Motorsport : Ott(o) der Große

Rallye: WM-Spitzenreiter Tänak dominiert das Rallye-Festival – Ogier und Sordo Opfer des Baustellen-Staus auf der Autobahn.

PS-Festival in den Weinbergen an der Mittelmosel, im Ruwertal, dem unteren Hochwald und an der Strecke des ehemaligen Trierer Bergrennens: Zehntausende von Rallyefans aus aller Welt bevölkerten am gestrigen Freitag, dem zweiten Tag der ADAC Rallye Deutschland, die Region. Die schweren Wertungsprüfungen „Stein und Wein“ sowie „Mittelmosel“, die beide jeweils zweimal über rund 20 Kilometer im Höchsttempo absolviert werden mussten, sind neben der „Panzerplatte“ auf dem Truppenübungsplatz in Baumholder und den abschließenden WPs am Sonntag in der Grafschaft bei Veldenz und im Dhrontal das Herzstück des Deutschen Laufes zur Rallye-Weltmeisterschaft.

Bei hochsommerlichen Temperaturen bis zu 29 Grad, die an die Besatzungen und die hochsensible Turbotechnik der Fahrzeuge höchste Ansprüche stellten, gingen die Piloten der Rallye-Weltklasse am Freitagmorgen in Fell auf die erste Wertungsprüfung, die bei Waldrach endete. Eine knappe Stunde später ging es dann am Ortsausgang von Trittenheim los über das 20 Kilometer lange grüne Geschlängel der „Weinbergs-Tunnel“, in denen der Fahrer wie blind auf dem Sitz Platz nimmt und sich noch mehr als ohnehin auf den korrekten Aufschrieb seines Co-Piloten verlassen muss.

Von weit her waren die Rallyefans zu Tausenden angereist. Viele hatten mit kleinen, provisorischen Zelten zwischen den Rebstöcken übernachtet, morgens eine „Katzenwäsche“ betrieben und sich dann ganz dem optischen und akustischen Höhepunkt dieses Tages hingegeben. Wo sonst Traktoren und Erntefahrzeuge im Schritttempo ihre Arbeit verrichten, jagten die Herren Tänak, Ogier, Neuville und Co. laut röhrend über lange Geraden, rissen ihre hochgezüchteten Boliden mit der Handbremse um Spitzkehren und entzückten die Zuschauer, die mit riesigen Fahnen und lauten „Tröten“ angereist waren und es sich zwischen den Riesling-Rebstöcken bequem gemacht hatten.

Zur Halbzeit im Servicepark bei Bosen war der amtierende Weltmeister Sébastien Ogier auf Platz zwei (2,4 Sekunden hinter Ott Tänak Im Toyota Yaris WRC) im Citroen C3 WRC sehr unzufrieden: „Leider haben wir die Probleme, die wir schon in Korsika hatten, trotz viel Arbeit im Vorfeld nicht abstellen können. Das Auto untersteuert, ist unruhig. Ich kann kein Auto am Limit bewegen, das nicht richtig läuft.“

Auf der ersten Prüfung erklärte uns der derzeit im WM-Klassement führende Este Ott Tänak: „Vor der Mittagspause hatte ich noch keinen richtigen Rhythmus gefunden. Ich habe mich dann darauf konzentriert, eine saubere Asphalt-Rallye hinzulegen und bin jetzt schon eher zufrieden.“

Der Belgier Thierry Neuville, derzeit Dritter im WM-Klassement, gab sich zur Halbzeit (Dritter mit 3,9 Sekunden Rückstand auf Tänak) etwas zurückhaltend. „Das Tempo, das Ott vorlegt, ist wirklich am äußersten Limit. Wir pushen ohne Ende und haben trotzdem Rückstand. Aber wir müssen dranbleiben. Die Rallye ist noch lang.“

Unten das Dorf, oben der Weltmeister und seine Fans: Rallye-Weltmeister Sébastien Ogier oberhalb von Klüsserath. Foto: Jürgen C. Braun/Picasa

Nach dem Regrouping standen viele Piloten auf einmal vor einem neuen Problem: Die neun Kilometer lange Baustelle auf der A1 zwischen Hermeskeil und Mehring verursachte einen kilometerlangen Stau. Sowohl Ogier wie auch der spanische Hyundai-Pilot Dani Sordo kamen zu spät zum Start der WP 5 in Fell. Nach dem FIA-Reglement gibt es dafür eine Zeitstrafe von 30 Sekunden. Die waren aber in das Klassement nach WP 6 („Mittelmosel 2“) noch nicht eingerechnet. Dort führte Tänak mit noch 1,2 Sekunden auf Thierry Neuville und Ogier, der aber vor dem Start am Samstagmorgen zur Panzerplatte ebenso wie Sordo noch 30 Sekunden „aufs Auge gedrückt“ bekommen müsste.

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