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Sport
Serie Spochtipedia - Cornhole: Maissäckchen fliegen durch die Luft

An vielen Orten kann man Cornhole spielen. Größere Wettkämpfe werden aber drinnen ausgetragen, da somit der Einfluss des Windes ausgeschlossen ist. TV-Foto: Archiv/Matthias Willems
An vielen Orten kann man Cornhole spielen. Größere Wettkämpfe werden aber drinnen ausgetragen, da somit der Einfluss des Windes ausgeschlossen ist. TV-Foto: Archiv/Matthias Willems FOTO: Matthias Willems (mwi) ("TV-Upload Willems"
Konz/Pellingen. Cornhole wird in der Region vor allem in Konz, Pellingen und Franzenheim gespielt - Konzentration und Geselligkeit stehen hoch im Kurs. Andreas Arens

Um was es geht, ist schnell auf den Punkt gebracht: Spieler werfen in hohem Bogen abwechselnd mit Mais (englisch: corn) gefüllte, kleine Säcke auf eine angehobene Plattform (Board) mit einem Loch. Bleibt ein Säckchen auf der Plattform liegen, ist ein Punkt erzielt, fällt es in das Loch (englisch: hole), sind gleich drei Punkte gewonnen.

Gespielt werden kann im Einzel oder im Team. "Es ist vergleichbar mit Boule", berichtet Günther Reitz. Den Konzer hat das Cornhole-Fieber vor knapp zwei Jahren gepackt. Zur Geburtstagsfeier seiner Frau hatten Reimund Lutz und Gerhard Wilhelm - beide als Cornholer beim SV Pellingen aktiv - ein Board und ein paar Säckchen mitgebracht.

Mit Konzentration in hohem Bogen die 400 Gramm schweren Säckchen auf das Board zu werfen und dabei gezielt seine Kraft einzusetzen: Das ist es, was für den 52-Jährigen die Attraktivität des in Deutschland noch jungen Sports ausmacht. "Es ist der Mann-gegen-Mann-Wettkampf, aber doch wird nicht alles so ganz ernst gesehen. Die Stimmung ist sehr familiär und total gut", berichtet der im dritten Jahr spielende Reimund Lutz.

Anfangs traf er sich mit Gleichgesinnten in Franzenheim, um unter freiem Himmel am Sportplatz zu spielen. Inzwischen hat man sich dem Sportverein Pellingen angeschlossen und kann in den Wintermonaten auch die Halle im Dorf nutzen. Generell werden die Maissäckchen in einem geschlossenen Gebäude - im Normalfall in Turnhallen - geworfen. Draußen spielt man nur bei geselligen Anlässen wie Grillfeten, Geburtstagen oder aber bei Hobby- und Spaßturnieren auf Dorffesten. "Die Profis spielen nur in der Halle, da kein Wind stören darf", stellt Reitz klar.

14 Cornhole-Vereine oder -Abteilungen sind aktuell in Deutschland registriert, Tendenz steigend. Die Teilnahme an Deutschen Meisterschaften oder Ranglistenturnieren ist da für verhältnismäßig viele Aktive schon fast obligatorisch. Besonders erfolgreich war in den vergangenen Jahren Christian Trampert (siehe Interview unten). Von ihm, aber auch von seinen ursprünglichen Lehrmeistern Lutz und Wilhelm hat Günther Reitz einiges und schnell gelernt - und legte im vergangenen Jahr so richtig los: Im März 2016 fuhr er bereits seinen ersten größeren Einsatz beim Turnier in Pinneberg bei Hamburg. Weitere Teilnahmen im fränkischen Roth und beim ebenfalls gut besetzten Turnier in Ingelheim folgten. In der deutschen Ranglisten-Wertung wurde er 2016 als Drittbester geführt.

Auch das Abschneiden bei den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften im November im niedersächsischen Lindhorst war bemerkenswert, wurde die regionale Kombination aus Pellingen und Franzenheim in der Formation Lutz/Trampert/Wilhelm/Reitz doch Vierter.

