Rudern: Auf der Kampflinie zum Sieg

Rudern: Auf der Kampflinie zum Sieg

Der Canalcup über 12,7 Kilometer war nach dem WM-Sieg die erste Bewährungsprobe für den Deutschland-Achter mit Richard Schmidt vom RV Treviris Trier. Die zweite Kurve war die Schlüsselstelle zum Sieg.

Rendsburg. (teu) So nahe kommen sich Ruderer beim Wettkampf selten: In der zweiten Kurve der Canalcup-Ruderregatta auf dem Nord-Ostsee-Kanal verschaffte sich der Deutschlandachter den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Der Nationalachter der USA, der WM im polnischen Poznan noch ferngeblieben, fuhr "Kampflinie" - und die Weltmeister auch. Die beiden Großboote kamen sich so nahe, dass der deutsche Steuermann Martin Sauer am Rücken vom Blatt eines US-Riemens gestreift wurde. Trotzdem steuerte der Berliner den Deutschland-Achter auf Ideallinie (also dem schnellstmöglichen Weg) durch den entscheidenden Streckenabschnitt und zum Sieg vor Olympiasieger Kanada, den USA und Großbritannien.

Trotz der ungewöhnlich langen Strecke von 12,7 Kilometern (normalerweise werden nur zwei Kilometer gerudert) gab die Mannschaft des Deutschland-Achters von Anfang an Vollgas. "Wenn man auf den ersten vier Kilometern hinten liegt, wird es schwer, noch nach vorne zu kommen, weil man nicht mehr Ideallinie fahren kann", erklärt der Trierer Richard Schmidt die Besonderheit der Regatta auf den Nord-Ostsee-Kanal.

Deshalb war es wichtig, dass sich die Deutschen in der zweiten Kurve nicht von den Amerikanern abdrängen ließen. Dafür konnten sich Schmidt, Steuermann Sauer, Schlagmann Sebastian Schmidt (Mainz), Urs Käufer (Ulm), Florian Mennigen (Ratzeburg), Kristof Wilke (Radolfzell), der Mülheimer Hanno Wienhausen (der für den erkrankten Filip Adamski aus Mannheim ins Team rückte), Gregor Hauffe und Toni Seifert (beide Leverkusen) auf den letzten Kilometern bis zum Ziel unter der Rendsburger Eisenbahnhochbrücke umso mehr von den Zigtausend Zuschauern am Ufer feiern lassen. Denn wenn man in der letzten Kurve vorne liege, resigniere die Konkurrenz in der Regel, erklärt Richard Schmidt.

Nachdem der Ruderer vom RV Treviris Trier und die übrigen deutschen Ruderer nach dem WM-Titel drei Wochen pausiert hatten, reichten eineinhalb Wochen Training für den Sieg bei der als härteste Ruderregatta der Welt geltenden Rennen.

Nach Umzug in eine neue Wohnung (in eine Ruderer-WG) und einer BWL-Klausur beginnt für Olympiateilnehmer Schmidt noch im Oktober die Vorbereitung auf die Saison 2010.