Sie wollen nur spielen

Sport und Bewegung als Abwechslung zum Alltag in der Aufnahmeeinrichtung: Immer donnerstags und freitags können sich Flüchtlingskinder aus aller Herren Länder in der Arena Trier sportlich austoben. Seit Februar gibt es das Angebot, das sehr gut ankommt.

Trier. "Gelb!" Thing Wong hebt ein gelbes Feld des bunten Tuches hoch. "Gelb!" rufen die 20 Kinder. Und so geht es mit blau, rot und grün weiter. Als alle Farben des Tuches an der Reihe waren, reißen die Kinder das bunte Tuch nach oben, laufen unter dem Tuch durch, drehen sich mit dem Tuch im Kreis, hüpfen, bewegen sich, haben sichtlich Spaß.
Spaß hatten diese Kinder bis vor einigen Wochen nicht. Sie sind Flüchtlinge, derzeit untergebracht in der Aufnahmeeinrichtung (AfA) in der Dasbachstraße in Trier. Es sind junge Syrer, Kosovaren, afrikanische Kinder. "Das ist ein bunt gemischter Haufen", sagt Thing Wong.
Sie ist Lehrerin an der AfA, hat mit Sport eigentlich nichts zu tun. Aber plötzlich war sie mittendrin in diesem Projekt für Flüchtlingskinder bis 16 Jahren. "Die Kinder kommen ja quasi ohne Deutschkenntnisse hier an. In der AfA mischen sich die Nationalitäten kaum. Durch Sport und die nonverbale Kommunikation gibt es so einen Austausch zwischen den Nationen und Kulturen", sagt Wong.
Insgesamt vier Stunden pro Woche wird seit Februar für die Flüchtlingskinder ein Sport- und Bewegungsprogramm angeboten. Initiator ist Theo Lamberts, früherer Sportlehrer und Sportreferent der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier. "Mit den Sonntagsreden von der Willkommenskultur war diesen Kindern und Jugendlichen nicht geholfen. Wir wollten etwas tun."
"Wir", das sind neben Lamberts der FSV Trier-Tarforst und die AOK Trier - die die Lehrkräfte und Trainer stellen - und der Landessportbund, der Fußballverband Rheinland und andere Organisationen wie das Haus der Gesundheit, die Sportmaterialien oder aber Müsliriegel und Mineralwasser spenden. Die Turnschuhe der Flüchtlingskinder wurden an Trierer Schulen gesammelt und werden jetzt in der Arena gelagert.
"Viele helfende Hände kümmern sich darum, dass die Kinder so etwas wie ein kindgerechtes Leben haben können - und dazu gehört eben Bewegung", sagt Lamberts, der weiterhin auf der Suche nach Sponsoren und Förderern ist. Jutta Böse ist Sportlehrerin der AOK und betreut mit Thing Wong die Gruppe in ihrem zweistündigen Sportangebot in der Arena. Sie wirft große und kleine Bälle ins Tuch, die Kinder müssen mit Bällen und Tuch laufen. Aufgrund der Sprachbarriere ist es schwierig, den Kindern zu erklären, was sie machen sollen, aber mit Händen, Füßen und ein paar Brocken Englisch klappt es. Die Kinder lachen.
Gleich nach ihrer Ankunft in Deutschland kommen die Flüchtlinge in eine Aufnahmeeinrichtung, bleiben dort für ein paar Wochen, ehe sie weiterverteilt werden. "In der Einrichtung gibt es wenig Abwechslung und auch wenig Platz, um den Bewegungsdrang zu stillen. Da tut den Kindern dieses Angebot richtig gut, sie freuen sich darauf", sagt Wong. Donnerstags und freitags ist die Arena immer jeweils zwei Stunden für den Flüchtlingssport reserviert.
Der FSV Tarforst stand sofort bereit, als Lamberts wegen Unterstützung anklopfte. "Der FSV ist aus mehreren Gründen ein idealer Partner: Er hat viele Abteilungen und viele Übungsleiter, und er hat eine Fußballabteilung - denn Fußball wollen die Kinder immer spielen", sagt Lamberts. Fußball sei auch deswegen wichtig, weil die Kinder später oft in Dörfern leben, wo Fußball das einzige Vereinssportangebot ist. "Unser Ziel ist es ja, die Kinder in Vereine einzugliedern um sie dann dort schneller zu integrieren", sagt Lamberts.
Und bei ihm häufen sich mittlerweile schon die Anfragen aus anderen Kommunen aus ganz Deutschland, die ebenfalls Standort von Aufnahmeeinrichtungen sind und ähnlich wenige Möglichkeiten haben, den Spiel- und Bewegungsdrang von Flüchtlingskindern zu stillen. Mit einfachen Spielformen werden in Trier nicht nur Grundbedürfnisse erfüllt, sondern es wurden auch schon Talente gesichtet - und viel wichtiger: Durch den Sport lernen sie Deutsch. In einigen Wochen wird der sportliche Wortschatz weit über gelb, grün, blau und rot hinausgehen.