1. Sport
  2. Sportmix
  3. Regional

Schokolade ist zu teuer für Mosel-Ruderer

Schokolade ist zu teuer für Mosel-Ruderer

Heiligabend bei 30 Grad, Silvester im T-Shirt, Rudertraining bei strahlendem Sonnenschein: Ruder-Weltmeister Jost Schömann-Finck ist dem deutschen Schmuddelwetter entflohen. Der 30-Jährige bereitet sich im Sommer der Südhalbkugel auf den ersten Weltcup 2013 vor.

Sydney. "Ich habe noch nie so viel Sonnencreme benutzt wie hier. Und ich war auch noch nie im Januar so braun", erzählt Jost Schömann-Finck. Der australische Sommer mit bis zu 46 Grad lässt den deutschen Winter schnell vergessen. Seit Anfang Dezember lebt, trainiert und arbeitet der Ruderer aus Zeltingen-Rachtig in Australien.
Nach der Olympiasaison (zusammen mit seinem Bruder Matthias war er als Ersatzmann in London) will Jost Schömann-Finck etwas Neues ausprobieren. Raus aus der jahrein, jahraus immer gleichen Tretmühle der Saisonvorbereitung in Deutschland. "Nach den letzten Jahren, wo man immer nur Selektionsdruck und Nationalmannschaftsgedöns um die Ohren hatte, tut es ganz gut, sein eigenes Ding zu machen", sagt er.
Entspannt und ruhig


In Sydney hat sich Schömann-Finck dem UTS Haberfield Rowing Club angeschlossen. "Das Training ist ganz anders als in Deutschland. Die Einheiten sind sehr viel kürzer. Dafür wird immer Gas gegeben. Und das mit mehreren Booten nebeneinander, so dass man einen gewissen Wettkampfcharakter hat", erzählt der amtierende Weltmeister im Leichtgewichts-Achter.
Bei einem Trainingslager auf der Olympiaregattastrecke von 2000 in Penrith, rund 50 Kilometer landeinwärts von Sydney, ruderte Schömann-Finck trotzdem bereits täglich 45 bis 50 Kilometer. Wegen der Hitze beginnt die erste Trainingseinheit in Australien bereits morgens um 5.20 Uhr.
Die meiste Zeit konnte der Moselaner bisher bei Bekannten wohnen. Erfahrungen mit den hohen Lebenshaltungskosten in Australien machte Schömann-Finck trotzdem. Während der ersten Wochen in Sydney teilte er ein WG-Zimmer mit Kakerlaken. Das kostete umgerechnet trotzdem mehr als 600 Euro monatlich.
"Schokolade ist hier unbezahlbar. Eine Tafel kostet zwischen vier und fünf Dollar (umgerechnet 3 bis 4 Euro)", erzählt er.
Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet der gelernte Bootsbauer in einer kleinen Bootswerft, die Ruderboote baut. "Bei der Arbeit wie auch im Sport ist alles deutlich relaxter und ruhiger. Keiner verfällt hier so schnell in Panik", hat Schömann-Finck festgestellt.
Bei den ersten australischen Regatten gab es nur Siege für den Deutschen - und ungewöhnliche Zuschauer. Delfine schwammen auf der Suche nach Futter zwischen den Ruderbooten, erzählt Schömann-Finck. Ab dem übernächsten Wochenende wird es für ihn richtig ernst. Bei den New South Wales State Championchips geht es gegen die australische und bei den neuseeländischen Meisterschaften in Christchurch gegen die Elite der Nachbarinsel. Der Höhepunkt folgt Ende März mit der australischem Meisterschaft und dem ersten Weltcup des Jahres in Sydney.
Aus dem australischen Herbst fliegt Schömann-Finck Ende März zurück in den europäischen Frühling. Sein Ziel: Mit einer in Australien aufgebauten guten Form im April in die Selektion für die deutsche Nationalmannschaft durchzustarten und im August in Korea vielleicht den Weltmeistertitel zu verteidigen.