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| 17:15 Uhr

Spochtipedia
Lindy Hop – acht Takte für die gute Laune (Video)

Beim Social Dance tanzt jeder mit jedem. Lindy Hop bringt Spaß, Kommunikation und Bewegung ins Leben.
Beim Social Dance tanzt jeder mit jedem. Lindy Hop bringt Spaß, Kommunikation und Bewegung ins Leben. FOTO: Rainer Neubert
Trier. Beim Swingtanz stehen Spaß und Dynamik an erster Stelle. Doch der Weg zur Leichtigkeit auf dem Parkett kann schwer sein. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

Von Rainer Neubert

Klapp – klappklapp – klapp! Das kurze Klatschen von Franzi reißt mich aus dem Gespräch mit meiner neuen Tanzpartnerin. Wir haben uns vor wenigen Minuten kennengelernt und tapfer versucht, diese vermeintlich einfache Schrittfolge bei Swingmusik möglichst flüssig nachzumachen. Tapfer, das gilt vermutlich eher für sie angesichts meines gebremsten Rhythmusgefühls. „Das war doch gut“, sagt sie und lacht. „Gut? Na ja, wenn ich mir die anderen hier so ...“ Klapp – klappklapp – klapp! Unsere freundlich lächelnde Vortänzerin unterbricht mit ihrem unmissverständlichen Klatschen nicht nur mein Gespräch. Das ist auch in Ordnung, schließlich will ich bei diesem Einsteigerkurs lernen, wie das mit Tanz funktioniert.

Vor zwei Jahren hatte ich gemeinsam mit meiner Frau bei der Illuminale eine unglaublich gut gelaunte Gruppe von Frauen und Männern beobachtet, die zu Swingmusik vor dem Trierer Rathaus die verrücktesten Tänze hinlegten. Das sei der Lindy Hop-Circle, wurde uns damals auf Nachfrage erklärt, ein noch ganz junger Verein in Trier. Beeindruckend und doch schnell aus allen Gedanken verbannt, bis vor wenigen Wochen eine rhethorische Frage den Anfang für das Ende meiner 25-jährigen Tanz-Abstinenz bedeutete. „Wollen wir nicht mal einen Swingtanz-Kurs machen?“

Nun stehe ich also bereits zum sechsten Mal im Tanzsaal unter dem Dach des Jugendzentrums Mergener Hof und versuche zu lernen: Den Bounce, dieses rhythmische Wippen, der sozusagen die Basis für alle Bewegungen im Takt der Musik aus den 20er bis 40er Jahren ist, und den Eight-Count, den Schritt im Acht-Schläge-Muster. Der Six-Count – zurück, vor, Trippel-Schritt, Trippel-Schritt – geht noch einmal anders. Als Mann führe ich, das versteht sich fast von selbst, das macht für Ungeübte die Sache aber nicht einfacher.

Muss ich mit einem Tanz-Partner kommen?

Diese Frage ist mit einem eindeutigen Nein zu beantworten. Lindy Hop sei ein „social dance“, hat Franziska bereits in der ersten Tanzstunde erklärt. Zwar werden bei der Kursregistrierung Paare bevorzugt – egal ob gemischt oder gleichgeschlechtlich. Das ist aber nur deshalb so, damit im Kurs genügend Leader und Follower anwesend sind. Dennoch bedeutet das nicht die Festlegung auf den eigenen Partner. Klapp – klappklapp – klapp! „Followers change partners to the right!“ Ashley, der gemeinsam mit Franzi uns Anfängern zeigt, wie es geht, spricht meist Englisch. Was er will, verstehen trotzdem alle: Beim Social Dancing tanzt man nur ein oder zwei Songs mit demselben Partner, danach wird getauscht.

In den ersten Unterrichtsstunden ist das ein komisches Gefühl. Gerade hat man sich auf seine Partnerin eingestellt und einige Worte gewechselt, schon geht die Runde weiter. „Gerade das macht doch Spaß“, versichert mir meine neue Kurzzeit-Tanzgefährtin, während ich versuche, mein Wippen in den Knien nicht ganz so steif wirken zu lassen.

Welche Schuhe sollte ich tragen?

Es funktionert mit leichten Laufschuhen. Aber wirklich erste Wahl ist das spätestens dann nicht mehr, wenn es auch um Drehungen geht. Die Gelenke werden sich für glatte Sohlen bedanken. „Wir empfehlen, zu Beginn einfache Sneakers zu tragen“, sagt Franzi, die schwärmt, Lindy Hop sei energetisch und fröhlich. . Auch davon kann ich trotz mäßiger Lernfortschritte bereits ein Lied singen. Stichwort energetisch: Das fast permanente Wippen auf dem Vorfuß stählt die Waden und spendierte jedem Anfänger nach einer Stunde Übung am Folgetag einen mächtigen Nachhall in Form von Muskelkater. Stichwort fröhlich: Die Swingmusik und die Gewissheit, dass auch andere mal den Takt nicht halten, lassen mehr Steifheit verschwinden, als ich jemals gedacht habe.

Kann ich etwas verkehrt machen?

„Stell’ dich nicht so an!“, flüstert mir ein virtuelles Engelchen besänftigend ins Ohr, während sich das Teufelchen auf der linken Schulter gerade vor Lachen schüttelt, weil das mit der Drehung wieder nicht geklappt hat ...

„Ist nicht schlimm, wir machen das einfach noch mal“, sagt meine vierte Tanzpartnerin an diesem Abend und lacht mich an. Sie hat wirklich Spaß, das steckt an. Und dann kommt sie doch noch, meine Stunde. Lindy Hop ist Swing, Lindy Hop ist auch Charles­ton. Ashley macht es vor. Wow! Genau diese besondere Schrittfolge ist es, die mich packt. Spaß pur, nass geschwitztes Hemd, und die Gewissheit, dass nicht alles von Beginn an gut sein kann. Aber das ist auch nicht schlimm.

Klapp – klappklapp – klapp! Dann ist die Tanzstunde vorbei. In wenigen Minuten werden die erfahrenen Lindy Hopper beim offenen Treffen Spaß haben. Anina, eine der immer strahlenden und so sicher auftretenden Frauen in der Runde, erzählt, dass sie erst vor einem Jahr mit dem Tanzen begonnen hat. Und dann schwärmt sie, was Sozial Dance ausmacht. „Beim letzten Quattropole-Swing-Exchange bin ich als hässliches Entlein hingegangen und habe mich danach wie ein Schwan gefühlt.“ Ihre Augen strahlen.

„Na, du Schwan“, raune ich meiner Frau zu, mit der ich immerhin ein Lied getanzt habe. Auch sie strahlt. Und ich? Schwan ja, aber eher einer von der sterbenden Sorte. Ich werde doch noch ein wenig mehr für meine Metamorphose tun müssen.

Der richtige „Bounce“ ist wichtig. Coach Ashley macht auf einem von Franziska Ritter gehaltenen Block die wellenförmige Bewegung sichtbar.
Der richtige „Bounce“ ist wichtig. Coach Ashley macht auf einem von Franziska Ritter gehaltenen Block die wellenförmige Bewegung sichtbar. FOTO: Rainer Neubert
Lockerheit ist wichtig. Vor jeder Tanzstunde ist gemeinsames Aufwärmen Pflicht.
Lockerheit ist wichtig. Vor jeder Tanzstunde ist gemeinsames Aufwärmen Pflicht. FOTO: Rainer Neubert