Bundesweit führend sind noch die Cornhole-Asse aus dem badischen Rust. “Derzeit sind sie in unserer Sportart so etwas wie der FC Bayern München im Fußball und heimsen serienweise die Titel ein", weiß Reitz. Sein ehrgeiziges Ziel: Er will auf die Dauer mit einer Mannschaft auf dem gleichen Level wie die Ruster spielen. Dazu hat er in Konz inzwischen unter dem Dach der Turngemeinde (TG) Konz ein Cornhole-Camp etabliert. "Wir sind immer für Neues offen. Als wir gemerkt haben, mit wie viel Nachhaltigkeit Günther Reitz diesen Sport betreibt, stand einer Aufnahme als Abteilung nichts mehr im Wege", berichtet Kathrin Fusenig, die beim gut 2000 Mitglieder zählenden Breitensportverein Geschäftsstellenleiterin ist.

"Hier haben wir ein prima Dach überm Kopf und verfügen im TG-Sportpark über sehr gute Trainingsbedingungen", sagt Reitz. Rund 50 Kilometer kommt der Saarländer Tanko Rass zu jedem Training aus Wadern angereist. "Geistige und körperliche Ausdauer sind gefragt. Außerdem ist man hier halt einfach immer mit netten Leuten zusammen", berichtet der 61-Jährige. Viereinhalb Jahrzehnte lang hat der Konzer Joachim Meurer Fußball beim SV Wiltingen gespielt. "Sich voll zu fokussieren" übt auf ihn einen großen Reiz aus. "Ich kann kaum abwarten, bis das nächste Training ansteht", zeigt sich die ebenfalls in der Saar-Mosel-Stadt lebende Birgit Sieke voll vom Cornhole-Fieber infiziert. "Wenn wir noch mehr Vereine in Deutschland werden, könnte es vielleicht irgendwann auch mal mit einem Liga-Spielbetrieb klappen", hofft Reitz, für den die verschiedenen Wurftechniken im Mittelpunkt der Übungseinheiten stehen.

Altersgebunden ist Cornhole übrigens nicht. Vom Kind bis zum Senior: Jeder kann diesen Sport ausüben - und das unabhängig etwa auch von der Gewichtsklasse. Reitz schwärmt zudem von den stimmgewaltigen Kulissen bei Turnieren, die im Vorfeld der Deutschen Einzel- und Doppel-Meisterschaften am 27./28. Mai in Nürnberg entweder Ende April oder kurz vor den Titelkämpfen auch in Konz stattfinden sollen (exakter Termin wird noch bekanntgegeben).
Günther Reitz ist überzeugt davon, dass Cornhole mittel- und langfristig sogar ähnlich populär werden kann wie inzwischen etwa Darts. "Das sportliche Niveau, die Begeisterung und die Aktivenzahlen steigen schon jetzt von Jahr zu Jahr."Extra: DER SPORT VON A BIS Z

Von Aikido bis Zumba, von Boccia bis Yoga: Weltweit werden über 250 Sportarten praktiziert, die meisten davon auch in der Region Trier. Der TV stellt in der Serie "Spochtipedia - alles, was Sport ist!" jede Woche eine davon vor. Wie es geht, was man braucht und wie viel es kostet, erfahren Sie bei uns. Ganz nebenbei lernen Sie auch noch interessante Persönlichkeiten, die hinter den Sportarten stecken, kennen. Lesen Sie im nächsten Teil unserer Serie am kommenden Mittwoch, 12. April : Warum Minigolf weit mehr ist, als nur ein Bällchen über Bahnen zu schlagen.

Zweimal wöchentlich trifft sich die Trainingsgruppe der TG Konz um Günther Reitz (rechts). Dabei geht es vor allem um die Verbesserung der Wurftechniken. TV-Foto: Andreas Arens
Zweimal wöchentlich trifft sich die Trainingsgruppe der TG Konz um Günther Reitz (rechts). Dabei geht es vor allem um die Verbesserung der Wurftechniken. TV-Foto: Andreas Arens FOTO: (g_sport