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Radfahren am liebsten berghoch

Radfahren am liebsten berghoch

Der Vater war deutscher Juniorenmeister im Duathlon, klar, dass Hannah Ludwig eine erfolgreiche Ausdauersportlerin werden muss - sollten man meinen. Die 14-Jährige aus Traben-Trarbach kam aber gar nicht durch ihre Eltern zum Radsport. Am vergangenen Sonntag wurde sie deutsche Vizemeisterin.

Traben-Trarbach/Wittlich/Queidersbach. "Ich muss jetzt meine Tasche fürs Training packen", sagt Hannah Ludwig. Kaum ist die 14-Jährige aus Traben-Trarbach von der Schule zu Hause, geht es schon wieder weiter. Die Dienstagsausfahrt mit dem RSC Stahlross Wittlich steht auf dem Programm. Bei ihrem ersten Vereinstraining nach dem zweiten Platz bei den deutschen Meisterschaften wird Hannah Ludwig natürlich auch ein bisschen gefeiert werden. Er könne sich an kein Mädchen im Kreis Bernkastel-Wittlich erinnern, das in den vergangenen beiden Jahrzehnten so erfolgreich war wie die junge Ausdauersportlerin von der Mosel, sagt der RSC-Vereinsvorsitzende Herbert Henschel.
Dabei fährt Hannah Ludwig erst seit einem Jahr Radrennen. "Ich hatte voll Angst", erinnert sie sich an ihren ersten Start in Bann in der Pfalz. Die damals 13-Jährige wurde in ihrer Altersklasse auf Anhieb Dritte der Rheinland-Pfalz-Meisterschaft im Straßenrennen. Anschließend gewann sie den Landesmeistertitel im Bergzeitfahren.
"Ich fahre am liebsten berghoch ", sagt Hannah Ludwig. So kam ihr der DM-Parcours im pfälzischen Queidersbach auch entgegen. Auf der dreimal zu umrundenden 14-Kilometer-Strecke der U15-Klasse lagen zwei Anstiege, einer mit 18 Prozent Steigung. Die Traben-Trarbacherin hielt sich sofort in der Spitzengruppe auf. "Am Anfang sind wir zu sechst weggefahren", erzählt Hannah Ludwig vom ersten Ausreißversuch nach sieben Kilometern, der aber scheiterte.
Perfekte Harmonie im Spitzentrio


Doch praktisch im gleichen Moment wie etwa 20 Verfolgerinnen zu dem Sextett aufschlossen, lancierte Hannah Ludwig zusammen mit Franziska Koch (Mettmann) und Olivia Schoppe (Leipzig) eine weitere Attacke. Das Trio harmonierte perfekt. "Wir haben uns gegenseitig motiviert, damit wir nicht wieder eingeholt werden", erzählt Hannah Ludwig. Erste wenige Meter vor dem Ziel war Schluss mit dem Mannschaftsfahren. Koch zog als Erste den Sprint an und siegte mit einer Radlänge Vorsprung vor Hannah Ludwig.
Ganz ohne Erwartungen sei sie in ihr erstes DM-Rennen gegangen, erzählt sie. Der Vizetitel kam vollkommen überraschend. Hannah Ludwigs Leistungen auf dem Fahrrad verwundern dagegen weniger. Vater Björn war 1994 deutscher Juniorenmeister im Duathlon (Laufen, Rad fahren, Laufen), und auch Mutter Isa betrieb Triathlon. Aber nicht durch die Eltern, sondern durch die Fairplay-Tour kam Hannah Ludwig zum Radsport. "Wir machen immer mit. In der fünften Klasse bin ich mitgefahren, und es hat mir Spaß gemacht. Und danach bin ich immer weitergefahren", erzählt die Achtklässlerin am Traben-Trarbacher Gymnasium von der Mehrtagesfahrt von Schülern über insgesamt rund 800 Kilometer. Mittlerweile ist auch Hannah Ludwigs Vater wieder zurück im Radsattel. "Wir trainieren immer zusammen!" - und das fast täglich.
Extra

Regionale Starter: Neben Hannah Ludwig starteten zwei weitere Nachwuchsfahrer aus dem Radsportbezirk Trier in Queidersbach: Lennart Jung und Miguel Heidemann - beide vom Radsportverein Schwalbe Trier (RVS). Jung (U15) fuhr auf einen guten Platz 32 von 145 Startern. Heidemann (U17) erreichte Platz 44 (von 103). red