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Paraleichtathletik: Viele Titel nach Sportfest mit Olympiasieger

Paraleichtathletik: Viele Titel nach Sportfest mit Olympiasieger

Erfurt Erst die Stimmung für den Olympiasieger anheizen, dann Edelmetall im halben Dutzend, für die Paraleichtathleten aus der Eifel startete das Wettkampfjahr im Februar erfolgreich wie selten zuvor.Beim Istaf-Indoor in Berlin gehörte Rennrollstuhl-Sprinterin Julia Würthen aus Biersdorf am See zu den sechs Startern im 50-Meter-Sprint.

Der dritte Platz in 12,43 Sekunden gegen fünf Jungen war für die 14-Jährige, die mit einer schweren Beeinträchtigung auf die Welt kam (Spina bifida TH10 mit Gibbus) und ihre Beine nicht bewegen kann, ein toller Saisoneinstieg. Vor 12 600 Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena durfte die Teilnehmerin des Junior Rolli Cups zeigen, wie schnell sie ihren Rennrollstuhl in Schwung bringt. Erst später durfte Olympiasieger Christoph Harting in den Ring treten und seinen Diskus durch die Halle werfen.
Brachte das Istaf-Indoor-Sportfest noch einen Motivationsschub im langen Wintertraining, so wurde es für Julia Würthen, Anna-Katharina Nickels und Yannick Säglitz am vergangenen Wochenende bei den Hallenmeisterschaften des Deutschen Behinderten-Sportverbands (DBS) richtig ernst.
Für Rennrollstuhlfahrer sind normale Leichtathletikhallen mit ihrer maximal 60 Meter langen Sprintgeraden und dem 200-Meter-Oval mit überhöhten Kurven eine besondere Herausforderung. Die Julia Würthen aber bestens bewältigte. In allen drei Disziplinen, in denen sie antrat, gewann sie ihren Altersklassentitel (bei den unter 16-Jährigen (U 16)) mit persönlichem Rekord. Erstaunlich dabei ihre Konstanz: Nach 14,60 Sekunden im 60-Meter-Vorlauf war sie im Finale nur eine Hundertstelsekunde langsamer. Über 200 Meter siegte sie in 42,63 Sekunden.
Dass die Schülerin über zwei Hallenrunden (400 Meter) in 1:27,08 Minuten drei Sekunden über ihrem deutschen Rekord von 1:24,07 Minuten blieb, mag zunächst viel erscheinen. Doch das relativiert sich, durch die vier zu durchfahrenden Steilkurven. Diese sind sehr viel enger, als auf dem 400-Meter-Oval unter freiem Himmel, die sich entsprechend besser bewältigen lassen. In der Halle werden entsprechend für Rennrollstuhlfahrer keine nationalen Rekorde geführt.
Über Hallen- oder Freiluftbahn müssen sich die Kugelstoßer keine Gedanken machen. Für querschnittsgelähmte Athleten wie Anna-Katharina Nickels und Yannick Säglitz gibt es spezielle Werferstühle. Diese werden im Kugelstoßring fest montiert und die Athleten daran geschnallt, so dass eine bestmögliche Kraftübertagung möglich ist.
Für die Arzfelderin Nickels und den Gladbacher Säglitz, die wie Würthen für den in der Paraleichtathletik sehr engagierten saarländischen Club TV Püttlingen starten, war die Hallen-DM der erste Wettkampf in der Altersklasse U20. Beide mussten damit erstmals mit ein Kilogramm schwereren Wurfgewichten klarkommen. Nickels wuchtete in der Startklasse T56 (Schädigung Lendenwirbelsäule mit schlechter Beinfunktion) die Drei-Kilo-Kugel auf Anhieb auf die Siegweite von 5,76 Metern. Auch in ihren übrigen fünf Versuchen blieb die Gymnasiastin über 5,40 Meter.
Ebenfalls eine gute Serie mit sechs Stößen über 4,20 Meter mit der Vier-Kilo-Kugel schaffte Yannick Säglitz. Für den wie Nickels 1999 geborenen Sportler, der der Startklasse T53 angehört, war der erste Versuch mit 4,46 Metern ebenfalls der beste.
Der nächste Saisonhöhepunkt dürfte für die meisten Paraleichtathleten die deutsche Freiluft-Meisterschaft Ende Mai im thüringischen Ohrdruf werden. International stehen im nach-olympischen Jahr die Weltmeisterschaften in London und die Junioren-WM im Mittelpunkt. Vielleicht ein gutes Omen: Im U20-WM-Austragungsort Nottwil in der Schweiz stellte Julia Würthen 2016 ihren deutschen Rekord über die 400 Meter auf.