockere Trainingswoche vor sich. Dann startet die direkte WM-Vorbereitung mit einem Höhentrainingslager (Krauses viertem in diesem Jahr) in Davos. "Da sind wir in einem kleinen Hotel fast wie zu Hause."Extra: WER DIE MEISTERSCHAFTEN SONST NOCH PRÄGTE


(dpa) Was war noch los bei den Titelkämpfen? Ein Überblick. Debakel für Rio-Olympiasieger: Rio-Olympiasieger Christoph Harting hat bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Erfurt überraschend einen Startplatz bei den Weltmeisterschaften in London verpasst. Im Finale kam der 27-Jährige vom SCC Berlin als Vierter nicht über 62,51 Meter hinaus und blieb damit deutlich unter den geforderten 65 Metern. Bruder macht's besser: Sein fünf Jahre älterer Bruder Robert, der Olympiasieger von 2012, feierte dagegen mit 65,65 Metern bereits seinen zehnten nationalen Titel seit 2007. Die mit Robert Harting verheiratete Berlinerin Julia Harting jubelte über ihren zweiten Titel im Diskuswerfen (63,63 Meter). Ganz schön schnell: Für ein Highlight der Titelkämpfe sorgte 100-Meter-Siegerin Gina Lückenkemper: Im Vorlauf lief sie sensationelle 11,01 Sekunden. 26 Jahre ist es her, dass mit Katrin Krabbe letztmals eine deutsche Sprinterin unter elf Sekunden lief. Favoriten setzen sich durch: 20,98 Meter reichten Kugelstoßer David Storl zum siebten Titel in Serie. Ihrer Favoritenrolle gerecht wurden auch Dreisprung-Europameister Max Heß, Speerwurf-Weltmeisterin Katharina Molitor, Stabhochspringerin Lisa Ryzih und Sprint-Rekordmann Julian Reus über 100 und 200 Meter. Speerwerfer Thomas Röhler musste sich Johannes Vetter geschlagen geben.Extra: WITTLICHERIN LIEGT LANGE IM VERFOLGERFELD


(teu) Die aus Wittlich stammende Katharina Rach belegte in 11:02,69 Minuten den 15. Platz. Lange war die 26-Jährige, die beim PSV Wengerohr mit Leichtathletik begonnen hat, Teil der Verfolgergruppe um Vizemeisterin Jana Sussmann (Hamburg/9:57,59). "Dann bin ich aber ziemlich eingegangen", sagte die angehende Lehrerin. Trotzdem sei sie glücklich über ihr Debüt bei den Deutschen Meisterschaften. Bilder: <%LINK auto="true" href="http://www.volksfreund.de/laufen" text="www.volksfreund.de/laufen" class="more"%>