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Serie Spochtipedia: Bloß nicht ins Gesicht spritzen!

Trier. Der SSV Trier hält in der Region die Fahnen der Wasserballer hoch - Einige Parallelen zum Handball. Andreas Arens

"Pressen! Pressen! Pressen!" Lautstark treibt Trainer Wolfgang Ahnen seine Mannschaft vom Schwimmsportverein (SSV) Trier im Meisterschaftsspiel der Wasserball-Oberliga gegen die Gäste vom SV Neunkirchen an. An diesem lauen Sommerabend ist die Masse an Badegästen aus dem Nordbad gerade verschwunden. Eine entspannte Ruhe liegt dem ersten Anschein nach über der Anlage. Ein rundes Dutzend Zuschauer sitzt entspannt am Spielfeldrand und beobachtet das Duell im Becken.

Im Spielfeld, das auf 25 mal 20 Meter abgegrenzt ist, geht es aber hoch her. Den Sieg gegen das Schlusslicht aus dem Saarland hatten die noch nach dem dritten Tabellenplatz in der dritthöchsten deutschen Wasserball-Spielklasse schielenden Trierer fest eingeplant. Plötzlich liegen sie aber mit 0:2-Toren zurück. Der Forderung ihres Coachs, der auch mit seinen 55 Jahren bei Bedarf selbst noch als Aktiver einspringt, kommen die Gastgeber aber mit der Zeit nach - und gewinnen am Ende standesgemäß mit 15:6. "Mit der vom Trainer geforderten Pressedeckung wollten wir den Gegner frühzeitig unter Druck setzen und ihn so zu Abspielfehlern zwingen", erklärt Thomas Herrmann im Nachhinein die Taktik. Der 49-Jährige kam einst des Studiums wegen an die Mosel. In seiner Heimatstadt Braunschweig war er sogar in der Zweiten Liga aktiv. Aus dem Rückraum heraus versucht er, das Angriffsspiel zu steuern. "Schwimmen hat mir schon in jungen Jahren nicht gereicht. Wasserball ist die ideale Kombination, das Ganze um Taktik und Technik am Ball zu erweitern", berichtet Herrmann und erntet dabei zustimmendes Kopfnicken von seinen Teamkollegen Nico von den Benken und Christian Cordel.

Zwei Mannschaften stellt der SSV Trier. Eine weitere Garnitur mit einem Mix aus (fünf) Frauen, Nachwuchsspielern und Akteuren der ersten Mannschaft geht mit Teams aus der Grenzregion an den Start. Von Mai bis September wird im Nordbad trainiert und gespielt, im Winterhalbjahr wiederum im Stadtbad.

Aus maximal 15 Akteuren besteht eine Mannschaft, sieben davon spielen - inklusive einem Torwart. Nicht nur diese Zahl stellt Verbindungen zum Handball her; auch die Aufteilung mit Positionen in der Mitte, auf Halb und Außen kommt ihm ähnlich. Der Ball mit seinen bis zu 450 Gramm und einem Umfang von rund 70 Zentimetern ist aber schwieriger zu greifen als sein um rund zehn Zentimeter kleineres Pendant in der Halle. Die Zeit, einen Angriff vorzutragen und möglichst das drei Meter breite und 90 Zentimeter von der Wasseroberfläche entfernte Tor zu treffen, ist derweil auf 30 Sekunden begrenzt.

Wird der Gegner untergetaucht, der Ball mit der Faust geschlagen oder ein Akteur der anderen Seite behindert, obwohl er nicht den Ball hält, sprechen die beiden Schiedsrichter einen Freiwurf für das benachteiligte Team aus. Schwere Vergehen - wenn man beide Arme aus dem Wasser nimmt, um einen Ball abzuwehren (abgesehen vom Torwart) oder den Gegner ins Gesicht spritzt - werden mit verschieden langen Zeit- oder gar Spielstrafen belegt.
"Wasserball ist eine ganz tolle Sportart. Leider findet er viel zu wenig Beachtung. Dabei ist er ja schon seit dem Jahre 1900 olympisch, hat also eine große Tradition und bietet allerhand. Kondition ist hier gefragt, aber auch Köpfchen, um zu durchblicken, was der Gegner vorhat." Evelyn Hinz kommt am Rande der Oberliga-Partie direkt ins Schwärmen, verliert den Blick aufs Becken aber zu keiner Zeit. Da wirkt nämlich ihre Tochter Maren im Neunkircher Team mit - da es Frauenteams im Südwesten (so gut wie) gar nicht gibt, dürfen Frauen in Männerteams mitspielen. Mit ihrem feinen Schwimmstil bereitet die 20-Jährige auch einigen Trie rern über die reine Spieldistanz von vier mal acht Minuten Probleme. Dabei stand sie tags zuvor noch im Team des Frauen-Bundesligisten SV Nikar Heidelberg und hat außerdem ein Spielrecht für den Zweitligisten WV Darmstadt. Zudem ist sie Mitglied der Juniorinnen-Nationalmannschaft. "Die Männer sind im Wasser nicht so zickig wie die Frauen, die oft beißen oder am Badeanzug reißen. Dafür haben die Männer viel mehr Kraft und treffen sich untereinander schon einmal mit der Faust im Gesicht. Im Spiel gegen Frauen verhalten sie sich aber meist wie wahre Gentlemen", hat die Saarländerin mal in einem Interview mit der Saarbrücker Zeitung gesagt.

Dass im Nordbad die Regeln eingehalten werden, überwachen die Schiedsrichter Stefan Raspudic und Frederik Ramthun aus Kaiserslautern: "Die Kunst ist, zu erkennen, was so im Wasser abgeht." Tritte oder andere unfaire Aktionen sind laut SSV-Trainer Ahnen beim Wasserball aber eher die Ausnahme: "Gefährliche Grätschen wie beim Fußball etwa gibt es bei uns gar nicht." Das obligatorische Bier aber schon: Nach dem Neunkirchen-Spiel wird zumindest noch kurz auf den Sieg angestoßen, ehe dann wirklich Ruhe im Nordbad einkehrt.Extra: SSV HAT WASSERBALL

und mehr zu bieten (AA) Mit rund 500 Mitgliedern ist der SSV Trier der größte Schwimmverein in der Region Trier. Schwimmer, Wasserspringer, Triathleten und eben die Wasserballer, die in der Oberliga und auch noch in der Grenzlandrunde (mit Teams aus dem benachbarten Ausland) an den Start gehen, finden hier ein sportliches Zuhause. Weitere Infos: www.ssv-trier.de

Mit diesem Kader bestreitet der SSV Trier die aktuelle Saison in der Wasserball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Das letzte Spiel findet am kommenden Samstag bei Vorwärts Ludwigshafen III statt.
Mit diesem Kader bestreitet der SSV Trier die aktuelle Saison in der Wasserball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar. Das letzte Spiel findet am kommenden Samstag bei Vorwärts Ludwigshafen III statt. FOTO: sjs / Sebastian J. Schwarz (g_sport