Picknick mit Hagel und Lilien

Köln · Darmstadt - der perfekte Auftaktgegner für den 1. FC Köln: Warum es die Südhessen den Kölnern am Samstag so leicht gemacht haben. Jörg Schmadtke bemängelte nach dem lockeren 2:0-(1:0)-Sieg im ausverkauften Rhein-Energie-Stadion nur die schwache Chancenverwertung.

Köln. Fast 40 Grad Celsius, Hagelattacken, Jecken-Alarm, dazu ein lockerer Bundesliga-Heimsieg für den 1. FC Köln. Diese Kombination ist normalerweise jahreszeitlich nicht unter den gleichen Schirm zu kriegen, nicht in einen Mittag zu packen. Am Samstag aber schon. Köln kämpfte zwar mit der Gewitterzelle, die den Sommerkarneval "Jeck im Sunnesching" beendete und die dem FC-Heimspiel eine Unwetter-Unterbrechung bescherte. Aber davon ließen sich die FC-Fans nicht die Stimmung verhageln, höchstens das Autodach.
Darmstadt, wie schon im vergangen Jahr heißester Abstiegsanwärter, war ein dankbarer Gegner für den FC zum Auftakt. 9:4 - das ist weder das Ecken- noch das Chancenverhältnis. Neun Spieler aus der FC-Startformation standen schon in der vergangenen Saison bei den Rheinländern unter Vertrag, neu im Team waren Marco Höger und Artjoms Rudnevs. Bei Darmstadt 98 standen dagegen sieben Neuzugänge auf dem Platz. Das machte sich schon nach Sekunden bemerkbar. "Wir haben losgelegt wie die Feuerwehr", freute sich Leonardo Bittencourt, der eine starke Partie machte - nicht nur wegen seiner tollen Vorbereitung des 1:0 durch Marcel Risse (11.). Für ein Kuriosum sorgte Schiedsrichter Patrick Ittrich nach knapp einer Stunde. Er schickte beide Teams für zwölf Minuten in die Kabine - eine Sicherheitsvorkehrung, weil direkt über dem Stadion ein schweres Gewitter aufgezogen war. Gleich nach der unfreiwilligen zweiten Pause legte Köln nach. Mit dem 2:0 durch Anthony Modeste (61.) war die über weite Strecken einseitige Partie entschieden. Olympia-Silbermedailengewinner Timo Horn wurde in der ganzen Partie nur einmal gefordert.
Dass es keinen Zweifel am hochverdienten Kölner Sieg gebe, bestätigte Norbert Meier bei seiner Bundesliga-Premiere als Lilien-Trainer. Meier kann der bevorstehenden Länderspielpause durchaus Positives abgewinnen. "Ich bin froh, dass wir noch mal zwei Wochen Zeit haben. Wir müssen viel an Mechanismen arbeiten. Die Automatismen fehlen noch." Meier deutete zudem an, dass der Lilien-Kader wohl noch nicht komplett sei.
FC-Trainer Peter Stöger konnte sich dagegen nach dem starken Auftakt gegen einen schwachen Gegner entspannt zurücklehnen. "Ich bin sehr zufrieden. Wir sind sehr engagiert ins Spiel gegangen, haben allerdings viele Chancen liegen gelassen." Ähnlich sah es Sportchef Jörg Schmadtke. "Auch sieben oder acht Tore wären für uns möglich gewesen."
Nur einen Rückschlag mussten die Kölner kurz vor Schluss hinnehmen: Lilien-Torhüter Michael Esser verletzte Dominic Maroh bei einem Zusammenprall schwer. Der Kölner Innenverteidiger musste mit Verdacht auf Rippenbruch ins Krankenhaus. In zwei Wochen geht es für den FC in Wolfsburg weiter.