"Platz drei ist keine Sensation"

"Platz drei ist keine Sensation"

Fußball: BVB-Boss Watzke gibt bei Besuch in Salmtal kein Treuebekenntnis zu Trainer Tuchel ab.

Es ist die derzeit am heißesten diskutierte Frage im deutschen Fußball: Bleibt Thomas Tuchel Trainer von Borussia Dortmund oder muss er trotz Vertrags bis 2018 nach dieser Saison gehen? BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke lüftete das Geheimnis bei einem Besuch in Salmtal nicht, doch seine Aussagen klangen alles andere als ein Treuebekenntnis.

"Ich bin mit der Saison in der Bundesliga zufrieden. Die Qualifikation für die Champions League musste es aber auch sein. Platz drei ist keine Sensation", sagte er beim vom CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Schnieder organisierten und moderierten ersten "Eifel-Talk" in der Salmtaler Bürgerhalle. Zudem unterstrich Watzke nochmals, bei der Neuansetzung des Champions-League-Viertelfinal-Hinspiels gegen den AS Monaco lediglich einen Tag nach dem Sprengstoffanschlag auf den BVB-Bus "im Nachhinein alles richtig" gemacht zu haben - eine Einschätzung, die Tuchel offensichtlich nicht teilt. "Uns blieb nur der Tag danach. Wir wussten, dass das nicht ideal war. Aber wir mussten eine Entscheidung treffen. Kein Kritiker konnte mir bis heute übrigens einen anderen adäquaten Spieltermin nennen. Heute ist die Mannschaft sehr froh, dass wir sofort zur Normalität zurückgekommen sind", sagte Watzke, der zur entfachten Diskussion über die Terminierung bemerkte: "Jedem ist aufgefallen, dass es bei uns unterschiedliche Sichtweisen gibt. Wenn diese in die Öffentlichkeit getragen werden, ist das problematisch."

Watzke, CDU-Mitglied und einst Landesvorstandsmitglied der Jungen Union in Nordrhein-Westfalen, ist aktuell einer der mächtigsten Macher im deutschen Fußball - einer, der nach eigener Aussage "kein Mann für die zweite Reihe" ist.
Er sprach auch über …

… die Spekulationen um einen Wechsel von Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang: "Wenn Auba uns verlassen sollte, wird die Welt ebenso wie zuvor beim Abgang von Robert Lewandowski auch nicht untergehen."

… den wirtschaftlichen Angriff aus China, wo Clubs mit wahnsinnigen Ablösesummen und Gehältern locken, um den Fußball im Riesenreich voranzubringen: "Das Witzige ist ja, dass das alles unter der Fahne der kommunistischen Partei läuft. Inzwischen werden Transfers aber eingeschränkt - pro Team dürfen nur noch drei Ausländer spielen. Das heißt aber auch, dass du als Topspieler aus Europa mit acht Chinesen zusammenspielen musst. Und kennen Sie einen Chinesen, der Fußball spielen kann? Ich nicht."

… den Gesundheitszustand von Mario Götze, der wegen einer Stoffwechselerkrankung derzeit pausiert: "Die Langzeittherapie, die gemacht worden ist, zeigt mittlerweile Erfolge. Anfangs lief sie zäh, nun sind wir verhalten optimistisch. Es gibt die berechtigte Hoffnung, dass Mario in der Vorbereitung wieder einsteigen kann."

… die aktuelle Debatte um eine bessere finanzielle Ausstattung von Amateurvereinen (Anm.: Watzke ist seit 22 Jahren Präsident des Landesligisten SV Rot-Weiß Erlinghausen im Sauerland): "50 bis 70 Prozent der Probleme der Amateurvereine liegen darin, dass Spieler selbst in den unteren Klassen teilweise 400 bis 500 Euro bekommen, selbst wenn sie nur mit Ach und Krach den Ball stoppen können."

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