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Sportbund Rheinland fordert mehr Unterstützung für Sportvereine

Vereine : Wenn der Sport um Hilfe ruft

Erzwungen durch die Corona-Pandemie führte der Sportbund Rheinland seine Mitgliederversammlung erstmals virtuell durch. Die digitalen Möglichkeiten wurden auch in der Satzung verankert.

Eine Plexiglaswand zwischen Präsidentin Monika Sauer, Geschäftsführer Martin Weinitschke und Vizepräsident Finanzen Fritz Langenhorst. Statt auf einen Saal mit Hunderten Vereinsvertretern schaute das Trio des Sportbundes Rheinland (SBR) am Samstagvormittag in eine Kamera. Erstmals – und durch die Corona-Pandemie erzwungen – führte die Dachorganisation für den Sport zwischen Eifel, Hunsrück und Westerwald die Versammlung virtuell durch. „Es hat toll geklappt“, freute sich Monika Sauer bei der anschließenden, ebenfalls virtuell durchgeführten Pressekonferenz über die etwa zweistündige Sitzung mit rund 180 Teilnehmern. Das Format könnte es in Zukunft öfters geben. Mit einer Satzungsänderung machten die Delegierten den Weg für virtuelle Tagungen und elektronisch gefasste Beschlüsse der SBR-Organe und somit beispielsweise auch der Sportkreistage frei. Die virtuelle Sportbundversammlung konnte nur dank einer gesetzlichen Übergangsregelung virtuell durchgeführt werden. Die beschlossenen Satzungsänderungen machen den SBR laut Geschäftsführer Martin Weinitschke krisenfester. Die Corona-Krise hat den Sport aber weiter und seit dem erneuten Lockdown noch fester im Griff. „Die Beschränkungen des Vereinsbetriebs, die den Vereinen im März und den Folgemonaten sowie im November auferlegt wurden, haben den organisierten Sport ins Mark getroffen“, erklärte Monika Sauer in ihrem Bericht. Die SBR-Präsidentin fordert eine Beteiligung des organisierten Sports bei der Erstellung der Corona-Verordnungen. „Eingebunden waren wir in die Prozesse der Erstellung dieser Verordnungen zu keiner Zeit“, so Sauer. Teilweise seien die Informationen erst am Abend vor der Veröffentlichung oder am Tag selbst zugestellt worden. Selbst kurz- und erst recht mittelfristige Planungen seien so nicht möglich. Zusammen mit Weinitschke forderte sie außerdem von der Politik Hilfen, um Funktions- und Leistungsfähigkeit von Vereinen und Verbänden wiederherzustellen. Das bisherige rheinland-pfälzische Hilfsprogramm für Vereine steht laut Monika Sauer hinter dem anderer Bundesländer zurück. Ein Verein muss quasi vor der Insolvenz stehen, bereits alle möglichen eigenen Maßnahmen ergriffen und auch Rücklagen aufgelöst haben. Entsprechend haben im Bereich des SBR von mehr als 3000 Vereinen erst zwölf eine Bewilligung von Zuwendungen über insgesamt 60 000 Euro erhalten (Stand Ende November). Monika Sauer fordert unbürokratischere Hilfen für Vereine, die den auch vom Sportbund geforderten Mindestmitgliedsbeitrag erheben. Hilfe für Vereine dürfe nicht nur im Insolvenzfall fließen, sagte Monika Sauer. Die letzten Signale aus dem auch für den Sport zuständigen Innenministerium seien positiv gewesen. Der für den Sport zuständige Minister Roger Lewentz kündigte den Delegierten in einer Videobotschaft an, dass der rheinland-pfälzische Sport erstmals seit 20 Jahren mehr Geld vom Land bekommt. SBR, die Sportbünde Rheinhessen und Pfalz, Landessportbund sowie der Spitzensport können auf 1,35 Millionen Euro bauen. „Der Sportbund Rheinland kann in etwa mit den vor Corona geplanten Mitteln wirtschaften. Wir haben keinerlei Hilfen erhalten, die wir weitergeben könnten, wir haben aber auch keine allzu hohen Einnahmeausfälle“, sagte Monika Sauer zur finanziellen Situation ihres Verbands. Der SBR werde im kommenden Jahr mit rund 7,6 Millionen Euro wirtschaften. „Die Mitgliederentwicklung wird ein dominantes Thema im weiteren Verlauf der Pandemie werden“, sagt Martin Weinitschke. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte davon gesprochen, dass 15 Prozent der Sportvereinsmitglieder im Zuge der Corona-Einschränkungen einen Austritt erwägen. Diese Entwicklung kann beim SBR noch nicht bestätigt werden. Denn die aktuelle Mitgliedererhebung hat gerade erst begonnen. Klar ist laut Weinitschke aber: „Die normale Fluktuation ist unterbrochen.“ Das heißt: Es gibt Vereinsaustritte (mindestens) so wie immer, wegen fehlender Sportangebote aber keine neuen Mitglieder. Das im Januar ausgerufene Jahresmotto „Mehr Verein im Sport“ habe durch Corona eine „überragende Bedeutung“ (Sauer) gewonnen.