Palastrevolution in der Arena: Basis kippt Reform

Palastrevolution in der Arena: Basis kippt Reform

Mit einem gewaltigen Donnerschlag endete am Samstag in der Arena nach gut fünf Stunden die Jahreshauptversammlung des Sportbundes Rheinland. Die vom zehnköpfigen Präsidium angestrebte Strukturreform, die den Sportbund eigentlich auf Dauer zukunftsfähig aufstellen sollte, fand nach turbulentem Verlauf nicht die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit.

Trier. 16 Punkte standen auf der Tagesordnung der turnusmäßig alle zwei Jahre stattfindenden SBR-Jahreshauptversammlung. Doch abgesehen von der 50-minütigen (!) Begrüßung der Ehrengäste und deren Grußworte (Staatsminister Roger Lewentz, Triers Sportdezernentin Angelika Birk, LSB-Präsidentin Karin Augustin), entfachte lediglich der TOP 14 (Satzungsänderung und Veränderung der Zusammensetzung des Präsidiums) "Feuer unter dem Dach" der Arena.
665 000 Mitglieder in 3250 Vereinen vertritt der Sportbund Rheinland. Eine gewaltige Zahl von (zum großen Teil) Breitensport treibenden Menschen, die angesichts der demografischen Entwicklung noch ansteigen wird. Denn die Menschen werden nicht nur älter, sie werden auch gesund älter. Unter diesen Vorzeichen möchte der in Vereinen organisierte Sport, mit seinen ehrenamtlichen Funktionsträgern irgendwo "zwischen Turnvater Jahn und Fitness-Studio" angekommen, seine Zukunft mit qualitativ gut ausgebildeten Übungsleitern sichern. Die Delegierten in der Arena Trier, das zeigte die ebenso lebhafte wie kontroverse Diskussion, waren sich der Tragweite dieser Versammlung für die Zukunft des Sportbundes und der Sportvereine durchaus bewusst.
Eine Verschlankung des Präsidiums, die Ausstattung des Geschäftsführers mit Stimmrecht und damit - so die Absicht des amtierenden Gremiums - eine effektivere und zeitgemäßere Arbeitsweise, machte jedoch eine Satzungsänderung notwendig. Viele Redner, darunter stellvertretend für alle Beiträge aus der Region Mosel/Eifel/Hunsrück, die Trierer Sportfunktionäre Alfons Steinbach, Helmut Freischmidt und Rainer Düro (vormals Präsident der Deutschen Triathlon-Union) beteiligten sich mit konstruktiven und emotionalen Vorschlägen an Notwendigkeit und möglicher Umsetzung der neuen Satzung.
Nach dem angenommenem Antrag auf geheime Abstimmung nahm das Schicksal seinen Lauf. Nach langer Stimmenauszählung ergab sich folgendes Bild: Unter 459 abgegebenen Stimmzetteln befanden sich zwar 268 Ja-Stimmen. Das reichte aber nicht für die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit zur Annahme des Vorschlags aus. Die vom Präsidium angestrebte Strukturreform und die damit verbundene Reduzierung von zehn auf sieben Personen waren abgeschmettert. Die Palastrevolution war Fakt, aber noch nicht zu Ende.
Bei der anschließenden Neuwahl des Präsidiums (turnusmäßig alle vier Jahre), trat der Trie rer Michael Maxheim (51) gegen das bisherige Präsidiumsmitglied Hermann Kleber (Mendig, Vizepräsident) an und entschied diese ebenfalls in geheimer Form ausgetragene Kampfabstimmung für sich. Damit setzt sich das Präsidium des Sportbundes Rheinland für die nächsten vier Jahre wie folgt zusammen: Fred Pretz,(Präsident), Walter Desch, Monika Sauer, Wolfgang Scheib, Fritz Langenhorst, Rolf Müller, Michael Maxheim, Claudia Altwasser, Martin Weinitschke (Geschäftsführer mit beratender Stimme des Präsidiums). Die Position des Vizepräsidenten für Rechts- und Satzungsfragen konnte nicht besetzt werden. Der bisherige Amtsinhaber Hans-Dieter Heusslein ist vor Kurzem verstorben.Extra

Die Niederlage als "halben Sieg" verkaufen wollte der wiedergewählte SBR-Präsident Fred Pretz im TV-Gespräch. Er sei durchaus nicht enttäuscht von dem Ergebnis. Schließlich habe die Mehrheit des Plenums für den Vorschlag zur Satzungsänderung gestimmt (das reichte aber nicht), aber: Vereinsvertreter, so verpackte es der an verbale Debatten gewöhnte Kommunalpolitiker in wohlfeile Worte, "fühlen sich in gewohnten Strukturen wohl". jüb