Sieg über die Schwerkraft

Von wegen Turnen ist langweilig! Gymmotion bewies bei der Premiere der 2012er-Show "Stars" am Freitagabend in der Arena Trier, wie unterhaltsam die Übungen sein können.

Trier. Es ist wahrscheinlich eine der ältesten Kinderspiele der Welt: Seilspringen, neudeutsch Robe Skipping. Was man mit einem simplen Seil alles machen kann, ist eine der leichtesten Übungen, mit denen die Akteure von Gymmotion am Freitagabend 2500 Besucher in der Arena Trier in Staunen versetzen.
Dabei: Es sieht nur leicht aus, was die Turner und Akrobaten während der rund zweistündigen Show zeigen. Die Schwerkraft scheint für sie nicht zu existieren. Oder nur dann, wenn sie hilfreich ist. Wenn zum Beispiel die vom deutschen Nationalteam der Rhythmischen Sportgymnastik in die Luft geworfenen Bälle wieder zu den Turnerinnen zurückkommen sollen, scheint die Gravitation wie von Geisterhand genau zum richtigen Zeitpunkt wieder eingeschaltet zu werden.
Dass hinter spielerisch wirkenden Salti und Flickflacks, (Ein-)Handständen und Hebefiguren jahrelanges Training steckt, darüber nachzudenken haben die Zuschauer keine Zeit. Gymmotion ist perfekt durchgeplant. Während sich auf der Bodenturnmatte in einer Hälfte der Arena die finnische Gruppe Unito und die Breakdancer von B-Boys gegenseitig mit ihrer Akrobatik übertreffen, wird im Dunkeln der anderen Hälfte nahezu unmerklich gewerkelt. Erst als das (künstliche) Feuer auflodert, über dem Yuriy Ovsyannikov seine treffend "The flame" genannte Handstandakrobatik vorführt, sehen die Zuschauer, was sich getan hat.
Eine Mischung aus Turnen, Akrobatik und Comedy, sportliche Höchstleistungen kombiniert mit Showeffekten, Gymmotion bringt Turnen weg vom Turnhallenmief auf den Stand der Zeit. Die Show ist weit mehr als durch Musik aufgemotztes Turnen. Das zeigt sich besonders bei "Cyr Wars", wenn Rhönrad-Weltmeister Robert Maaser, auch bekannt aus der RTL-Sendung Supertalent, und Sebastian Jäger als Star-Wars-Schurke Darth Vader sich rund um und mit dem Riesenreif (Cyr) duellieren.
Und Gymmotion beweist, dass manche schier übermenschliche Körperbeherrschung Form des künstlerischen Ausdrucks sein kann. Perfekt darin: Anastasiia Krutikova und Artem Panasiuk aus der Ukraine. Man glaubt, die zierliche Frau müsse unter dem Gewicht ihres Partners, der gestützt auf ihre Hüftknochen einen Handstand macht, zerbrechen. Das Duo Paradise schlängelt sich zuweilen so umeinander, dass es schwerfällt, zu sagen, welcher Fuß oder welcher Arm zu wem gehört. - Atemberaubend!
Apropos perfekt: Nicht alles läuft fehlerlos ab. Da kullert eine Turnerin von der Matte oder der Sprung auf dem Schwebebalken wird nicht gestanden. Dem Publikum werden die Akteure dadurch noch sympathischer. Auch Spitzensportler sind Menschen.