Sport, Show und Bombenstimmung

Sport, Show und Bombenstimmung

Kraft, Dynamik und Eleganz: Das sind die Zutaten für die Show Gymmotion. Weil halb Koblenz gestern wegen eines Bombenfunds evakuiert werden musste, wurde die Veranstaltung kurzfristig in die Arena Trier verlegt.

Trier. Eine Mischung aus Turnen, Akrobatik und Comedy, sportliche Höchstleistungen kombiniert mit Showeffekten - mit diesem Rezept fasziniert Gymmotion die Besucher. 2500 davon sind gestern aus Koblenz und Umgebung angereist gekommen, denn die dortige Sporthalle Oberwerth liegt im Evakuierungsgebiet. Mit einigen Trierern dürften es rund 3000 Gäste gewesen sein.
Wer bei Turnen zuerst an schmucklose Schulsporthallen und Magnesiastaub auf verschwitzten Händen denkt, wird sich bei der Gymnastikshow von diesen Assoziationen schnell verabschieden. Denn mit Körperertüchtigung im Sinne eines Turnvaters Jahn hat das nicht mehr viel gemein, was die Sportler und Artisten aufführen.
Robert Maaser, Rhönrad-Weltmeister und Halbfinalist in der Fernsehshow "Supertalent", scheint mit seinem Cyr-Rad genannten Gerät zu einer perfekten Symbiose zu verschmelzen und macht aus der sportlichen Höchstleistung eine künstlerische Performance. Nicht weniger energiegeladen, aber weitaus schneller geht es zu bei den Power Ropes, die zeigen, dass Seilspringen längst nicht nur etwas für kleine Mädchen ist. Auch sie sind allesamt Weltmeister oder Vizeweltmeister und steigern die Geschwindigkeit ins Atemberaubende, im Stehen, Sitzen oder beim Liegestütz. Näher an den klassischen Turndisziplinen ist die Reck-Show Thunder - bis auf die Heavy-Metal-Livemusik. Neben dem Boden-Olympiasieger von 1988, Sergei Charkow, ist auch der aktuelle Deutsche Meister im Sprung, Helge Liebrich, dabei. Das zeigt, dass Gymmotion weit mehr ist als eine mit turnerischen Elementen garnierte Show.
Auch die Wettkämpfer von morgen bekommen die Chance, sich zu präsentieren. Bevor die Show richtig beginnt, zeigen einige Nachwuchsgruppen ihr Können. Dazu kommen Jonglageeinlagen wie von Phil Os mit seinen Diabolos und ein paar Slap stickeinlagen von Entertainer Christoph Engels.
Mag vielleicht mancher Profi mehr am Kampf um Punkte und Platzierungen interessiert sein und weniger am spektakulären Effekt - für das Turnen an sich ist die Gymmotion ein Glücksfall und eine ideale Werbung. Die soll es schließlich auch sein, denn die Organisation liegt in den Händen des Turnverbands Mittelrhein. Und der poliert das bisweilen antiquierte und biedere Image der Sportart in nur zwei Stunden gründlich auf. Für die vom Moderator erwähnte "Bombenstimmng" ist jedenfalls nicht nur die Koblenzer Luftmine verantwortlich.
Eine weitere Aufführung gibt es am Freitag, 9. Dezember, in Luxemburg in der Coque. Im kommenden Jahr gastiert Gymmotion wieder regulär in Trier: zur Premiere am 30. November 2012.